Aufgaben auf vier Schultern verteilt

von Redaktion

Auszeit für Pfarrer Sinha Roy – Pfarrverband hält zusammen – Kirchen-Wiederöffnung

Tuntenhausen – Pfarrer Amit Sinha Roy (47) ist auf unbestimmte Zeit im Krankenstand und von seinen priesterlichen Pflichten im Pfarrverband Tuntenhausen-Schönau beurlaubt. „Er soll sich alle Zeit für sich und seine Behandlung nehmen“, so Bettina Göbner, Pressesprecherin im Erzbischöflichen Ordinariat München-Freising, auf Nachfrage unserer Zeitung. In enger Abstimmung mit Pfarradministrator Bruno Bibinger und Diakon Josef Hilger habe die Erzdiözese mit Sinha Roy selbst einen Vertretungsplan erarbeitet. Denn: Sinha Roy hat selbst immer wieder in den Pfarreien und Gremien wie dem Pfarrgemeinderat von einer längeren Auszeit gesprochen, die er nach seinem Überfall im Tuntenhausener Pfarrhaus vor über sechs Jahren anstrebt.

Überfall auf Geistlichen war 2012

Der Überfall 2012 ist nicht nur in Tuntenhausen noch in Erinnerung: Mitten in der Nacht wurde Pfarrer Amit Sinha Roy von zwei maskierten Räubern im Pfarrhaus geweckt, mit einem Brecheisen bedroht und mit Kabelbinder an die Heizung gefesselt (wir berichteten). Seither will der Pfarrer den Tätern vergeben, damit er wieder leben kann. Doch so richtig glücken will die Verarbeitung dem Vernehmen nach nicht. Er ist wieder in Behandlung. Vor nicht ganz sieben Jahren half ihm dabei die Trauma-Ambulanz in Bad Reichenhall. Doch unter den Folgen leidet der 47-Jährige noch heute.

In Tuntenhausen machte die Nachricht über die Beurlaubung via Kirchenverwaltungen, Pfarrgemeinderäte und Pfarrverbandsrat „die Runde“. Zeitnah habe man persönlich in den Gottesdiensten sowie in den einzelnen Pfarreien informiert. Die seelsorgerische Betreuung von Tuntenhausen liegt aber nicht brach. „Ich übernehme gemeinsam mit Diakon Josef Hilger die Aufgaben von Sinha Roy. Die priesterlichen Dienste wie Eucharistiefeiern und Beichten übernehme ich alleine. Gerade weil wir uns mit dem Pfarrer auf diese Zeit vorbereitet haben, gibt es keinerlei Probleme oder Überforderungen“, schildert Kaplan Bruno Bibinger gegenüber unserer Zeitung.

Gottesdienstordnung praktisch unverändert

Veränderungen bei der Gottesdienstordnung gebe es durch den Ausfall praktisch nicht. „Nur bei besonderen Festtagen wie der Erstkommunion, die wir gemeinsam am Sonntag nach Ostern in vier Kirchen feiern, kommt ein Priester zur Aushilfe in unseren Pfarrverband. Die Gottesdienstordnung hat sich weder werktags noch an den Sonntagen wesentlich verändert“, so Bibinger.

Ihm zufolge hat die Kirchengemeinde Sinha Roys Auszeit positiv und vor allem beruhigt aufgenommen – „vor allem da er diese Beurlaubung ja schon seit längerer Zeit selbst immer wieder angekündigt hat.“ Die Geistlichkeit sowie die Menschen aus dem Pfarrverband wünschten ihm „alles Gute und begleiten ihn während seiner Abwesenheit im Gebet“. Auch in puncto Kommunion-Vorbereitung oder Firmung bleibe alles „beim Alten“. „Die Firmung hatte Pfarrer Sinha Roy nicht mit vorbereitet, das oblag von Anfang an Diakon Hilger und mir“, schildert Bibinger.

