Flintsbach – Das aktuelle Stück „Hoppla! Die Bettleroper“ feiert derzeit Riesenerfolge. Das Volkstheater Flintsbach hat mit diesem „bairischen Musical“ rund um „Mackie Messer“, einen sympathischen Hallodri und Frauenheld aus dem London der 1920er-Jahre, eine wunderbare Figur auf die Bühne gebracht. Die OVB-Heimatzeitungen warfen mit Pia Reitzig vom Flintsbacher Volkstheater einen Blick hinter die Kulissen.
Mit dem aktuellen Stück ist dem Flintsbacher Volkstheater ein Volltreffer gelungen. Haben Sie das schon im Vorfeld geahnt oder war es eine Überraschung?
Zur Beantwortung muss ich ein wenig ausholen: Im Volkstheater Flintsbach werden anspruchsvolle Volksstücke und Theaterklassiker in hauptsächlich bairischer Mundart auf die altehrwürdige Bühne gebracht. Stücke bekannter Autoren wechseln sich mit eigenständig bearbeiteten Versionen von Fernsehspielen und anderen (Freilicht-)theatern, oder manchmal sogar einer Uraufführung ab. Da Bühnen- und Kulissenbau ein besonderes Markenzeichen unseres Theaters ist, fallen auch alle Stücke weg, die „nur“ vor einem statischen Bühnenbild spielen. Es muss eine gewisse Abwechslung zum Stück der Vorjahre gegeben sein. Und nicht zuletzt: Die entsprechenden Personen, sprich Rollen und Musikanten, müssen etwa ein halbes Jahr lang Zeit haben.
Alle diese Faktoren wurden vom aktuellen Stück „Hoppla! Die Bettleroper“ erfüllt.
Das Stück ist ja eher ein Musical in bayerischer Sprache. Die 60 Mitwirkenden müssen auch gut singen können. Wie haben Sie das bewältigt?
Regulär beginnt unsere Probenzeit etwa im März. Für unsere musikalische Komödie wurde der Probenbeginn auf Januar vorverlegt. Das Hauptaugenmerk war, vor dem eigentlichen Probenbeginn die 23 Gesangsnummern einzustudieren. Dazu muss man wissen, dass unser Theaterhaus 1675 erbaut wurde. Da selbst im März die Temperaturen in dem über 350 Jahre alten Gemäuer noch recht gewöhnungsbedürftig sind, wurden die Proben kurzerhand in den Flintsbacher Pfarrsaal umquartiert. Viele der Darsteller sind aktive Mitglieder des Kirchen- und Jugendchores. Die Melodien des Stückes sind sehr eingängig und teilweise bekannt wie „Der kleine grüne Kaktus“.
Wer hat die Leitung in diesem Bereich übernommen?
Regina Westenhuber (Leitung des Jugenchors Flintsbach) und Lisa Obermair (Leitung des Kirchenchors Flintsbach), selbst aktiv als Schauspielerinnen, übernahmen die musikalischen Proben. Geprobt wurde zwei- bis dreimal in der Woche, meist am Abend und am Wochenende. Ab März kamen dann die „normalen“ Theaterproben sowie die Tanzproben für die Choreografie hinzu.
Sie haben drei „ausgebildete Stimmen“ dabei. Wer sind sie und welche Rollen besetzen sie?
Lisa Obermair als „Mrs. Peachum“ und Regina Westenhuber als „Polly“ haben beide eine Gesangsausbildung. Franziska Achrainer als „Lucy“ hatte mehrere Stunden Gesangsunterricht. Neben dem Volkstheater ist Musik die große Leidenschaft der drei.
Nach der Aufführung ist vor der Aufführung. Wie viele werden es in dieser Saison und wann kann das Ensemble in Urlaub gehen?
Ursprünglich waren 20 Vorstellungen geplant. Aufgrund der positiven Resonanz und der großen Nachfrage sind nun noch acht zusätzliche Vorstellungen hinzugekommen. „Hoppla! Die Bettleroper“ wird insgesamt 28-mal auf der Bühne zu sehen sein. Am Sonntag, 13. August, fällt dann der letzte Vorhang. Danach wird feierlich zum Schwaigerwirt in Flintsbach marschiert, wo Theaterabschluss gefeiert wird. Am Tag darauf treffen sich noch einmal alle Mitwirkenden im Theaterhaus, es wird aufgeräumt.
Gibt es ein Geheimrezept, dass alle „Theaterer“ von der ersten Probe bis zum letzten Schlussapplaus an Bord bleiben? Und wie steht es mit den Musikern? Wechseln die ab und zu durch?
Jede Rolle und auch die Musikanten sind nur einfach besetzt, sprich wir haben keine „Reserve“. Es ist eine besondere Ehre, zur Jahreswende von unserem Spielleiter gefragt zu werden, ob man in der nächsten Saison spielen möchte. Zwischendurch auszusteigen, geht nicht. Das Gemeinschaftsgefühl, das entsteht, wenn sich ein Stück während der Probenzeit entwickelt und schließlich gemeinsam auf die Bühne gebracht wird, ist für einen Außenstehenden nur schwer zu verstehen. Es ist diese Einigkeit über mehrere Generationen hinweg, die bewirkt, dass die aufgewendete Zeit nicht als Belastung, sondern als Bereicherung empfunden wird. Unser ehemaliger Vorstand Anton Deininger sagt immer, es sei „diese besondere Luft“ im Theaterhaus, die einen nicht mehr loslässt.
Der Vorhang fällt und die Besucher gehen nach Hause. Aber was machen alle Mitwirkenden, von der Souffleuse bis zum Schminkteam und Beleuchter?
Es gibt eine ungeschriebene Regel: Was im Theaterhaus passiert, bleibt auch dort. Allzu viel wird hier also nicht verraten – doch so viel sei gesagt: Natürlich überträgt sich die Stimmung des jeweiligen Stückes auf alle Mitwirkenden auf und hinter der Bühne. Diese abzuschütteln, ist schwer, und so bleibt man nur allzu gerne noch ein wenig beisammen. Wir sind ja alle Laienschauspieler und müssen am nächsten Tag wieder in die Arbeit oder in die Schule. Feste wie Geburtstage werden unter Theaterkollegen gerne gefeiert. Ein Highlight ist das traditionelle „Bühnenfest“ für alle Mitwirkenden. Mehr sag ich nicht.Interview: Sigrid Knothe