Gemeinderat Tuntenhausen

Die Bahn verkauft nicht

von Redaktion

In absehbarer Zeit ist mehr Platz für Unternehmen in der Gemeinde Tuntenhausen. In der jüngsten Gemeinderatssitzung stellte Bürgermeister Georg Weigl die Pläne für die Verlängerung des Gewerbegebiets „Oberrainer Feld“ nach Süden vor. Das Gremium genehmigte diese einstimmig.

Tuntenhausen – „Die Fortsetzung ist weitgehend identisch mit dem Rest des Oberrainer Felds“, sagte Weigl. Die Parzellen werden einen ähnlichen Zuschnitt haben. Für die große Fläche im Südosten gebe es schon einen Interessenten – es handelt sich um ein ortsansässiges Unternehmen, das Platzbedarf habe. Das Regenrückhaltebecken im nördlichen Eck soll etwas erweitert und möglicherweise ein zweites im Südosten gegraben werden. Außerdem muss aus Hochwasserschutzgründen jedes der Grundstücke ein Auffangbecken erhalten.

Nach der Bodenbeschaffenheit fragte Johannes Lechner (CSU/FW). Zu deren Untersuchung wird es 2018 Bohrungen geben. Ob die Kosten der Erschließung nur auf die Grundeigentümer des „neuen“ oder auch auf jene des „alten“ Oberrainer Felds umgelegt werden, steht noch nicht fest.

Erschlossen werden soll das Gebiet über eine neue Straße, die einen eigenen Namen bekommen wird. „Im Oberrainer Feld ist eh schon ein Durcheinander mit den Hausnummern“, begründete der Bürgermeister. Dort gab es bereits Probleme, weil Rettungsdienst oder Paketzusteller nicht zur richtigen Anschrift fanden (wir berichteten). Im Norden, zwischen dem „alten“ und „neuen“ Teil, befindet sich bereits eine Privatstraße, über die eine zusätzliche Erschließung möglich wäre. „Die Gemeinde könnte sie erwerben“, stellte Weigl in Aussicht.

Nicht verkaufen wird dagegen die Deutsche Bahn. Sie besitzt eine Fläche, auf der ein Teil der Aubenhauser Straße im Süden des überplanten Gebiets verläuft. Diese müsse man verbreitern, findet Hans Thiel (CSU/ FW). „Ich werde vielleicht nochmal das Gespräch mit der Bahn suchen“, sagte Weigl. „Wir hätten eine Tauschfläche.“ Seit Jahrzehnten gehört der Gemeinde ein Grundstück direkt an der Bahnlinie. Maria Breuer (UW Ostermünchen) befürchtete, dass die Bahn Arbeiten an der Straße blockieren könnte. Dem widersprach der Bürgermeister: „Sie ist als Gemeindeverbindungsstraße gewidmet.“

Quer durch das fragliche Gebiet verläuft die Deutsche Transalpine Ölleitung (TAL). In einem zehn-Meter-Abstand zu ihr darf nicht gebaut werden. Das ist für Weigl allerdings kein Problem: Die Fläche werde Lager- oder Parkzone.

Die TAL verläuft auch durch ein weiteres Gelände, mit dem sich der Gemeinderat in der Sitzung beschäftigte: das Aschbacher Feld. Seit 2008 nutzt das Medizinische Hilfswerk (MHW) die ehemalige Raketenabwehrstation der Bundeswehr für Katastrophenschutz-Übungen. Nun wollen die Eigentümer Veränderungen vornehmen. Im Norden soll ein Hochseilgarten entstehen und über den Lkw-Stellplätzen ein Dach. Ferner ist geplant, auf bisherigen Rasenflächen Trümmerfelder anzulegen. An den Gebäuden sollen kleine Änderungen ermöglicht werden.

Zu dem Bebauungsplan, den das Gremium schließlich einstimmig beschloss, hatten sich die TAL sowie die Untere Naturschutzbehörde und die Abteilung Bauleitplanung im Landratsamt Rosenheim geäußert. So kritisierte Letztere den Entwurf als unzureichend ausgearbeitet. Er wird nun korrigiert. In dem kleinen Bereich des Gebiets, unter dem die Transalpinen Ölleitung liegt, werde nichts geändert, hieß es von Seiten der Gemeinde. Daher würden die Antragsteller nur über die Richtlinien des Unternehmens informiert.

Die Untere Naturschutzbehörde schließlich kritisierte einen „erheblichen Eingriff in das Landschaftsbild“ durch den Hochseilgarten. Des Weiteren hält sie für möglich, dass sich geschützte Tierarten auf dem Areal angesiedelt haben und forderte eine Eingriffs- und Ausgleichsbilanzierung. Die Verwaltung sieht dagegen hierzu keinen Handlungsbedarf. Das Gelände sei eingegrünt, man sehe den Seilgarten daher nicht. Die Behörde habe außerdem in früheren Stellungnahmen keine Einwände vorgebracht und weitere Eingriffe in die Natur seien nicht zu erwarten, begründete die Gemeinde Tuntenhausen ihren Standpunkt.

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