Bad Aibling – Der Glonnspitz war der zentrale Treffpunkt gestern zur Mittagszeit: In einem dort aufgestellten Zelt ließen die zahlreichen Vertreter der Behörden, der Politik und des öffentlichen Lebens zusammen mit den Anwohnern die seit dem Hochwasser 2013 durchgeführten Hochwasserbaumaßnahmen Revue passieren (siehe Kasten).
„Das Leben am Fluss ist wie ein Gottesgeschenk. Das spürt man hier am Glonnspitz ganz besonders“, betonte Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf. Doch seien „so wunderbare Stücke Natur wie die Mangfall eben auch launisch“. Dies habe Bad Aibling im Juni 2013 zu spüren bekommen, als die Stadt haarscharf an einer Hochwasserkatastrophe vorbeigeschrammt sei.
Seither sei eine Menge geschehen. „Insgesamt haben wir 14 Millionen Euro für die Menschen in der Stadt in die Hand genommen, um sie vor einem 100-jährlichen Hochwasser zu schützen. Jetzt können die Aiblinger wieder ruhig schlafen und das Leben an der Mangfall genießen. Ein Deichbruch ist künftig nicht mehr zu befürchten“, betonte die Ministerin.
Wie alle Redner wies jedoch auch sie darauf hin, dass ein 100-prozentiger Schutz niemals möglich sei. „Das Risiko wurde reduziert. Es liegt aber nicht außerhalb der Realität, dass es eines Tages zu einem Regenereignis kommt, das die Wirkung der Schutzmaßnahmen übersteigt“, pflichtete ihr Wasserwirtschaftsamtsleiter Paul Geisenhofer bei. Beide appellierten auch an die Eigenverantwortung der Kommunen und der Bürger. Scharf gab in diesem Zusammenhang zu bedenken, dass Überschwemmungsgebiete „einfach keinen guten Baugrund bieten“.
Wie ihre Vorredner hoben auch Landrat Wolfgang Berthaler und Bürgermeister Felix Schwaller die reibungslose und unkomplizierte Zusammenarbeit sämtlicher Beteiligter bei diesem Projekt hervor. Lob für die Maßnahme und vor allem die ökologische Ausgestaltung („die Rampe für die Fische ist schlichtweg vorbildlich“) habe es ausdrücklich auch vom Bund Naturschutz und den Fischereivereinen gegeben.
Schwaller beglückwünschte die Behörden für ihre „hervorragenden Mitarbeiter“, allen voran Projektleiterin Iris Reitinger-Eß vom Wasserwirtschaftsamt und Claudia Schweinöster vom Landratsamt, die 17 Planfeststellungsverfahren allein für das Mangfalltal „elegant und streitlos“ abgewickelt hätten.
Die Stadt Bad Aibling ihrerseits gehe den nächsten Schritt nun mit dem Hochwasserschutz an der Glonn in Mietraching. Hierzu gebe es ein Untersuchungsverfahren (Audit) – was auch Scharf mit Nachdruck würdigte. Denn: In Zeiten des Klimawandels habe Hochwasserschutz sehr große Priorität. In diesem Zusammenhang bekräftigte die Ministerin auch noch einmal die dringende Notwendigkeit des Polders in Feldolling.
„An über 300 Tagen wurde im Bauabschnitt 2 gebaut. 7500 Lkw-Ladungen Deichbaumaterial und Wasserbausteine wurden angeliefert. Eine solche Maßnahme geht nicht ohne Lärm, Schmutz und Erschütterungen“, erklärte dann Paul Geisenhofer mit Blick auf das zurückliegende Geschehen in Bad Aibling. Deshalb galt sein ausdrücklicher Dank den Anwohnern. „Sie haben natürlich auch einen Nutzen durch den Hochwasserschutz. Doch sie haben wirklich viel mitgemacht.“ Dennoch sei es während all der Zeit „ein gutes Miteinander gewesen“, hob er hervor. Dies wurde auch durch den überraschenden Auftritt zweier Musiker mit Ziach und Gitarre deutlich, die als Freunde des benachbarten Autohauses Neumaier zur Unterhaltung aufspielten.
Den kirchlichen Segen für den fertiggestellten Bauabschnitt erteilten der evangelische Pfarrer Markus Merz und sein katholischer Amtskollege Georg Neumaier.