Bad Aibling – Die ersten Kulturtage zur politischen Bildung – von 26. Januar bis Anfang Februar 2018 – werden einem der letzten Zeitzeugen des Nationalsozialismus und Namensgeber der neuen Veranstaltungsreihe, Max Mannheimer, gewidmet.
„Ihr seid nicht verantwortlich für das, was passiert ist. Aber Ihr seid verantwortlich für die Zukunft“ – das war die zentrale Botschaft des Holocaust-Überlebenden und Zeitzeugen Max Mannheimer (1920 bis 2016). Viele Tausend Schüler haben sie gehört in den fast zahllosen Zeitzeugengesprächen, die er jahrzehntelang durchgeführt hat.
Für die folgenden Jahre ist im Zuge des Programms vorgesehen, Themen aus der Zeit des Nationalsozialismus‘ aus verschiedenen Blickwickeln zu betrachten sowie Parallelen zum aktuellen Geschehen zu erkennen.
Dazu werden eine Ausstellung im Kunstverein, eine Lesung in der Stadtbücherei sowie ein Vortrag an der Volkshochschule angeboten. Die Kulturtage bieten den interessierten Bürgern Möglichkeiten zur Information, Diskussion und Auseinandersetzung zum verantwortungsvollen Umgang mit Geschichte.
Bürgermeister Felix Schwaller wird die Kulturtage und zugleich die Ausstellung am Freitag, 26. Januar, um 20 Uhr in der Galerie im alten Feuerwehrgerätehaus an der Irlachstraße eröfffnen.
Max Mannheimer, der die Konzentrationslager Auschwitz und Dachau überlebte, malte unter dem Künstlernamen „ben jakov“. Das bedeutet „Sohn Jakobs“. Mannheimers Vater Jakob wurde von den Nazis ermordet. Die Ausstellung ist nach der Vernissage bis 11. Februar jeweils samstags und sonntags, 14 bis 18 Uhr, geöffnet. Ein Vortrag mit Dr. Eva Hoegner und Eva Faessler – der Tochter Max Mannheimers – findet am Mittwoch, 31. Januar, um 19.30 Uhr im VHS-Haus an der Heubergstraße 2 statt.
Deportation
und Befreiung
Mit 22 Jahren war Mannheimer zusammen mit seinen Eltern, seiner Schwester Käthe, zwei seiner Brüder und seiner Ehefrau Eva zunächst in das Konzentrationslager Theresienstadt, dann nach Auschwitz deportiert worden. Max und sein Bruder Edgar waren die einzigen Familienmitglieder, die Auschwitz überlebten. 1944 kamen die beiden nach Dachau und mussten in Karlsfeld und Mühldorf Zwangsarbeit leisten, bis sie 1945 von Amerikanern befreit wurden.
„Der Tod von Max Mannheimer im September 2016 trifft uns schwer. Wie wird eine Zukunft aussehen ohne Menschen wie Max Mannheimer, die mahnen, erzählen, ihre Zuhörer in ihren Bann ziehen, wie er es getan hat? Wie gestalten wir in Zukunft Erinnerungsarbeit?“, fragen sich die Initiatoren der Kulturtage.
Eva Faessler wird an diesem Abend Fragen der Zuhörer beantworten und steht zusammen mit Dr. Eva Hoegner, Mitarbeiterin der „Weiße-Rose-Stiftung“ an der Ludwig-Maximilian-Universität in München, für weitere Gespräche zur Verfügung.
Michael Stacheder wird am Mittwoch, 7. Februar, um 20 Uhr in der Stadtbücherei aus Mannheimers Werk „Spätes Tagebuch – Theresienstadt – Auschwitz – Warschau – Dachau“ lesen. Mannheimer hat durchlitten, was einem Menschen in dem von den Deutschen entfesselten Inferno zustoßen konnte: Demütigung, Vertreibung, Internierung im Ghetto, Tod fast der ganzen Familie in der Gaskammer, Arbeitslager und KZ, Hunger, Krankheit und Misshandlung. Wie durch ein Wunder hat er die Hölle überlebt.
Lange sprach Mannheimer nicht über all das, was er erlebt hatte. Erst als er irrtümlich seinen Tod nahe glaubte, entschloss er sich, für die Nachgeborenen das Erlittene festzuhalten. 1983 erschien erstmals sein „Spätes Tagebuch“.