Weihenlinden/Bad Aibling – „Im September 1969 fragte mich der seinerzeitige Pfarrvikar von Weihenlinden, Pater Othmar, ob ich mit dem damals verwaisten Kirchenchor eine Messe mit Orchester einstudieren könnte. Was als einmalige Aktion gedacht war, dauert nun schon 50 Jahre“. Mit dieser Aussage beginnt Siegfried Straßner im Gespräch mit unserer Zeitung den Rückblick auf seine Chorleiter-Tätigkeit in der Wallfahrtskirche Weihenlinden.
Musikalisch schon familiär „vorbelastet“
Der heute 76-Jährige ist im oberpfälzischen Landkreis Cham geboren und kam 1951 nach Bad Aibling. Nach dem Abitur am Rosenheimer Finsterwalder-Gymnasium absolvierte er in München sein Lehramtsstudium. Nach Stationen im Raum Passau und in Kematen (Gemeinde Bad Feilnbach) übte er seinen Lehrerberuf in Bad Aibling aus – zunächst im Leoheim und danach bis zu seiner Pensionierung an der Luitpoldschule.
Siegfried Straßner war familiär schon musikalisch „vorbelastet“ und lernte bereits mit zwölf Jahren das Orgelspiel bei Jakob Niedermaier, dem seinerzeitigen Chorregenten in der Aiblinger Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt. Er sang dort schon früh in der Schola und im Kirchenchor, den er während einer längeren Erkrankung Niedermaiers auch kommissarisch leitete.
Als Straßner in Weihenlinden als Chorleiter anfing, war er mit einem terminlichen Problem konfrontiert: Da er zu dieser Zeit in Niederbayern unterrichtete und damals auch samstags Unterricht stattfand, konnte er mit dem Chor nur am Samstagabend oder am Sonntag nach dem Gottesdienst proben. Mit der Mozart-Messe in G, KV 140 für Solisten, Chor und Orchester feierte er am Cäciliensonntag, dem letzten Sonntag des Kirchenjahres 1969, seine Dirigenten-Premiere in Weihenlinden. Fortan studierte er jedes Jahr eine neue Orchestermesse ein, allein 14 Messen von Mozart. Zum Repertoire zählen auch große Messen von Josef Haydn und Schubert, aber auch von Haydn, Fux, Diabelli und Nicolai. „Inzwischen haben wir 35 Messen ,auf Lager‘, die immer wieder aufgefrischt werden“ erklärt der „Taktstock-Jubilar“. Natürlich werden nach dem Bedarf des Kirchenjahres auch muttersprachliche Werke gesungen. „Aber eine Orchestermesse ist für die Choristen und auch den Chorleiter immer ein Zuckerl“, bekennt er. Während in früheren Zeiten zwölfmal im Jahr eine Orchestermesse aufgeführt wurde, ist diese Zahl inzwischen auf sieben geschrumpft. „Das hat finanzielle und auch personelle Gründe – wir haben Männermangel im Chor und müssen deshalb jedes Mal befreundete Sänger aus anderen Chören einladen“, berichtet der „Jubiläums-Dirigent“, der 1975 auch den Organistendienst im Hauptgottesdienst übernahm. Warum 50 Jahre Chorleitung daraus wurden? „Für mich ist Kirchenmusik nach wie vor etwas, was ich als Hobby machen darf und nicht als Beruf machen muss“, unterstreicht Straßner. Zudem habe die Chemie im Chor von Anfang an gestimmt und die wöchentlichen Proben hätten stets Spaß gemacht. Auch die Geselligkeit sei nicht zu kurz gekommen, unter anderem durch jährliche Ausflüge.
Viele Freundschaften entstanden
„Im Laufe der Jahre entstanden viele private Freundschaften auch mit Musikern, die immer wieder gern in Weihenlinden spielen, obwohl sie woanders mehr verdienen könnten“, stellt er fest. Aus seinem „Antrittsjahr“ 1969 sind noch vier Chormitglieder immer noch aktiv dabei.
Als Höhepunkt seiner 50-jährigen Chorleiter-Laufbahn nennt er die Wiedereröffnung der Weihenlindener Wallfahrtskirche 2014 nach ihrer Renovierung. Ein tragisches Ereignis war der Tod des langjährigen Chormitglieds Hans Bartl während der Maiandacht.
Spannende Momente gibt es immer wieder
Spannung sei aufgekommen, wenn am Sonntagmorgen vor einer Orchestermesse ein Solist abgesagt habe und kurzfristiger Ersatz beschafft werden musste. Nicht ganz überraschend: Auch außerhalb der Kirchenmusik ist die Musik das Hobby von Siegfried Straßner. Er liebt Opern und Konzerte und reist hierzu – begleitet von seiner Frau Elke – nicht nur oft nach München, sondern bisweilen auch nach Stuttgart oder Wien.
Den Taktstock in Weihenlinden möchte er noch lange nicht aus der Hand legen: „So lange Gläubige aus nah und fern unsere ,Arbeit‘ hören wollen, machen wir weiter“, lautet seine „Zwischenbilanz“ nach einem halben Jahrhundert. Am morgigen Sonntag dirigiert er um 10.30 Uhr die „Krönungsmesse“ von Mozart in der Weihenlindener Kirche.