Schreckensszenario: Proben für den Ernstfall

von Redaktion

Katastrophenschutzübung „Trust 2019“ in Tuntenhausen – Brände, Flugzeugabsturz und Attentate

Tuntenhausen – Es war ein heißes Wochenende im Altlandkreis. Im doppelten Sinne. Von den Temperaturen her und vom Geschehen: Brände, ein Flugzeugabsturz und ein Attentat beim Public Viewing sorgten für Sirenengeheul und jede Menge Blaulicht. Der Bevölkerung drohte jedoch keine Gefahr; Anlass war eine Katastrophenübung.

Und zwar die Großübung „Trust 2019“, die größte in Bayern. Organisiert wurde sie vom Verein für Rettungsdienst und Katastrophenschutz in Bayern (MKT). Die Dimensionen der Übung sind gewaltig: Mitglieder von über 30 Organisationen – Rettungsdiensten, Feuerwehr und Polizei waren vor Ort, sogar die Kliniken Großhadern und Rechts der Isar.

Anschlag bei

Public Viewing

Insgesamt 37 Szenarien galt es zu bewältigen, darunter drei Großszenarien. Kein Wunder, dass da auch ein massives Aufgebot an Rettungskräften und -fahrzeugen mit einher ging: 600 Einsatzkräfte und Helfer vor Ort, über 100 Fahrzeuge im Einsatz und mehr als 50 Verletztendarsteller mimten die Opfer. Hauptquartier mit Hilfskrankenhaus und Leitstelle war das Übungsgelände des Medizinischen Katastrophenhilfswerk Deutschland (MHW) in Eisenbartling (Gemeinde Tuntenhausen). Eine logistische Herausforderung für die Verantwortlichen.

An die Grenzen der Leistungsfähigkeit wird bei den meisten Großeinsätzen gegangen, diesmal jedoch gesellte sich die Hitze mit Temperaturen von über 32 Grad dazu. Besonders am Samstagabend sahen sie sich einem wahren Inferno ausgesetzt: „Terroranschlag beim Public Viewing in Tuntenhausen“ lautete die Alarmierung, eine der Übungen, die zur Vorbereitung auf die Fußball EM 2020 dient.

Als die Einsatzkräfte am Ort eintrafen, begegnete ihnen ein loderndes Inferno und schreiende Menschen. Der Attentäter hatte nicht nur für eine Schneise der Verwüstung gesorgt, sondern sich auch noch in die Luft gesprengt. Eine Mammutaufgabe für die Hilfskräfte, zuerst musste das Gelände gesichert werden, bevor sie die Verletzten retten konnten.

Auch gestern stand die EM im Mittelpunkt: Hier schoss ein Attentäter wild um sich, und verschanzte sich auf dem weitläufigen Edergelände. Das Sondereinsatzkommando der Polizei, Feuerwehr, Hubschrauber und Sanitäter waren im Einsatz; ganz Tuntenhausen war voll von Blaulicht und Sirenengeheul. Darüber hinaus mussten die Einsatzkräfte aber auch am Inn tätig werden und Verletzte aus dem reißenden Fluss retten. Neben drei Hubschraubern, die im Einsatz waren, musste auch ein Bootsshuttle eingerichtet werden, um die Verletzten zu retten. Anspruchsvoll war auch die Löschung des Waldbrandes bei Feldolling genauso wie ein Flugzeugabsturz im Wald. Überdies gab es noch eine ganze Reihe „kleinerer“ Herausforderungen, die bewältigt werden musste.

Am frühen Nachmittag machte auch der Bayerische Innenminister Joachim Herrmann der Übung seine Aufwartung. Robert Schmitt, MKT-Geschäftsführer und MHW-Präsident, begleitete Herrmann mit dem Landtagsabgeordneten Otto Lederer über das Gelände. Er betonte, dass bei der Übung die Zusammenarbeit zwischen den Rettungsdiensten sowie die „goldene Stunde des Traumas“ im Vordergrund steht, denn: eine Stunde nach Anschlag oder Unfall müsse eine schwerverletzte Person auf dem Operationstisch liegen. Ein anspruchsvolles Ziel, aber auch ein notwendiges.

OP in der Klinik in

Lampferding

Deshalb übte man bei Trust 2019 die gesamte „Rettungskette“: Von der Alarmierung über die Einsätze von Feuerwehr, Sanitäter und Polizei bis hin zur Versorgung im Rettungswagen und der OP in der „Klinik“. Und diese Klinik stand auf dem Kommandozentrum bei Lampferding – auf dem MHW-Gelände: besetzt mit echtem Personal aus den Münchner Kliniken. Für den Katastrophenschutzbeauftragten des LMU-Klinikums, Dr. Thorsten Kohlmann, sind diese Schnittstellen wichtig und bei Trust 2019 könne man diese hautnah testen. „Eindrucksvoll“, so der Innenminister, der bestätigte, dass man nicht oft genug üben kann. Mit dem Verlauf der Großübung zeigte sich auch Schmitt zufrieden: Alles habe gut geklappt. „Es war eine Freude, zu sehen, wie Einsatzkräfte Hand in Hand zusammenarbeiten“, meinte er und damit dem Ziel, der „Golden Hour of Trauma“ wieder ein Stück näherzukommen.

Video vom Einsatz unter https://www.facebook.com/ovb.heimatzeitungen/videos/

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