Altlandkreis Bad Aibling – Es handelte sich dabei um die Großübung „Tempo 2018“, die der Verein für Rettungsdienst und Katastrophenschutz in Bayern (MKT) organisiert hatte. Am Wochenende hatten die Mitglieder von 25 Organisationen – Rettungsdiensten, Feuerwehr und Polizei, aber auch des Universitätsklinikums München – dabei insgesamt 26 Szenarien zu bewältigen.
Eine organisatorische Herausforderung: Denn über 100 Fahrzeuge waren bei der Rettungsdienst- und Katastrophenschutzübung im Einsatz, mehr als 40 Verletztendarsteller mimten die jeweiligen Opfer. Hauptquartier mit Hilfskrankenhaus und Leitstelle war das Übungsgelände des Medizinischen Katastrophenhilfswerk Deutschland (MHW) in Eisenbartling (Gemeinde Tuntenhausen). Es ist – neben München, Augsburg und Ismaning – einer der vier Standorte des MKT.
Bis an die Grenzen der Leistungsfähigkeit mussten die Übenden am Samstagabend gehen. Denn sie fanden sich einem Inferno ausgesetzt: „Flugzeugzusammenstoß zweier Maschinen über Tuntenhausen“ lautete die Alarmierung. Tatsächlich lag im unwegsamen Waldgebiet an der Sindlhauser Straße eine „abgestürzte“ Cessna. Gleichzeitig fand man in der Kiesgrube bei Hörmating Flugzeugteile und schreiende „Insassen“ neben brennenden Flugzeugteilen.
Gestern schloss sich dann noch ein – an einen Amoklauf in einem Münchener Einkaufszentrum angelehntes – Terrorszenario an. Darin war ein Bus in eine Menschenmenge und geparkte Autos gerast. Die Täter waren mit Gewehren sowie Sprengstoff bewaffnet und nahmen Geiseln. Polizei und Rettungsdienst arbeiteten eng zusammen, bis das Kommando „alles ist sicher“ kam.
Darüber hinaus mussten die Einsatzkräfte unter anderem Buben und Mädchen aus einem brennenden Kindergarten evakuieren. Anspruchsvoll war auch die Rettung von zwei Personen in einem brennenden Boot auf dem Höglinger Weiher. Überdies waren „kleinere“ Herausforderungen wie Wohnungsöffnungen oder Arbeitsunfälle zu bewältigen.
Im Vordergrund standen die Zusammenarbeit zwischen den Rettungsdiensten sowie die „goldene Stunde des Traumas“, wie MKT-Geschäftsführer Robert Schmitt betonte – eine Stunde nach Anschlag oder Unfall müsse eine Person, etwa mit Bauchschuss, auf dem Operationstisch liegen. Die Einsatzkräfte sollten jedoch auch aus Fehlern während der Übung lernen.
Es wurde daher die gesamte „Rettungskette“ geprobt: Von der Alarmierung und die Einsätze von Feuerwehr und Polizei über die Versorgung im Rettungswagen bis zur OP in der „Klinik“.
Mit dem Verlauf der Großübung ist Schmitt zufrieden: Alles habe reibungslos geklappt. „Es war eine Freude, zu sehen, wie Einsatzkräfte Hand in Hand zusammenarbeiten“, sagte er.Des Weiteren hob er die gute Zusammenarbeit mit Unternehmen, Grundstückseigentümern und Bürgern hervor, ohne die derartige Übungen nicht möglich seien. Beunruhigt war die Bevölkerung von den „Einsätzen“ jedoch scheinbar nicht: Im Gegensatz zu den Vorjahren gingen deswegen heuer laut Polizei Bad Aibling keine Anrufe in der Dienststelle ein. ws