Rassismus gemeinsam entgegentreten

von Redaktion

Aiblinger Schüler reisen zu erstem Erasmus-Plus-Arbeitstreffen nach Istanbul

Bad Aibling – Zwei Jahre läuft das europäische Erasmus Plus Projekt „Roots and Roads“, an dem sich auch das Gymnasium Bad Aibling beteiligt (wir berichteten). Vier Schüler reisten nun unter der Leitung von Georg Lechner und Birgit Mölter nach Istanbul zum ersten Arbeitstreffen, wo sie auf ihre Partnerschüler und Kollegen aus Schweden, Griechenland, den Niederlanden und der Türkei trafen.

Überwältigt waren sie von der Gastfreundschaft, die ihnen in ihren türkischen Gastfamilien begegnet. Da wurden echte Freundschaftsbande unter den Jugendlichen geknüpft. Aber nicht nur mit den Gastgebern, sondern auch mit den Teilnehmern aus den anderen europäischen Ländern.

Die Schüler hatten im Vorfeld verschiedene Referate und kulturelle Projekte vorbereitet. Es gab eine Präsentation über die landestypische Kultur und den Einfluss verschiedener zugewanderter Kulturen auf die Architekturen der Gastländer. Außerdem boten die Länder typisches Essen aus ihrer jeweiligen Heimat an.

Siegerlogo trägt
Aiblinger Handschrift

Bei einem Wettbewerb zur Gestaltung eines Logos für das Projekt „Roots and Roads“ gewann eine Gruppe mit dem Vorschlag der Aiblinger Schülerin Constanze Baumann.

Zur Vorbereitung einer Diskussion über interkulturelle Begegnungen hatten die Schüler Präsentationen vorbereitet, in denen sie sich über Lösungsvorschläge Gedanken machten, wie man gute und konstruktive Beziehungen zu Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen aufbauen kann, und welche Maßnahmen man aus ihrer Sicht ergreifen könnte, um Rassismus entgegenzutreten.

Eine sehr bewegende Begegnung mit Einwanderern in die Türkei fand im Rahmen einer Podiumsveranstaltung statt. Verschiedene legale Einwanderer und Flüchtlinge aus Syrien und Moldawien hatten sich bereit erklärt, vorbereitete Fragen der Schüler zu beantworten.

Die Fragen bezogen sich auf die Anfangsschwierigkeiten im Gastland, die Schwierigkeiten mit der neuen Sprache und Kultur, die Integration und ihre jetzige Situation. Dabei wurde allen recht deutlich, wie wichtig das Erlernen der Sprache des Gastlandes für die Integration ist.

Die türkische Schule bot allen europäischen Gästen einen sehr lebendigen und reichen Einblick in die türkische Kultur: Es gab Vorführungen einer traditionellen türkischen Hochzeit in traditionellen Kostümen mit den jeweiligen Tänzen und Ritualen sowie eine Aufführung der drehenden Derwische (Mevlevi-Orden der Sufi-Derwische), die alle sehr beeindruckte.

Ein weiterer Höhepunkt des Besuchs in Istanbul war das Besichtigungsprogramm, das die türkische Schule organisiert hatte. Besonders beeindruckend für die jungen Teilnehmer war die Führung durch die Hagia Sophia. Vormals sowohl christliches Gotteshaus als auch Moschee, zeigt dieses Gebäude, wie christliche und islamische Kultur an einem Ort zusammentreffen.

Ein Besuch der Blauen Moschee, des prächtigen Topkapi-Palastes, jahrhundertelang der Sitz der Sultane des Osmanischen Reiches, ein Besuch des Archäologischen Museum mit dem Sarkophag Alexander des Großen und ein Besuch des Museums für islamische Kunst wurde den Gästen ebenfalls ermöglicht.

Die Aiblinger Schüler, für die dies der erste Zugang zu der orientalisch geprägten Kultur war, zeigten sich auch von der Schönheit der Gebäude zutiefst beeindruckt. In ihrer Freizeit bekamen die Schüler einen Einblick in den Lebensalltag ihrer gleichaltrigen Gastgeber, da sie in den Familien oder mit Freunden unterwegs waren. Beim Abschied gab es Tränen auf allen Seiten. Bei einer Nachbesprechung war spürbar, dass die Schüler diese Fahrt als ein positives Beispiel für „gelebtes Europa“ betrachteten. Durch die Begegnung mit Gleichaltrigen aus anderen europäischen Ländern spürten sie die vielen Gemeinsamkeiten, die unter den Jugendlichen bestehen, auch wenn es natürlich kulturelle Besonderheiten gibt, die durchaus auch geschätzt wurden.

„Europa kann
funktionieren“

Die Schüler hatten sich durch die gemeinsame Arbeit an den unterschiedlichen Projekten bereits am ersten Tag gut gemischt und waren stets in einem intensiven Kontakt miteinander. Für alle Beteiligten war es eine Freude zu sehen, dass Europa funktionieren kann. „Die Schüler erleben im Laufe der Begegnung in Istanbul sicherlich eine Stärkung ihres Bewusstseins, dass sie nicht nur die Identität ihres Heimatlandes besitzen, sondern auch dankbar und stolz auf ihre Zugehörigkeit zu Europa sind“, sagt Birgit Mölter.

Die Vorfreude auf ein Wiedersehen im Laufe der nächsten zwei Jahre ist bei allen Erasmus-Schülern groß und die sozialen Medien erlauben es ihnen auch, unkompliziert in Kontakt zu bleiben.

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