Bauausschuss

Flachdach: Klinikpläne zurückgewiesen

von Redaktion

Völlig konträr waren die Ansichten von Planer und großen Teilen des Bauausschusses, was die Optik der neuen therapeutischen Klinik (Fachklinik Alpenland) an der Rosenheimer Straße angeht. Während der Architekt das vorgesehene Flachdach verteidigte, wies der Bauausschuss die Pläne aus eben diesem Grund zurück.

Bad Aibling – Bei dem Vorhaben des Deutschen Ordens – er ist mit seinen Ordenswerken bundesweit in der Altenhilfe, Behindertenhilfe, Suchthilfe, Kinder- und Jugendhilfe tätig – handelt es sich um den Abbruch des bestehenden Klinikgebäudes sowie einen dreigeschossigen Neubau auf dem gleichen Grundstück.

Ein Blick auf die Pläne reichte den Ausschussmitgliedern jedoch, um die Erläuterungen von Architekt Hans Kastner (Büro Haumann und Fuchs Traunstein) zu Größe und Ausgestaltung des Klinikneubaus schon nach wenigen Sätzen zu stoppen. „Ich bin außerordentlich unglücklich über das Flachdach auf einem Gebäude an so herausgehobener Stelle“, bekannte Florian Weber (Bayernpartei). Dies sei eine Verschandelung der Optik, der er nicht zustimmen könne.

Kastner hielt der Kritik entgegen, dass man sich bewusst für eine „zurückgenommene Gestaltung“ entschieden habe. „Aufgrund der Nutzung als therapeutische Einrichtung für Sucht- und Drogenkranke wollten wir das Gebäude nicht so sehr betonen.“ Dies veranlasste Josef Schmid (CSU) zu der Anmerkung: „Aber auch die, die die Klinik nutzen, haben ein schönes Haus verdient.“ Er würdigte die Optik des alten, bestehenden Baukörpers und meinte: „Lieber wird der Neubau mit einer anderen Dachform etwas höher, dafür aber schöner.“

Richard Lechner (SPD) hielt es ebenfalls für „völlig falsch, diese Klinik zu verstecken“. Er erinnerte daran, dass es zu Beginn der Nutzung des Bauwerks als therapeutische Klinik ebenfalls Bedenken gegeben habe, die sich jedoch als unbegründet erwiesen hätten: „Der Betrieb ist völlig unauffällig.“ Kastner verteidigte seine Wortwahl: „Bewusst zurücknehmen heißt nicht verstecken.“

Thomas Höllmüller (CSU) bat den Planer um Alternativen zu der Flachdachvariante. „Ein bisserl einen Anspruch haben wir schon als Moorbad. Auch die Historie sollte an dieser Stelle berücksichtigt werden.“ Zudem wollte er wissen, ob die Holzfassade im Mittelteil des H-förmigen Gebäudes so hell bliebe wie auf den Plänen oder mit der Zeit grau werde. „Das erhält sicher eine Patina“, entgegnete Kastner.

Gegen „solch eine fabrikähnliche Halle“ am Ortseingang von Bad Aibling verwehrte sich Dieter Bräunlich (ÜWG). „Das passt vielleicht nach Unterhaching oder Ottobrunn, aber sicher nicht in unsere Kleinstadt.“ Er könne sich ein Walm- oder aber ein Satteldach mit einer Neigung von zehn bis 15 Grad vorstellen.

Dass an dem Aussehen des Bestandsgebäudes Emotionen hängen mögen, räumte Heidi Benda (GOL) ein. Allerdings seien die von einigen Ausschussmitgliedern angeführten Aspekte bei Neubauten nicht mehr zeitgemäß. „Hier handelt es sich um einen Funktionsbau und keine Wohnanlage. So baut man heute Kliniken – und nicht mit Balkönchen und irgendwelchen speziellen Dachformen.“ Das sah Weber ganz anders. Man müsse auch die psychischen Auswirkungen solch einer Bauweise bedenken: „Das ist nicht so sympathisch. Außerdem können sich die Patienten der beiden gegenüberliegenden Seitentrakte ja gegenseitig ins Fenster sehen. Wo bleibt da die Privatsphäre?“

Als weiteren Knackpunkt nannte Lechner die Stellplätze: „Sie haben hier die Stellplatzsatzung der Stadt nicht beachtet, die unter anderem vorsieht, dass nach jedem vierten Stellplatz ein Baum gepflanzt werden muss.“

Letztlich beschloss der Bauausschuss einstimmig, den Antrag zurückzustellen. Er forderte eine neue Planung für das Gebäude, die eine andere Dachform vorsieht sowie die Stellplatzsatzung berücksichtigt.

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