Bad Feilnbach – Nicht nur Bestürzung und Unmut herrschen im Pfarrverband Maria Morgenstern, seit bekannt wurde, dass Pfarrvikar Tivadar Jasura seinen Wirkungskreis und sogar die Erzdiözese verlassen muss. Mindestens genauso groß wie das Unverständnis ist die Mauer des Schweigens, auf die man stößt, wenn man sich auf die Suche nach einer Erklärung begibt.
Und das heizt die Spekulationen an. „Alle haben einen Maulkorb verpasst bekommen, keiner darf was sagen, und der Pfarrvikar wird abgeschottet“, bekommt man hinter vorgehaltener Hand zu hören.
An Dienstprüfung
gescheitert?
Öffentlich hat es nur einmal eine kurze Erklärung gegeben: In den Sonntagsgottesdiensten in Bad Feilnbach und Au hatten Vertreter des Pfarrgemeinderates den Weggang Jasuras angekündigt und erklärt, dass sein weiteres Verbleiben am Nichtbestehen der zweiten Dienstprüfung gescheitert sei, die erforderlich ist, um eine Pfarrei zu leiten.
Weshalb aber der in Serbien geborene Pfarrvikar mit ungarischen Wurzeln ganz aus Au abgezogen wird und auch die Erzdiözese verlassen muss, dazu gab es keine weiteren Erklärungen. In einer Woge der Solidarität taten sich die Pfarrgemeinderäte zusammen und sammelten Unterschriften für den Verbleib Jasuras.
Denn die nicht näher erläuterte Entscheidung und die Vorgehensweise der Erzdiözese kann und will man nicht nachvollziehen – und auch nicht einfach so hinnehmen. Rund 800 Unterschriften aus dem gesamten Gemeindegebiet sind bis dato zusammengekommen.
Was nicht zustande kam, war ein Gesprächstermin, den die Initiatoren anlässlich der Unterschriftenübergabe führen wollten. Je länger alle Beteiligten schweigen, umso größer wird der Unmut, umso mehr Druck baut sich auf. Sogar von Demonstrationen pro Jasura war schon die Rede.
Doch mit einem Gesprächsangebot soll das Ordinariat die Gemüter momentan etwas beschwichtigt haben, heißt es aus Reihen der Pfarrei. Die Verantwortlichen im Erzbistum München Freising halten sich in dieser Angelegenheit allerdings mehr als bedeckt.
Bistumssprecher Dr. Christoph Kappes bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung lediglich, dass man das Anstellungsverhältnis mit Jasura zum 31. Dezember dieses Jahres beenden werde. „Das ist im Übrigen eine übliche Formulierung. Es handelt sich hierbei keinesfalls um eine irgendwie geartete Strafmaßnahme und es hat auch nichts mit seiner Tätigkeit in der Pfarrgemeinde zu tun.“ Mehr könne und werde man dazu nicht sagen, erklärte der Sprecher unter Berufung auf den Datenschutz in Personalangelegenheiten.
Ob solch ein Vorgang öfter vorkomme oder eher selten sei, könne er nicht sagen, so Kappes. Kam die Entscheidung Knall auf Fall? „Nein, es gab Gespräche. Sowohl mit Tivadar Jasura als auch mit den Gremien vor Ort.“ Wurden dabei – wie es in den Vorwürfen heißt – Maulkörbe verteilt? „Maulkörbe können weder das Ordinariat noch der Pfarrgemeinderat erteilen.“
Auf die Frage, ob oder warum das Ordinariat bislang nicht auf die Bitten um ein Gespräch mit den Pfarreiangehörigen eingegangen sei, betonte Kappes: „Wir sind immer bereit zu Gesprächen.“ Ob und wann nun tatsächlich ein solches Gespräch stattfinden wird? „Dazu kann ich nichts sagen“, so Kappes, der abschließend um Verständnis bat, dass das Ordinariat über „bestimmte Themenbereiche nicht sprechen wird“.
Wie es für Tivadar Jasura weitergeht? „Er muss sich unverzüglich an seinen Heimatbischof wenden, um ein neues Anstellungsverhältnis einzugehen und zu klären, wo er künftig tätig sein wird.“ Auch das ist laut Kappes das übliche Procedere. Eine Sorge zumindest kann er dem Pfarrverband nehmen: „Die Stelle wird nicht vakant bleiben, sondern unverzüglich nachbesetzt. Mit wem, können wir heute noch nicht sagen.“
Der Pfarrvikar selbst, der von einer vorherigen Stelle in Steinhöring nach Au gekommen war und seit Mitte 2016 im Pfarrverband Maria Morgenstern tätig ist, war für Anfragen nicht zu erreichen. Bis Ende des Jahres soll der 42-Jährige jedoch noch seine Tätigkeit in der Pfarrgemeinde ausüben.
Betont einsilbig gibt sich auch der Bad Feilnbacher Pfarrer Ernst Kögler in dieser Angelegenheit. „Ich sage überhaupt nichts dazu. Wenn jemand etwas dazu sagen kann, dann das Ordinariat.“
Pfarrer Ernst Kögler gibt sich zuversichtlich
Sorgen, dass die seelsorgerische Tätigkeit im Pfarrverband ohne den Pfarrvikar schwer zu stemmen sein könnte – was auch eine Reihe der Gläubigen befürchtet – macht er sich jedoch nicht. „Wir kriegen das schon hin“, gibt er sich zuversichtlich.
Bad Feilnbachs Bürgermeister Anton Wallner erklärt: „Ich bedaure den Weggang Jasuras sehr. Ich schätze die Arbeit sehr, die er im Pfarrverband und vor allem in Au leistet. Man sieht es auch jetzt, dass er großen Rückhalt in der Pfarrei hat. Da wird wirklich noch alles versucht, um ihn zu halten.“