Aushilfe kommt

zur Erstkommunion

Für den ersten Gottesdienst nach über eineinhalbjähriger Pause wegen Sanierung der Pfarr- und Wallfahrtskirche Tuntenhausen die – eine Herzensangelegenheit von Sinha Roy – öffnet die Basilika am Palmsonntag, 14. April, um 10.15 Uhr wieder ihr Pforten. „Das wird ein besonderer Tag für den Ort und die Pfarrei. Das lange Warten hat ein Ende“, so Bibinger. „Ab Palmsonntag haben wir wieder Gottesdienste in unsere Kirche. Selbstverständlich werden wir auch die Kar- und Ostertage in Tuntenhausen ganz besonders feiern“, ergänzte Bibinger. Viele Menschen aus der ganzen Gegend seien zu den besonderen Festtagen im Jahr immer gerne nach Tuntenhausen gekommen. An den Herz-Jesu-Freitagen, zu den feierlichen Fatima-Gottesdiensten mit Lichterprozession und auch zur Beichte vor Weihnachten und Ostern.

Das Gerüst um die Kirche wurde – wie berichtet– Anfang Februar abgebaut, die größten Arbeiten wie statische Ertüchtigung, Erneuerung des Dachstuhls und Sanierung der Raumschale sind zum Großteil abgeschlossen. Nun folgen noch die Elektroinstallation sowie die Feinarbeiten an den Votivbildern, den Mirakelbildern an der Außenwand und schließlich als krönender Abschluss der Einbau der neuen Orgel im Lauf des Sommers.

„Somit können nicht nur die Gottesdienste der Pfarrgemeinde, sondern auch die Wallfahrtsgottesdienste der zahlreichen Pilgergruppen in unserer Basilika wieder stattfinden. Eine feierliche Wiedereröffnung mit unserem Erzbischof Reinhard Kardinal Marx ist für den Spätherbst geplant“, schildert der Pfarradministrator.

Die Wiedereröffnung einer Kirche nimmt in der Regel nicht der Ortspfarrer vor, sondern der Bischof. „Wir haben die Ehre, dass dies bei uns in Tuntenhausen unser Erzbischof Reinhard Kardinal Marx vornehmen wird. Der Termin der feierlichen Wiedereröffnung richtet sich aber auch nach dem Fertigstellungstermin der Kirche. Darum kann der endgültige Termin zur feierlichen Wiedereröffnung erst in einigen Monaten festgelegt werden. Aber er ist noch für dieses Jahr geplant“, erläutert die Geistlichkeit. Tuntenhausen war immer ein viel besuchter Gnadenort. „Wir haben hier ja den drittgrößten Wallfahrtsort in Altbayern und die größte Wallfahrt in unserem Erzbistum München und Freising. Und wir als Pfarrei wollen diese Wallfahrt auch zusammen mit der politischen Gemeinde wieder bekannter machen und aufblühen lassen. Das würde sich dann mit der herrlich renovierten Basilika sehr passend wunderbar ergänzen“, freut sich der Pfarradministrator.

Drittgrößter Wallfahrtsort Bayerns

Denn: In Tuntenhausen ist zudem die Wallfahrt für den ganzen Ort prägend. Darum legen wir auch so großen Wert auf eine gute Betreuung und Begleitung der Besucher und Pilger. Im vergangenen Jahr sind aufgrund der Renovierung der Basilika viele der rund 80 großen Wallfahrtgruppen nicht gekommen. „Darum haben wir alle Wallfahrtsgruppen direkt eingeladen und freuen uns, wenn wieder viele Menschen zur ,mächtigen Jungfrau‘ von Tuntenhausen kommen als Pilger, als Besucher oder als Interessierte“, so Bibinger.

Die Wallfahrtsgruppen werden in der Regel am Orteingang abgeholt, in die Basilika begleitet und bekommen dort den Pilgersegen. Die Messen halten die Ortspfarrer der einzelnen Wallfahrtsgruppen. Falls einmal kein Priester zur Wallfahrtsmesse mitkommen kann, werde er gerne aushelfen und mit den Wallfahrern dann einen Bittgottesdienst am Altar der „Virgo potens“, dem Tuntenhausener Gnadenbild, feiern.

Gegenseitige Hilfe

der Geistlichkeit

„Bei der Betreuung der Wallfahrtgruppen und Pilger steht mir auch Diakon Hilger zur Seite, wenn ich einmal dienstlich beziehungsweise zeitlich verhindert sein werde. So beispielsweise ein paar Tage nach Pfingsten, wenn ich mit einer Gruppe von über 50 Ministranten eine Fahrt nach Wien unternehmen werde. Oder wenn ich schulisch verhindert sein sollte, denn ich bin ja auch Religionslehrer an der Grundschule in Schönau.“

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