„Museumsdorf“ oder Heimat für alle?

von Redaktion

Gemeinderat Bauanfrage erhitzt Gemüter in Weihenlinden und Högling

Bruckmühl – Eine Bauanfrage erhitzt die Gemüter in Weihenlinden und Högling. Im Raum steht die Frage: Soll es eine Dorferweiterung und damit mehr Wohnraum für Einheimische geben? Oder soll das Dorf für alle Zeiten so bleiben, wie es ist? 150 Unterschriften wurden gesammelt und jetzt Bürgermeister Richard Richter überreicht: gegen eine Erweiterung des Ortsteiles Weihenlinden, gegen eine Verschiebung des Ortsrandes nach Süden und damit gegen den Bau von fünf Häusern in der Straße „Am Bergblick“. Damit reagieren Einwohner von Weihenlinden und Högling auf einen Bauantrag, der im Marktgemeinderat behandelt wurde.

Zukunft für Kinder
auf eigenem Grund

Ein Blick zurück: In seiner Septembersitzung lag dem Marktgemeinderat der Antrag mehrerer Generationen der Familie Kleinmaier-Brunner-Maier-Springer auf Aufstellung eines Bebauungsplanes für den Bereich „Am Bergblick“ im Süden von Weihenlinden vor. Die Grundstücke gehören seit Generationen der Familie. Schon vor vielen Jahren wurden sie für die „weichenden Erben“ parzelliert und aufgeteilt.

Nun möchte der erste Erbe bauen. Da auf der südlichen Seite der Straße am Bergblick eine Ortsabrundungssatzung oder eine Lückenfüllung nicht möglich sind, musste ein Antrag auf Aufstellung eines Bebauungsplanes gestellt werden. Darin versichern die fünf Bauwerber, dass die Häuser als Eigentum für sie, ihre Kinder und Enkel gedacht sind und nicht für den Verkauf auf dem Immobilienmarkt. Sie bieten sogar an, dies in einer Vereinbarung mit der Gemeinde ähnlich dem „Weilheimer Modell“ zu verankern. Da sich die Grundstücke nach Baurecht im Außenbereich befinden, könnte die Bauanfrage einen Zäsurbeschluss der Räte auslösen. Zudem wäre es der erste Bauantrag nördlich der Staatsstraße, der positiv beschieden würde. So lehnte der Gemeinderat beispielsweise im Dezember 2016 einen anderen Bauantrag für den Südosten von Weihenlinden einstimmig ab. Auf 11500 Quadratmetern sollten Häuser entstehen. Das, so das Argument der Räte, sei mit einer „geordneten städtebaulichen Entwicklung“ nicht vereinbar. „Allerdings betraf diese Bebauung einen unerschlossenen Bereich“, erläutert Thomas Brückner vom Bruckmühler Bauamt.

Der Unterschied zum aktuellen Fall: Der Baugrund befindet sich an einer erschlossenen Straße. Auch drei weitere Argumente könnten für eine Bebauung sprechen: Die Gemeinde könnte mit dem Einverständnis der Eigentümer die Straße verbreitern, einen Radweg bauen und Teile des Grundstücks als preiswertes Bauland für Einheimische erwerben. Es gäbe also auch einen Mehrwert für die Allgemeinheit.

Außerdem möchten die Räte noch einmal grundsätzlich abwägen, ob und wie sich ein Dorf wie Weihenlinden entwickeln kann. Schon in der Septembersitzung wird über die Zukunft kleiner Orte viel philosophiert. Einzig Hubert Maier (CSU/PW) enthält sich der Diskussion und der Abstimmung, denn er ist befangen.

Der Marktgemeinderat trifft keine Entscheidung, sondern beauftragt die Verwaltung, die städtebauliche Vertretbarkeit eines Bebauungsplanes „Am Bergblick“ zu prüfen. Seitdem das publik wurde, ist die Dorfgemeinschaft von Weihenlinden-Högling gespalten. Die einen verhalten sich ruhig, weil sie auch gern bauen würden und auf eine positive Entscheidung hoffen. Die anderen sammeln Unterschriften, weil Weihenlinden so bleiben soll, wie es ist oder weil ihnen ähnliche Bauvorhaben schon verwehrt wurden.

150 Unterschriften gegen das Wachstum

Schließlich werden Bürgermeister Richard Richter 150 Unterschriften gegen das Wachstum des Ortes überreicht. Die Straße „Am Bergblick“ soll auch in Zukunft nur einseitig bebaut und damit als südlicher Ortsrand erhalten bleiben. Denn während der aktuelle Bauantrag sich auf die linke Seite der Straße „Am Bergblick“ bezieht und im Außenbereich liegt, gelten auf der gegenüberliegenden Straßenseite ganz andere Regeln. „Im Jahr 2015 stimmte die Gemeinde der Aufstellung einer Ortsabrundungssatzung für diesen Bereich zu“, informiert Bürgermeister Richter. Damit wurde das Areal zum Innenbereich. Mit einem Bauantrag könnte dort also sofort Baurecht entstehen.

Soll die Unterschriftenaktion im Dorf also auch dafür sorgen, dass der Ausblick der „Alt-Anwohner“ des Bergblicks nicht verbaut wird? Darum gehe es nicht, versichern diese auf Nachfrage. Es gehe um den Rattenschwanz, den die Bebauung des Außenbereichs nach sich ziehen würde und um die damit verbundene Veränderung des Ortsbildes.

Noch ist keine Entscheidung zum Bauantrag der Familie Kleinmaier-Brunner-Maier-Springer gefallen. Die ersten Skizzen für die fünf geplanten Häuser sind inzwischen verworfen. Form, Gestaltung und Anordnung im Gelände stehen noch nicht fest. Zudem soll die gesamte Fläche nicht sofort bebaut werden, sondern erst bei Bedarf. Monika Maier, eine der Bauwerberinnen, ist sich bewusst, dass der Bebauungsplan für den „Bergblick“ der erste nördlich der Staatsstraße wäre und Signalwirkung für Weihenlinden und andere Dörfer hätte: „Doch sollte man jungen Menschen aus der Region nicht ein Leben in ihrer Heimat ermöglichen?“

Bürgermeister Richter ist sich des Problems bewusst. Er gibt zu bedenken: „Jetzt sind es fünf Bauwerber. Weihenlinden-Högling hat vielleicht 500 Einwohner. Wenn alle für ihre Kinder hier bauen wollen, wird sich die Ortschaft stark verändern.“

Ob das gewollt ist oder nicht, entscheidet der Gemeinderat. Deshalb wird der Bauantrag geprüft. Deshalb ist die Entscheidung auch schwierig: Darf Weihenlinden wachsen? Oder soll es zum Museumsdorf werden?

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