Bad Aibling – Der große Sitzungssaal platzte trotz drückender Schwüle aus allen Nähten, so viele Bürger wollten die Entscheidung miterleben. Die Initiative hatte sich in erster Linie gegen den Siegerentwurf gerichtet. Ihre Argumentation: „Das Konzept berücksichtigt in keiner Weise den bei der Planung eines Baugebiets anzuwendenden Grundsatz des ,nachbarschaftlichen Rücksichtnahmegebots.“
Favorit der Anlieger war der drittplatzierte Entwurf. Laut Preisgericht weist dieser ein sehr klares Erschließungssystem auf. Ebenso gefielen die Hausgruppen, die halböffentliche Räume umschließen. Die unterschiedlichen Dachformen seien anfangs kontrovers diskutiert, letztlich aber mehrheitlich als interessant gewertet worden. Sehr positiv sah man die Fortführung der Eichenstraße, den Anger, die Lage des Cafés und den harmonischen Ortsrand im Westen.
Allerdings gab es auch wesentlich mehr Kritikpunkte als bei den beiden anderen Entwürfen. Ziel des Wettbewerbs war, wie Sandra Urbaniak vom Büro AKFU Architekten (Germering) betonte, eine verdichtete Wohnbebauung unter Berücksichtigung von bezahlbarem Wohnraum. „Entwurf 3 beinhaltet jedoch viel weniger Wohnraum, als wir wollten.“ Auch die südliche Straße in dem Gebiet hatte laut Prechter, Vorsitzende des Preisgerichts, nicht das Gefallen der Jury gefunden.
Die Anordnung „Doppelhaus, Garage, Doppelhaus, Garage“ sei zudem „unheimlich langweilig und monoton“ – abgesehen davon, dass eindeutig zu viele Doppelhäuser und zu wenig Geschosswohnungsbau vorgesehen seien. Erheblich sei überdies das große Stellplatzdefizit. Auch die Pultdächer standen in der Kritik.
Der zweitplatzierte Entwurf sei zwar mit dem dritten stückweise typologisch verwandt, überzeuge aber vor allem durch die feingliedrigen Raster, die sehr gute Vernetzung mit der Umgebung und die Anbindung an die vorhandene Bebauung. Hier gebe es auch eine „wirkliche innere Mitte“ mit Kinderhaus und Freibereichen, einem Quartiersplatz und einem schönen Übergang zum Anger. Lob gab es zudem für die hohe, flächige Durchgrünung. Allerdings sei auch hier die Erschließung nicht ausreichend gesichert. Kontrovers diskutiert habe man auch die am Ortsrand sehr stereotyp angeordneten Doppelhäuser: „Das ergibt ein langweiliges Bild.“
Prechter und Urbaniak betonten allerdings, dass die Jury sehr lange zwischen Platz 1 (spielte in der Sitzung keine Rolle mehr) und Platz 2 geschwankt hatte und dass der erste Preis letztlich nur knapp gewonnen habe. Er sei „ein Stück weit innovativer“. Aus baurechtlicher Sicht könnten aber alle drei Siegerentwürfe umgesetzt werden. Die Entscheidung liege beim Stadtrat. Dieser sei in der komfortablen Lage, zwischen Entwürfen mit sehr ähnlicher Qualität entscheiden zu können.
Bürgermeister Felix Schwaller berichtete aus dem Treffen mit der Bürgerinitiative, dass diese auch mit dem zweitplatzierten Entwurf zufrieden wäre. Platz 3 weise in seinen Augen nicht nur Mängel hinsichtlich der Stellplatzsituation auf. Vor allem sei dieses Konzept nicht für die Umsetzung des Modells für bezahlbaren Wohnraum geeignet. Das sei ihm von zuständiger Stelle erklärt worden. Platz 2 hingegen sei dafür als ideal bezeichnet worden.
Martina Thalmayr (GOL), war selbst im Preisgericht und hielt den Siegerentwurf für ein sehr spannendes Modell. Nachdem es bei der Bevölkerung jedoch auf so starke Ablehnung stoße, könne man auch gut dem Zweitplatzierten zustimmen. Florian Weber (Bayernpartei) meinte: „Platz 1 und 3 verbieten sich aus meiner Sicht.“ Selbst dem zweiten Sieger könne er „nur mit großem Bauchweh“ zustimmen. „Und auch nur, weil wir dringend bezahlbaren Wohnraum benötigen.“
Im Namen der CSU-Fraktion sprach sich Stephan Schlier ebenfalls für Platz 2 aus und hoffte, dass im Laufe des Verfahrens noch Verbesserungen eingearbeitet werden können. Er wollte wissen, ob man beispielsweise die Gebäudehöhe zur bestehenden Bebauung hin reduzieren könne, ohne den Entwurf „zu zerstören“. Urbaniak meinte, man werde auf jeden Fall mit den Architekten reden.
Irmengard Ranner-Sobihard (ÜWG) erklärte, ebenfalls mit dem zweiten Entwurf gut leben zu können. Der Bürgerinitiative sei sie dankbar für die Ausarbeitung der Argumente. Petra Keitz-Dimpflmeier (SPD) würdigte das sachliche Vorgehen der Initiative. Stefan Glas (CSU) bedauerte, dass keiner der Entwürfe den von der Stadt vorgegebenen Grüngürtel in der gewünschten Form eingehalten habe. Das sah Richard Lechner (SPD) ähnlich. Er meinte jedoch: „Wir werden uns zu einem sinnvollen Kompromiss durchringen müssen.“ Die durch den Entwurf Nummer 2 möglichen 228 Wohneinheiten seien schon „eine ganze Menge“, auch wenn Plan 1 mit 273 wesentlich weiter vorne läge. Beim dritten Sieger wären es nur 179 Wohneinheiten gewesen.
Abschließend zeigte sich Schwaller optimistisch: „Ich bin sicher, dass wir einen Kompromiss finden werden.“ Dass die anschließende Abstimmung für den zweitplatzierten Entwurf einstimmig ausfiel, kommentierte er mit einem „Super“ und einem Dank an die Bürgerinitiative für ihre Mitarbeit. Diese wiederum würdigte die Entscheidung mit Applaus. Nun wird das Büro Breining Buchmaier Architekten und Stadtplaner mit Architekt Kilian Gerle, Landschaftsarchitekten (München) mit der Weiterentwicklung des städtebaulichen Entwurfs beauftragt.