Mittenkirchen – „Alphornbläser interessieren mich schon sehr lange“, gesteht Leonard Halmanseger gegenüber unserer Zeitung. Die Begeisterung war so groß, dass sich der heute 79-Jährige dazu entschloss, die Instrumente selber zu bauen. „Das war schon sehr viel Arbeit“, blickt der Mittenkirchener zurück.
Der ehemalige Zimmermann baute die zunächst 4,03 Meter langen Alphörner in Es-Dur (Tonart ergibt sich durch Länge der Instrumente) in seiner heimischen Werkstatt. „Ich war am Ende überrascht, dass es mir gelungen ist“, so Halmanseger. 1995 hat er mit dieser Passion angefangen. Ein Posaunist aus seiner Musikkapelle hatte ihn auf die Idee gebracht und dann habe er sich das eben in den Kopf gesetzt. Nach ein paar Erkundigungen bei einem Instrumentenbauer versuchte sich der Bruckmühler zunächst an einem kleinen Probehorn. Nicht von Anfang an, wagte er sich an die „Meterware“. Seine handwerkliche Berufserfahrung und sein Geschick haben ihm dabei maßgeblich geholfen.
Erster Auftritt
eine Überraschung
Die Alphörner bestehen aus zwei Halbschalen, die der 79-Jährige in mühsamer Handarbeit in die richtige Form brachte. „Ich glaube, ich habe in etwa 60 Stunden gebraucht, bis ich mit dem ersten Horn fertig war“, sagt Halmanseger. Liebe zum Detail ist dabei unerlässlich.
Denn: Nur durch Millimeterarbeit passen die beiden Seiten aufeinander. Gleiches gilt für die Dicke der Wände. Diese muss mit neun bis zehn Millimetern an allen Stellen passen, sonst leidet der Klang. Doch diese „Fieselarbeit“ macht Halmanseger viel Spaß. „Sonst hätte ich nicht insgesamt acht Instrumente gebaut“, gesteht er.
Hornlänge entscheidet über Tonart
Während die ersten vier Hörner noch eine Höhe von 4,03 Meter hatten und lediglich in zwei Teile zerlegt werden konnten, messen die Instrumente der zweiten Baureihe „nur“ 3,60 Meter. „Diese kann man nun in drei Teile zerlegen, was das Transportieren wesentlich einfacher macht“, erklärt der Bruckmühler. Das Schwierigste am Bau der Hörner war die Beschaffung des Holzes. „Man kann nur schön gewachsenes Fichtenholz verwenden.“
Nur Helfer beim Bau der Instrumente wussten anfangs von Halmansegers neuem Hobby. Umso größer war deshalb die Überraschung, bei seinem ersten Auftritt im Rahmen einer Geburtstagsfeier. „Das war lange das Gesprächsthema im Dorf“, so der Mittenkirchener.
Jetzt konzentriert sich der Rentner vor allem aufs Spielen. Mit Konzerten in Feldkirchen, Bad Aibling, München und sogar bei der „Grünen Woche“ in Berlin hat er einen gut gefüllten Terminkalender.
„Mit den Hörnern kann man hoch oder tief spielen. Der schöne, weiche Naturklang ist sehr besonders“, antwortet Halmanseger auf die Frage, was ihn an den Instrumenten so fasziniert. Doch das Spielen der Hörner ist gar nicht so einfach. „Die hohen Stimmen sind schwieriger als bei den Blechbläsern“, so der Rentner.
Mit den Mangfalltaler Alphornbläsern hat er aber auch diese Hürde gemeistert. „Wir spielen nicht nur langsame Stücke, die sonst für die Blechbläser eigentlich üblich sind, sondern auch rhythmische“, so der Musiker. Eben diese Stücke wollen die Mangfalltaler Alphornbläser heute Abend auch für die Besucher des Christkindlmarktes spielen. Kurioses am Rande: Eines von Halmansegers Alphörnern wird in den USA gespielt. Das Instrument hat er einem ehemals im benachbarten Bad Aibling stationierten US-Major zum Abschied geschenkt, der ebenfalls leidenschaftlicher Blasmusiker war.