Rückhaltebecken: Warten auf das Urteil

von Redaktion

Verwaltungsgerichtshof München prüft Einwände der Kläger und des Freistaates

Feldkirchen-Westerham – Nun heißt es Warten auf das Urteil: Nach dem jüngsten Verhandlungstag vor den Verwaltungsgerichtshof München über die Klage gegen das Planfeststellungsverfahren zum Hochwasserrückhaltebecken in Feldolling steht der Ausgang immer noch nicht fest. Das Gericht wird die seitens der Kläger und der Vertreter des Freistaates vorgebrachten Argumente und Einwände prüfen und das Urteil dann zustellen. Wann das sein wird, steht noch nicht fest.

„Nicht die gesamte
Last alleine tragen“

Wie berichtet, haben neben der Gemeinde Feldkirchen-Westerham auch mehrere Anlieger in Sachen Hochwasserrückhaltebecken gegen den Freistaat geklagt. Hochwasserschutz sei zwar notwendig, man verwehre sich jedoch dagegen, dass die Gemeinde die Last alleine tragen müsse.

Bei dem jüngsten Termin prallten die Meinungen aufeinander. Unter anderem ging es darum, dass der Tegernsee in die Hochwasserschutzmaßnahmen nicht miteinbezogen werde. Der Landesanwalt als Vertreter des Freistaates Bayern sowie des Wasserwirtschaftsamtes Rosenheim sagt, dass der See hinsichtlich des Rückhaltebeckens und des gesamten Hochwasserschutzes keine entscheidende, sondern gewissermaßen nur eine flankierende Rolle spielen würde. Ganz anderer Meinung sind dazu Feldkirchen-Westerhams Bürgermeister Hans Schaberl und mehrere Feldollinger, die als Nebenkläger auftraten (wir berichteten). Schaberl erklärte, dass auch die Gemeinde Feldkirchen-Westerham bei ihren eigenen Rückhaltebecken am Ursprung, also „In der Leiten“, anfangen musste. Er wollte wissen: „Warum muss Feldolling die Hauptlast tragen, wenn es eigentlich in der Mitte zwischen dem Tegernsee und Rosenheim liegt?“

Ortsrat Dr. Burghardt Schallenberger argumentierte: „Wenn der Tegernsee beim Aufzug von starkem Regenwetter um nur zehn Zentimeter vorabgesenkt würde, könnten eine Million Kubikmeter Wasser zurückgehalten werden.“ Georg Glas, ein Vollerwerbslandwirt aus Feldolling, hat 70 Prozent seiner nutzbaren Fläche im künftigen Polderbereich, er sprach von einer real bestehenden Existenzgefährdung durch das Projekt. Franz Schmelmer, auch ein Feldollinger, erklärte, dass ein einmal geflutetes Rückhaltebecken für die Landwirtschaft viele Jahre hinaus unbrauchbar wäre. Die Vorsitzende Richterin Claudia Frieser nahm die Argumente und Einwände beider Seiten zur Kenntnis. Ein Urteil wurde noch nicht gefällt. Es wird der Gemeinde zugestellt.

Indes hat der Bau des Hochwasserrückhaltebeckens bereits begonnen (wir berichteten), der Weiler Schwaig bei Feldolling hat sich in eine Großbaustelle verwandelt. Bagger schürfen Sand und Kies, Schubraupen bewegen zusammen mit schweren Lastwägen viele tausend Kubikmeter des steinigen Materials.

Wie wichtig der Hochwasserschutz ist, hat sich in den vergangenen Jahren mehrfach gezeigt. Sollte Dauerregen die Pegelstände der Mangfall und der Leitzach wieder einmal stark ansteigen oder über die Ufer treten lassen, dann bestünde höchste Gefahr. Nicht nur für Feldolling, genauso auch für Bruckmühl, Bad Aibling, Kolbermoor und Rosenheim. Diese kritische Situation ist in den zurückliegenden 20 Jahren mehrmals eingetreten (1999, 2005 und 2013). Mit jeweils steigender Intensität.

2005 hatte das Hochwasser so viel Treibholz angeschwemmt, dass es an der sogenannten eisernen Mangfall-Brücke zwischen Feldolling und Bruckmühl zu starken Verflechtungen kam. Mit der konkreten Situation, dass das Wasser nicht ablaufen konnte und die Gefahr von Minute zu Minute anstieg, dass es flussabwärts nach links ausbrechen und einen neuen Weg suchen würde. Dieser hätte Bruckmühl getroffen.

Dann kam damals der Retter in Person von Vigil Neureither, Seniorchef des Baggerbetriebs aus Holzham (Marktgemeinde Bruckmühl). In einem waghalsigen und lebensgefährlichen Einsatz zog er mit seinem tonnenschweren Gefährt das Treibholz von der Brücke weg. Das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim hat daraus Lehren gezogen und in das Mangfall- und Leitzach-Flussbett Wildholzrechen einbauen lassen.

Lehren aus
dem Hochwasser

Mit großem Erfolg: Selbst bei geringerem Hochwasser werden hunderte Kubikmeter Treibholz angeschwemmt und zurückgehalten. Vom bislang folgenschwersten Hochwasser wurde das gesamte Mangfalltal jedoch am ersten Juni-Wochenende 2013 heimgesucht. Mit Schäden in Höhe von zwei- oder sogar dreistelligen Millionenbeträgen. Seither wurden die Schutzmaßnahmen im Mangfalltal stark vorangetrieben, vieles wurde schon umgesetzt. Einer der letzten und größten Bausteine ist das Hochwasserrückhaltebecken mit einem Fassungsvermögen von insgesamt 6,6 Millionen Kubikmetern.

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