Ende der täglichen Stauorgie in Sicht

von Redaktion

Verkehrsversuch Vereinbarung über Neuregelungen an Salzburger und Innstraße

Stephanskirchen – Es waren dicke Bretter, die durchbohrt werden mussten. Es waren lange und zähe Verhandlungen. Aber nun haben sich Stephanskirchen, Stadt und Rosenheim, staatliches Bauamt und Regierung von Oberbayern geeinigt: Der Stau auf der Salzburger Straße in Stephanskirchen und auf der Innstraße in Rosenheim soll aufgelöst, die Busse sollen beschleunigt werden. Wie, das fasste Bürgermeister Rainer Auer (parteilos) jetzt im Hauptausschuss zusammen.

Morgens ortsauswärts, abends stadtauswärts – es gibt Tageszeiten, da sollten Autofahrer nach Möglichkeit Salzburger und Innstraße meiden. Umsteigen in den Bus ist aktuell keine überragende Alternative, denn die Busse stehen auch im Stau. Die etwa 100 Meter kurze Busspur in der Rosenheimer Innstraße zwischen „Am Innzipfel“ und Abzweigung Chiemseestraße wird vom morgendlichen Berufsverkehr gerne ignoriert. Worauf im Hauptausschuss auch Ludwig Demberger (SPD) verwies.

Ampeln endlich sinnvoll schalten

Und wie soll der Stau nun aufgelöst werden? So, wie es der 2014 von der Gemeinde beauftragte Verkehrsplaner Helmuth Ammerl vorschlug: Die Ampeln entlang der Salzburger, der Rohrdorfer und der Innstraße sollen besser aufeinander abgestimmt, die Busspur in der Innstraße aufgehoben werden. Damit sollen vor allem die Busse beschleunigt und ihre Nutzung attraktiver gemacht werden. Mehr Fahrgäste in den Bussen bedeuten auch: weniger Autos auf der Straße. Pkws kommen allerdings auch schneller voran.

Langsamer wird es an einer Stelle auch: An der Einmündung Wasserburger und Salzburger Straße wird eine Ampel errichtet – inklusive Fußgängerquerung der Salzburger Straße. Diese wird noch nicht fest installiert, läuft mindestens ein Jahr lang im Probebetrieb. Um Ausweichverkehr zu vermeiden, wird die am Rathaus und der Feuerwehr vorbeiführende Hoffeldstraße zu „unechten“ Einbahnstraße. Unecht, weil nur ein kleiner Teil Einbahnstraße wird, nicht die gesamte Länge. Mit diesen Maßnahmen soll, so Bürgermeister Rainer Auer die Abkürzung für Autofahrer aus dem Norden des Landkreises unattraktiver werden. Allerdings wird in Schloßberg als Kollateralschaden auch die Buslinie 9415 (Wasserburg-Vogtareuth-Rosenheim) ausgebremst.

Gut ein Jahr soll der Probebetrieb dauern, so Auer jetzt im Hauptausschuss. Der Ist-Zustand soll im Januar oder Februar festgehalten werden, dann wird mehrfach geschaut, wie sich die Lage verändert. Frühestens im Frühjahr 2021 wird dann ein Fazit gezogen.

Ammerls Gutachten stand inhaltlich nicht infrage, auch Stadt und Landkreis Rosenheim sowie staatliches Bauamt konnten damit leben. Problematisch war vor allem die Finanzierung des Ganzen. Die Gemeinde Stephanskirchen war bereits mit 100000 Euro für das Gutachten in Vorleistung gegangen. Dabei ist Stephanskirchen eigentlich überhaupt nicht zuständig: Die Straßen im Gemeindegebiet sind Staatsstraßen, das staatliche Bauamt ist verantwortlich. Und für den Busverkehr ist die Rosenheimer Verkehrsgesellschaft, betrieben von Stadt und Landkreis, zuständig.

Letztlich, so Auer, verständigte man sich darauf, dass die Stadt die Maßnahmen in ihrem Gebiet übernimmt, das Bauamt die Kosten für die Koordinierung der Maßnahmen in Stephanskirchen und den Unterhalt der Ampelanlagen. Die Kosten für die Errichtung der Ampel an der Wasserburger Straße – rund 280000 Euro – trägt zunächst die Gemeinde.

Greifen die Maßnahmen, bekommt Stephanskirchen 75 Prozent der Baukosten und 75 Prozent der Planungskosten – insgesamt 285000 Euro – von Landkreis und staatlichem Bauamt zurückerstattet.

Florian Beck (Bayernpartei) und Günther Juraschek (CSU) haben massive Befürchtungen ob der Ampel an der Wasserburger Straße, befürchten zig Auffahrunfälle. Diese Bedenken konnte auch Petra Hofmann (CSU) mit ihrem Vorschlag einer Beschilderung am Fuße des Schloßbergs nicht zerstreuen.

Grundproblem

bleibt erhalten

Johannes Lessing (Die Grünen) verstand die „allgemeine Euphorie“ über das Gutachten nicht. Durch die vorgeschlagenen Maßnahmen ändere sich nichts am Grundproblem: „Es wollen zu viele Leute mit dem Auto in die Stadt. Wo sie dann keinen Parkplatz finden.“ Anreize, auf den Bus umzusteigen, sehe er nicht. Seiner Ansicht nach müsse mehr geschehen, als „ein paar Ampeln anders zu schalten“.

Für Hubert Lechner (Parteifreie) hingegen ist Ammerls Konzept schlüssig. Er warnte davor, die langen Verhandlungen wegen einer Ampel aufs Spiel zu setzen. Letztlich stimmte der Hauptausschuss mit fünf zu drei Stimmen für die Planungsvereinbarung mit Bauamt, Stadt und Landkreis, für den Probebetrieb ab Anfang 2020.

Artikel 2 von 11