Pfarrer: Abschied nicht aus freien Stücken

von Redaktion

Unzählige Gläubige bei letztem Gottesdienst mit Amit Sinha Roy in Tuntenhausen

Tuntenhausen – Es waren nachdenkliche und überraschende Worte, die der langjährige Tuntenhausener Pfarrer Amit Sinha Roy bei seinem Abschiedsgottesdienst in der Tuntenhausener Basilika fand: Er erklärte den zahlreichen Gläubigen, dass es sich bei seinem Weggang nicht um einen freiwilligen Abschied handle. „Die Entscheidung habe nicht ich getroffen, sie wurde getroffen.“

„Pfarrer bat um
die Entpflichtung “

Anders lautet dagegen die offizielle Stellungnahme des Erzbischöflichen Ordinariats auf Anfrage unserer Zeitung. Demzufolge war der Geistliche im Februar 2019 von seinen Ämtern und Aufgaben beurlaubt worden, „um ihm die notwendige Behandlung zur Wiederherstellung seiner Gesundheit zu ermöglichen“. Denn: Seit 2012, als er mitten in der Nacht von zwei maskierten Räubern im Pfarrhaus geweckt, mit einem Brecheisen bedroht und mit Kabelbinder an die Heizung gefesselt worden war, ist er immer wieder in Behandlung. Das schreckliche Erlebnis lässt ihn nicht los.

„Im Juli hat Pfarrer Sinha Roy dann um eine Entpflichtung von der Leitung des Pfarrverbands Tuntenhausen-Schönau gebeten. Seiner Bitte wurde stattgegeben, und somit war er seit dem 1. September 2019 nicht mehr im Amt und von seinen Aufgaben freigestellt“, erklärt Karin Basso-Ricci, stellvertretende Leiterin der Pressestelle des Ordinariats.

Die Abschiedsfeier für Sinha Roy indes geriet zu einem einzigartigen Vergelt’s Gott. „Nach den ganzen Wiedereröffnungsfeiern haben wir jetzt endlich Zeit, Danke zu sagen“, meinte Pfarrer Bruno Bibinger nach dem feierlichen Einzug in die Basilika. 15 lange Jahre leitet Sinha Roy den Pfarrverband und war für die Wallfahrten verantwortlich. „Es ist auch sein Verdienst, dass die Basilika nun renoviert dasteht“, so Bibinger.

„Wir sind 15 Jahre einen gemeinsamen Weg gegangen“, skizzierte Sinha Roy. „Der Weg hatte Höhen und Tiefen, aber wir beschritten ihn immer gemeinsam mit Christus. Christus machte es uns aber nicht immer leicht.“ Er habe das am eigenen Leib spüren müssen. „Aber jammern gilt jetzt nicht, es heißt nach vorne schauen.“ Auch in seiner Predigt ging es um die Spuren, die die Zusammenarbeit mit Menschen im Pfarrverband hinterlassen haben.

Vor 20 Jahren kam Sinha Roy in das Dekanat Bad Aibling (Pastoralkurs und Planstelle in Bad Aibling). Schon dort lernte er die Gebirgsschützenkompanie Aibling kennen. Es entstand eine Freundschaft, die bis zum heutigen Tag erhalten blieb. Der Pfarrer stellte die Zusammenarbeit mit der Gemeinde und dem Bürgermeister heraus, ebenso das stete Ringen um den richtigen Weg in einem Pfarrverband mit fünf Pfarreien. „Die letzten sieben Jahre waren schwere Zeiten“, meinte er, besonders im Hinblick auf die Zeit nach dem Überfall. Deshalb seien Menschen wichtig gewesen, die immer ein offenes Ohr für ihn hatten. So Ehrenbürger Josef Haas in den letzten Monaten vor dem Abschied. Große Unterstützung fand er auch in August Riedl, besonders zum Start im Pfarrverband. „Wir haben vieles miteinander auf den Weg gebracht“, meinte er.

Anschließend dankte er der Familie Arco Zinneberg, die dem Gottesdienst beiwohnte, und der Familie von Lobkowicz von Maxlrain sowie seinen Pfarrkollegen, Diakon Josef Hilger und Bruno Bibinger. In einer Phase des Gefühls von Einsamkeit und Verlassenheit sei es wichtig zu wissen, dass Gott da ist, „sonst versinkt man“, meinte Sinha Roy und zitierte den berühmten Satz von Papst Benedikt XVI „wer glaubt, ist nicht allein“. „Die 15 Jahre in Tuntenhausen bleiben in meinem Herzen“, betonte Sinha Roy, „sie bleiben da, wo sie hingehören, bei den schönen Erinnerungen.“

Berührend war der Auszug nach dem Gottesdienst, den der Kirchenchor musikalisch eindrucksvoll untermalt hatte: Es gab lang anhaltenden Applaus für den beliebten Seelsorger.

Salut der Gebirgsschützen

Nach der Messfeier salutierte die Gebirgsschützenkompanie Bad Aibling vor der Mariensäule. Kaum ein Gottesdienstbesucher ging nach Hause. Alle wohnten der Abschiedsehrung bei. „Wir waren immer an Deiner Seite und wollen auch an der neuen Wirkungsstätte für Dich da sein“, betonte Kompanieleutnant Uwe Hecht und schenkte dem scheidenden Pfarrer als Andenken ein Fahnenband.

Im Ambiente des Festsaals von Schloss Maxlrain fand die weltliche Abschiedsfeier statt, zu der sich ebenfalls Hunderte von Gläubigen einfanden. Händedruck, Gedankenaustausch und viele Geschenke, so eine Collage des Pfarrgemeinderates; der Geistliche war stets umringt von Abschied nehmenden Menschen. Nicht wenige werden ihn auch an seiner neuen Wirkungsstätte besuchen. Seit 1. Oktober ist Pfarrer Sinha Roy als Pfarrvikar im Pfarrverband Grünwald tätig. Bruno Bibinger administriert den örtlichen Pfarrverband, bis die Leitung, die derzeit ausgeschrieben ist, wieder neu besetzt ist. Damit rechnet man im Moment in der zweiten Jahreshälfte 2020.

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