Bruckmühl/Heufeldmühle – Als sich die Asylhilfe Bruckmühl gründete, wussten die ehrenamtlichen Aktiven um das damalige Kompetenzteam Traudl Hart, Irene Oberst und Egon Radke nicht, was sie in den kommenden Jahren erwarten wird.
Unter den Schlagworten „Integration und Koordination“ verbargen sich unter anderem Spendengesuche, deren Annahme und Verteilung sowie Sprachkurse, Vermittlungen et cetera. Den Flüchtlingen in Wohngemeinschaften wurden zunächst Paten an die Seite gestellt. Eine besondere Herausforderung und Zusammenarbeit mit den Landkreisstellen war überdies die Betreuung der Asylbewerber, die von Dezember 2015 bis Mai 2016 in der Turnhalle des Gymnasiums untergebracht gewesen waren (wir berichteten).
Heute stehen dem Helferkreis Ina Raki, Catherine Bruha und Brigitte Paul vor. Etwa 120 Menschen sind bei der Asylhilfe aktiv (siehe Kasten).
Ein Beispiel für die vielschichtigte Arbeit des Helferkreises ist Familie Ghafari aus Afghanistan. Vor zwei Jahren flüchtete diese aus Kabul. Bis dahin arbeitete der 31-jährige Samey Ghafari in Afghanistan als Übersetzer für amerikanische Militärkräfte vor Ort und später für die Polizei. Mit dieser Arbeit für „Ungläubige“ gehörte er in den Augen der Taliban zu den Feinden.
Ein normales, angstfreies Leben war nicht mehr möglich. „Wenn man sich am Morgen von seiner Familie verabschiedete, war man sich nie sicher, ob man sich am Abend wiedersieht“, beschreibt er die belastende Situation gegenüber den Patinnen Christl Schuster und Karin Bäumler von der Asylhilfe Bruckmühl und gegenüber unserer Zeitung.
Trotzdem zögerte die Familie eine Flucht hinaus. Der Grund dafür war Tochter Sarah. Sie war für die gefährliche Reise noch zu klein. „Doch 2015 war die Gefahr im eigenen Land größer als die Angst vor der Flucht. Mit Hilfe von Schleppern begann die Reise mit neuen Papieren zunächst per Flugzeug in den Iran“, schildert Ghafari.
Vom Iran aus ging es zu Fuß über das Gebirge in die Türkei, ein Schlauchboot brachte sie nach Griechenland. In Bruckmühl landete Familie Ghafari unter anderem über Stationen in Ungarn, Passau und München. Zwei Monate lang dauerte die Flucht. Sie war eine Reise ins Ungewisse und hat bei der Tochter, heute fünf Jahre alt, Spuren hinterlassen.
So hat sie seit der Fahrt mit dem Schlauchboot Angst vor dem Wasser. Doch das Mädchen ist dabei, diese Erfahrungen hinter sich zu lassen. Es turnt und tobt gerne, lacht beim Spielen und mit Freunden und hat ein mutiges Ziel: Im Sommer Schwimmen zu lernen. Sarah geht in Heufeldmühle in den Kindergarten. „Dort hat sie auch Kontakt zu Gleichaltrigen, lebt sich gut ein und wurde schon vereinzelt eingeladen“, betont Christl Schuster.
Gemeinsam mit ihren Eltern lernt sie deutsch. „Der Familienvater kann inzwischen stolz den Deutsch-B1-Abschluss vorweisen und hat bereits die Schulung zum B2-Kurs besucht“, ergänzt Schuster. Nach Zeitarbeit für eine Klinik in Bad Aibling hat er nun eine neue Stelle gefunden. Als Lagerfachkraft für Logistik beginnt er ab 1. September eine Lehre bei einer örtlichen Firma. Bis dahin arbeitet er sich bereits dort ein. Lagerist ist einer seiner Wunschberufe.
Frau Mitra besucht die Berufsschule in Bad Aibling, um weiter intensiv deutsch zu lernen, und arbeitet darüber hinaus als Haushaltshelferin in einer Aiblinger Familie. Inzwischen sind die Kinder dort Fans der afghanischen Küche, wissen die Patinnen.
„Um zwischen Bahnhof, Schule und Job schnell pendeln zu können, wurde extra ein Fahrrad in der Nachbarkommune deponiert“, erläutern Christl Schuster und Karin Bäumler. Was hierzulande normal erscheint, ist für Mitra ein großer Schritt: In Afghanistan wäre es für Frauen undenkbar gewesen, Fahrrad fahren zu lernen – geschweige denn alleine unterwegs zu sein.
Das neue Zuhause der Familie Ghafari ist in der Nähe des Bahnhaltepunkts „Heufeldmühle“ und umfasst ein Zimmer plus Küche und Bad. In dem einen Raum wird gelebt, gegessen und geschlafen. Die alltägliche Sicherheit in Deutschland hat die Familie wieder aufleben lassen und lässt sie positiv in die Zukunft blicken. Sie freuen sich über das neue Leben im doppelten Sinn: Im Sommer erwartet Mitra Ghafari ihr zweites Kind. Deshalb sind die Familie sowie die Asylhilfe auf der Suche nach einer größeren Wohnung für die bald vier.
Infos per E-Mail an helfen@asylhilfe-bruckmuehl. de. Angebote werden an die Familie weitergereicht.