Mietraching – Nicht nur die Qualität, sondern auch das breitgefächerte musikalische Spektrum zeichnet den „Maxlrainer Kultursommer“ aus. Dies wurde auch beim letzten Konzert der diesjährigen Musikreihe eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Unter dem Titel „Baltasound“ begeisterte Martin Kälberer die rund 180 Besucher im Saal des B&O-Parkhotels in Mietraching mit seinem Programm.
Ein musikalischer
Reisebericht
„Baltasound“ hat seine Bedeutung von den Shetland-Inseln und ist der Name einer Bucht auf der Insel Unst. Dorthin hatte sich der Künstler für einen längeren Zeitraum zurückgezogen. „Die CD Baltasound ist ein musikalischer Reisebericht“, erklärte Kälberer zu Beginn des Konzertes. „Die Reise auf diese sehr leere Insel mit viel Wind und Wasser hat in mir etwas ausgelöst und mit den Gedanken und Klängen im Kopf habe ich dann daheim die Stücke geformt“, berichtete er.
In der Tat kommen in den verschiedenen Nummern die Weite der Landschaft, das Rauschen des Meeres und auch die Einsamkeit zum Ausdruck. Kälberer malt mit „Baltasound“ eine Klanglandschaft, ein akustisches Stillleben.
So beschreibt er musikalisch mit „Red Sky“ den roten Himmel über der Insel und lässt die Zuhörer mit „Peat Bog“ an einer Moorwanderung teilnehmen. Bei dem erst zwei Tage vor dem Konzert entstandenen Titel „Meer“ beschreibt Kälberer am Piano zunächst sanft die Stille mit gelegentlich markanten Anschlägen, die zwischenzeitlich in ein Tasten-Stakkato münden, um am Ende wieder zur Stille zurückzukehren.
In eine Nummer packt er gleich drei einzelne Stücke hinein: „Lost, but not forgotten“ ist ein älterer, von ihm oft gespielter Titel. Er macht auf das Artensterben aufmerksam. Den Mittelteil bilden Fantasien von Johann Sebastian Bach und zu „Turn“ meint der Instrumentalinterpret philosophisch: „Alles ist gleich und alles ist anders, wie man es auch dreht und wendet.“ Kälberer spielt seine Musik nicht nur mit Hingabe – man hat das Gefühl, dass er auf der Bühne die Entstehung seiner Stücke nochmals durchlebt.
Zur Gestaltung greift der Klaviervirtuose keineswegs nur auf das Tasteninstrument zurück. Bei ihm ist – neben der elektronischen Percussion – eine ganze Reihe nicht alltäglicher Instrumente im Einsatz. So legt er einen spürbaren Hang zum „Hang“ an den Tag – dessen Optik ähnelt zwei zu einer flachen Metallkugel zusammengeschweißten Woks. Dazu ein „Waterphone“ und ein Vibrandoneon. Außerdem reichert er seine Musik bisweilen mit Vokalsequenzen an. Bei mehreren Stücken wird er kongenial unterstützt von der Cellistin Fanny Kammerlander, die zwischendurch auch mal zur Bass-Ukelele greift.
Das begeisterte Publikum spendete einen lang anhaltenden Schlussbeifall, den das Interpreten-Duo mit zwei Zugaben belohnte.