Beifall für 16-Millionen-Euro-Planung

von Redaktion

Marktgemeinderat gibt grünes Licht für Großprojekt Rathaus-Erweiterung

Bruckmühl – Das gab es wohl noch nie, dass Bruckmühler Bürger von den Zuschauersitzen im großen Sitzungssaal des Rathauses nach einem 21:1-Votum für eine 15,9 Millionen Euro teure Investition teils stehend Beifall spendeten. So geschehen bei der jüngsten Gemeinderatssitzung, als es um die Generalsanierung samt großzügigem Aus- und Anbau des Bruckmühler Verwaltungsgebäudes ging.

Der Münchner Architekt Thomas Gerstmeir stellte das großvolumige Bauvorhaben mit verschiedenen Alternativen vor, über die die Mitglieder des Marktgemeinderates intensiv diskutierten.

Motto: „Ein Dach,
ein Rathaus“

Zunächst blickte Bürgermeister Richard Richter (CSU/PW) auf die Historie und den aktuellen Sachstand (siehe Kasten). Im Anschluss erläuterte Architekt Gerstmeir mittels einer Präsentation die Grundideen mit Nennung aller Vor- und Nachteile unter dem Motto „Ein Dach, ein Rathaus“.

Umbau
mit Aufstockung

Variante eins (erster Bauabschnitt) beinhaltet den Umbau des Rathauses in seiner jetzigen Substanz mit Aufstockung durch ein zweites Obergeschoss. Kostenvolumen samt Auslagerung während der Bauphase: zehn Millionen Euro.

Variante zwei (Bauabschnitt zwei): Erweiterung durch südlichen Anbau, dreigeschossig, Ausmaße 17,4 mal 20 Meter, Kostenvolumen Großvariante (Bauabschnitt eins und zwei) samt Auslagerung während der Bauphase: 15,89 Millionen Euro. Gerstmeir führte dazu noch aus, dass die Bauabschnitte eins und zwei auch zeitlich voneinander getrennt realisiert werden können, „was aber unter dem Finanzaspekt nicht unbedingt zielführend ist“.

Rathauschef Richter bewertete die vorgelegten Planungen als „tollen Entwurf aus einem Guss“, das Zahlenmaterial „als seriös“. Weiter stellte er klar, dass die Planungen keinem Größenwahn entwachsen, sondern vielmehr ein Spiegelbild der personellen und räumlichen Gegebenheiten seien. „Die Kernfrage ist doch, wie müssen wir unsere Verwaltung in Bezug auf das Rats-, Kunden- und Bürgerinteresse für die Zukunft aufstellen?“

Wegen einer zu erwartenden Kostenmehrung sprach er sich deutlich gegen einen Um-, Aus- und Anbau in unterschiedlichen Bauabschnitten aus. Vielmehr favorisierte er die Großvariante. Josef Staudt (SPD/ÜWG) stützte die Argumentation, „Bruckmühl braucht jetzt und sofort ein Gebäude in dieser Art mit einer der Gemeinde entsprechenden Außendarstellung.“

Für Werner Berger (OLB) war unbestritten, „dass unsere Bürger und Mitarbeiter ein funktionierendes Rathaus brauchen“. Seine Frage nach dem Kostenvolumen für einen Abriss mit Neubau an gleicher Stelle bezifferte Architekt Gerstmeir auf circa 16 Millionen Euro mit einer deutlichen Bauzeitverlängerung.

Für Robert Niedermeier (SPD/ÜWG) war die Sache klar: „Es ist an der Zeit, mutig zu sein. Der Nordanbau hat nicht viel gebracht. Wir sollten das Gesamtkonzept anpacken und nicht vor dem Kostenvolumen zurückschrecken. Bruckmühl kann sich dieses Ensemble mit Alleinstellungsmerkmal leisten.“ Klaus Christoph (CSU/PW) gab seine Bewertung aus Sicht der Verwaltung ab: „Wir sind es unseren Mitarbeitern und Bürgern einfach schuldig, in die Zukunft zu denken.“

„Wenn wir schon 16 Millionen Euro ausgeben – alles andere macht keinen Sinn – sollten wir unser ,Hirnkasterl‘ aber trotzdem anstrengen und uns fragen, ob wir so alles umsetzen sollen oder können“, meinte Hubert Maier (CSU/PW). Hierauf entgegnete der Architekt, dass man durchaus über die ein oder andere Position reden könne.

Für Engelbert Wolf (CSU/PW) waren die 16 Millionen Euro eine „Fixzahl, an der man die Planungen und den Architekten messen sollte“. Skeptischer bewerte dies Stefan Mager (Grüne). Für ihn war klar, dass der Ansatz von 16 Millionen Euro Baukosten nicht zu halten sei. Er tendierte eher in Richtung 20 Millionen Euro. „Wenn ich diesen baulichen Kasernenstil dann gegenüber den Bürgern aus ökonomischer Sicht vertreten soll, möchte ich im Detail wissen, was ein Neubau an anderer Stelle kosten würde, sonst kann ich hier nicht zustimmen“, machte Mager klar.

„Auch Neubau wäre nur hier möglich“

Hierzu verdeutlichte der Bürgermeister, dass ein Neubau nur an gleicher Stelle nach einem Abriss erfolgen könne, da die Gemeinde über keine anderweitigen Grundstück verfüge. Uwe Herrmann (SUB) wandte sich an das Architektenteam: „Sie haben diesem Rathaus Leben eingehaucht, wir sollten jetzt die Energie, die in dem Haus steckt, nutzen und weiter ausbauen.“ Er sprach sich ebenfalls für die Großvariante aus.

Richard Linke (OLB) brachte seine Sichtweise kurz auf den Punkt: „Einmal ausziehen, einmal umziehen, einmal einziehen und fertig“. Für ihn „ging der kleine Anbau an der Nordseite überhaupt nicht, das wird das große Manko an dem schönen Ensemble werden“.

Am Ende der intensiven Beratung kam es zu dem 21:1-Abstimmungsergebnis für die Großvariante „Umbau, Aufstockung und Anbau des Rathauses“.

Was bisher geschah

Nachdem der Bedarf an Büroarbeitsplätzen im Bruckmühler Rathaus kontinuierlich stieg, wurden im Jahr 2004 erstmals Möglichkeiten zur Raumerweiterung durch einen Anbau oder Ausbau des Dachgeschosses geprüft.

Im Jahr 2007 folgten Erörterungen zur Neuorganisation der Verwaltungsfachbereiche samt räumlicher Anpassung. 2010 befassten sich die gemeindlichen Entscheidungsgremien mit mehreren Varianten einer Rathauserweiterung. 2011 erfolgte dann der erste kleinere Anbau an der Nordseite.

Nach einer erneuten Planungsaufnahme in 2015 und der Erstellung einer Machbarkeitsstudie im Jahr 2016 beauftragte der Marktgemeinderat die Verwaltung, ein Vergabeverfahren auf der Basis eines Dachgeschossausbaus samt Auslagerung während der Bauphase zu prüfen. Dies wurde im Herbst 2018 umgesetzt.

Dem schlossen sich seit Februar 2019 zahlreiche Sitzungen mit dem beauftragten Architektenbüro an, bei denen unter Beteiligung der Verwaltung alle erforderlichen Zahlen, Daten und Fakten ermittelt wurden. Die Planungsvorlagen dazu lauteten: Schaffung von zukunftsfähigen Räumen, die den Ansprüchen einer modernen und leistungsfähigen Verwaltung mit einer bürgerorientierten Ausrichtung samt Bürgerbüro und Barrierefreiheit entsprechen.

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