Bruckmühl – Die Marktgemeinde Bruckmühl – oder besser gesagt eine Station in der Kommune – kannte der Pater bereits, bevor der Umzugswagen sein Hab und Gut nach Heufeld brachte: die Wallfahrtskirche Weihenlinden. Mit seinen ehemaligen Pfarreien hatte er schon mehrfach dort Halt gemacht.
„Der Wallfahrtsgedanke und die damit verbundene Seelsorge entsprechen den Werten meines Ordens. Das passt, dachte ich mir deshalb auch, als mich die Erzdiözese München-Freising ansprach, ob ich mir den Posten als Ruhestandspfarrer, welcher ich seit 1. September bin, mit 40 Prozent Dienst vorstellen könnte“, so Pater Lötscher. Als auch der Provinzial des Ordens grünes Licht gab, war der Wechsel des Schweizers ins Mangfalltal fix.
Die vergangenen zwölf Jahre war der Pater Seelsorger der Pfarrei Maria Königin in Grünwald und zusätzlich die letzten acht Jahre in der Pfarrei Peter und Paul. Der Geistliche ist für sein freiheitliches Denken bekannt. „Stillstand ist nichts. Man darf den Menschen aber mit Neuerungen auch nicht überfordern“, betont er. Zusammen mit dem Pfarrgemeinderat müsse an einem Strang gezogen werden.
Und weiter: „Die Ökumene ist mir eine Herzensangelegenheit.“ So habe er einige Neuerungen in Grünwald mit seinem evangelischen Amtskollgen ins Leben gerufen, die auch einmal etwas von den strengen Richtlinien der Kirchen abgewichen seien. Der Pater verfährt dabei stets nach seinem Leitspruch, den er sich zur Primiz vor 50 Jahren ausgesucht hat: „Von Gott in Dienst genommen, um für alle Menschen da zu sein.“
Geboren ist der Geistliche in Flühli im Kanton Luzern (Schweiz). Er wuchs zusammen mit acht Geschwistern auf. „Eine Schwester ist allerdings schon verstorben“, so der Pater. Nach der Grundschule zeichnete sich im Gymnasium eine Begeisterung für Religion und den Glauben ab. Nachdem ein Priester ihn auf diesen Beruf hin angesprochen hatte, kam bei Lötscher der Wunsch auf, Missionar zu werden. „Dabei war meine Familie in keinster Weise über die Maßen hinaus fromm“, betont Pater Lötscher.
Das Interesse für Missionarsarbeit brachte den 78-Jährigen zum Orden „Oblaten der Unbefleckten Jungfrau Maria“. Diese Glaubensgemeinschaft stand an der Spitze der Missionsbewegung, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts eingesetzt hat (siehe Kasten).
Nach seinem Noviziat im Kloster Maria Engelport an der Mosel erfolgte das Studium der Philosophie und der Theologie an der ordenseigenen Hochschule in Hünfeld. Das Bonifatiuskloster ist das geistliche Zentrum in Hünfeld im Bistum Fulda.
Die Oblatenmissionare leben und arbeiten dort seit 1895. „Ich war sehr zierlich damals, wog nur 52 Kilogramm. Deshalb riet man mir von einer Missionarstätigkeit aufgrund meiner Gesundheit ab. Es hieß, ich würde diese nicht überstehen“, schildert der Pater gegenüber unserer Zeitung den Moment, als sein Berufswunsch „platzte“.
Rückblickend sei dies aber kein Beinbruch gewesen, wie der Geistliche betont. Als Vikar, was dem hiesigen Kaplan entspricht, kam er „zur Mission“ nach Biberach an der Riß. „Dort war ich fünf Jahre lang tätig, ehe es für ein Jahr nach Offenbach ging.“
1974 trat Pater Lötscher dann seine erste Pfarrersstelle an: „Eine aufregende Zeit, in einer wunderschönen Kirche in Oberelchingen bei Ulm.“ Bis 1984 war der Schweizer dort „stationiert“, ehe es zurück nach Biberach ging. Bis heute hat er dorthin eine tiefe Verbindung. So hatte er 1968 als Vikar nicht nur geholfen, die Pfarrei aufzubauen, sondern in den 21 Jahren seiner Priesterzeit dort auch junge Geistliche ausgebildet. Zu seinen zahlreichen Aufgaben gehörten zudem fünf Jahre stellvertretender Dekan sowie sieben Jahre Dekan für 43 Pfarreien gewesen zu sein. 2005 dann der Wechsel gen München nach Grünwald.
Bei den zahlreichen Stationen kommt zwangsläufig die Frage auf: „Wo ist die Heimat von Pater Lötscher?“ Die Heimat sei und bleibe die Schweiz. Aber: „Ich habe mich an allen Einsatzorten daheim gefühlt.“ Hierfür würden auch die Heufelder und Bruckmühler bereits sorgen: „Ich wurde schon zu einer Besichtigungstour durch die Marktgemeinde abgeholt. Alle sind hier sehr nett und hilfsbereit. Zudem werde ich, da ich abends nicht mehr gern Auto fahre, für die Messen in Kirchdorf und Götting abgeholt“, schildert der Pater. Ihm ist es sehr wichtig, den Glauben weiterzugeben. „Mein Ziel ist es, dass die Menschen sehen, dass Glaube nicht beängstigend ist. Er kann helfen, damit unser Leben gelingt“, beschreibt der Pater seinen Antriebsmotor. Die Kirche dem Zeitgeist anzupassen, ist in seinen Augen der falsche Weg. „Aber man muss mit der Zeit gehen und offen für Situationen vor Ort sein“, betont der 78-Jährige.