Bruckmühler Kunst über Klimawandel begeistert in Russland

Dorrer-Bild geht nach St. Petersburg

von Redaktion

Kunst spricht ohne Worte und ist deshalb international. Dies beweist einmal mehr ein Bild, das von Bruckmühl aus „die Welt erobert“ und nach St. Petersburg (Russland) „umgezogen“ ist. Geschaffen wurde es von Rupert Dorrer. Mit seinem Werk prangert der Künstler den Klimawandel sowie die Industrialisierung an.

Bruckmühl – Entstanden ist das Bild, das zur Achtung vor der Natur und den Menschen selbst aufrufen will, in Dorrers Atelier in Hausham. Es ist in mehrere szenischen und symbolträchtige Abschnitte aufgeteilt. „Links sind Kinder zu sehen, die auf Hilfe hoffend, ihre Hände und Gesichter gen Himmel recken und nach einem Hubschrauber Ausschau halten. Ihre Füße stehen auf vormals festem Boden, der jetzt bereits mit Wasser überflutet ist“, beschreibt Dorrer sein Werk gegenüber unserer Zeitung.

Dieser Abschnitt des Werkes soll den Landverlust durch das Ansteigen des Meeresspiegels verdeutlichen. Denn dies hätte zur Folge, dass 28 Millionen Menschen als Umweltflüchtlinge unterwegs sind. „Ich will mit meinem Bild mahnen“, betont deshalb der Künstler und leitet damit gleich selbst über zum Bereich mit violetten Schloten, aus denen Rauch aufsteigt, der den blauen Himmel verdunkelt. Die Kaminschlote setzt Dorrer mit der Industrialisierung gleich und bietet ihnen mit den beiden grünlichen Trennungsbalken Paroli.

Denn in diesen spiegelt sich die Natur wider. „Sie sind aus Hochwasserschlamm gefertigt. Die Pigmente sind mit einer Mischung aus Sand, Erde und Fundstücken der näheren Umgebung vermischt“, so Dorrer. Dabei hat sich eine Cola-Dose als Symbol für die Vermüllung der Natur ebenso eingeschlichen wie eine Libelle, die als Hoffnungsschimmer auf Besserung, Fortbestand und die Wichtigkeit der Insekten für die Erde hinweisen soll.

Doch wie kommt nun das Bild nach Russland? Hier hatte der Zufall seine Hand im Spiel. Auf einem Antikmarkt lernte Dorrer eine junge Russin kennen, die sich – nachdem man miteinander ins Gespräch gekommen war – sofort für seine zum damaligen Zeitpunkt erst vorhandenen Bildentwürfe interessierte. „Per Handschlag besiegelten wir einen späteren Kauf des Bildes“, rekapituliert der Künstler den Hergang.

Inzwischen, nach monatelanger Arbeit, ist das Bild fertiggestellt und der Kauf abgeschlossen. Auf Bitte von Dorrer spendete die Käuferin einen Betrag davon an die Bruckmühler Tafel. Damit hatte zwar das Werk den Eigentümer gewechselt, noch nicht aber das Land. Dies aber war teils ein schwieriges Unterfangen. Schließlich ist das Bild 80 Zentimeter hoch und 2,50 Meter breit. Über eine regionale Spedition – speziell verpackt und mit zahlreichen Papieren ausgestattet – ging es zum Containerbahnhof in Gütersloh. Von dort erfolgte dann die Reise nach St. Petersburg. Zusammen mit einer Bildbeschreibung ist das Werk in der über fünf Millionen Einwohner zählenden Stadt in einer Galerie ausgestellt. „Was ich so von der russischen Käuferin gehört habe, stößt es dort auf überaus positive Resonanz“, freut sich Dorrer. Ein Lob in seinen Augen, schließlich ist die Innenstadt mit 2300 Palästen, Prunkbauten und Schlössern mit ihrer Historie, ihrer Kunst und ihrer Architektur Weltkulturerbe der Unesco.

Über Rupert Dorrer

Rupert Dorrer ist seit über 50 Jahren als Maler, Restaurator und im Kunsthandel tätig. Der 76-Jährige ist deutschlandweit und auch über die Grenzen der Republik hinaus bekannt. Er wurde in München geboren und ist in Prien am Chiemsee aufgewachsen.

Nach dem Abitur am Gymnasium in Stein an der Traun schloss er in der bayerischen Landeshauptstadt in einem renommierten Antiquitätengeschäft seine Ausbildung zum Restaurator ab und besuchte die Bildhauer-Schule in der Luisenstraße. Anschließend studierte er an der Akademie Salzburg freie Malerei. Dorrer gehörte in den 60er-Jahren der Schwabinger Künstlerszene an und gründete später in Bruckmühl eine Kunst-Kommune. Seine kritischen und mahnenden Bilder waren schon in zahlreichen Ausstellungen zu sehen, unter anderem in der KZ-Gedenkstätte in Dachau.

Der Verkauf seines früheren Elternhauses und die Überlassung der von seinem Vater begonnenen und von ihm weitergeführten Dorrer-Sammlung waren die Grundlage für die Gründung der Galerie Markt Bruckmühl im Jahre 1994 (wir berichteten).

Dorrer ist bis heute – zusammen mit Kollegen – als Juror für die Galerie tätig und maßgeblich an der Auswahl der dortigen Ausstellungen beteiligt.

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