Feldkirchen-Westerham – „100 Jahre Freistaat ist eine Gelegenheit, die eigene Geschichte in Erinnerung zu rufen“, so Michael Pelzer (72) über den Veranstaltungsabend „Die Bayerische Revolution 1918 in und um Feldkirchen-Westerham“. Pelzer, der Bürgermeister von Weyarn war, steht neben seiner Frau, der Theaterschauspielerin Theresa Benda-Pelzer (60), und Pankraz Schaberl (23) auf der Bühne – die drei Feldkirchen-Westerhamer eint das Interesse an der bayerischen Geschichte.
Das kreative Trio stellt Bruchstücke aus „Wir sind Gefangene“ von Oscar Maria Graf dar. So ist Pelzer der Erzähler während Benda-Pelzer und Schaberl in verschiedene Rollen schlüpfen. Im Interview verraten die Drei, ob sie Lampenfieber und welche Rituale sie haben.
Wie war einst die Revolution in Feldkirchen-Westerham?
Michael Pelzer: Die Leute hungerten, das Volk brauchte Essen. Die Frauen auf dem Lande mussten mit Kraft und Stärke die Landwirtschaft erhalten, denn die männlichen Arbeitskräfte waren im Krieg.
Theresa Benda-Pelzer:
Die Versorgung war quasi am Erliegen.
Pankraz Schaberl: Auch in unserer Gemeinde gab es Gruppierungen der Rot- und Weißgardisten, davon existieren Fotos im Heimatarchiv. In Stadt und Land gab es eine flächendeckende Revolutionsbewegung.
Herr Pelzer, Sie waren 24 Jahre Bürgermeister von Weyarn. Wechseln Sie nun von der politischen zur Theaterbühne?
Pelzer: Wenn man mit einer Frau verheiratet ist, die für ihr Leben gern Theater spielt, wird eben auch der Ehemann mit auf die Bühne gezogen. Außerdem darf ich ja alles ablesen, dass beruhigt mich sehr.
Gerade Sie beide, Frau Benda-Pelzer und Herr Schaberl, sind „alte Hasen“ im Theatergeschäft. Haben Sie noch Lampenfieber?
Benda-Pelzer: Natürlich kribbelt es etwas, aber wenn man alles gut geprobt hat, wird man sicherer. Wichtig ist vielmehr, ob unsere Texte die Zuhörer ansprechen, schließlich arbeiten Pankraz und ich das erste Mal ohne Regisseur.
Schaberl: An Allerheiligen wurde uns bewusst, wie wenig Zeit nur noch bis zur Aufführung bleibt und da steigt die Anspannung. Es ist eben auch für uns ein neues Format.
Haben Sie ein besonderes Bühnenritual vor dem Auftritt?
Benda-Pelzer: Also Schulterspucken passt immer,
Schaberl: Wir drücken uns und wünschen uns viel Glück.
Frau Benda-Pelzer, Sie haben sich vor fünf Jahren bei einem Unfall Ihre Schulter gebrochen, wie geht es Ihnen?
Benda-Pelzer: Es war ein langer Weg und ein schweres Zurückkommen. Eine lebenslange Beeinträchtigung bleibt mir wohl. Ich bin aber ein positiver Mensch und habe wieder ins Leben zurückgefunden. Meine größte Angst war, dass ich nie mehr Theater spielen kann.
Wie finden Sie Oskar Maria Graf?
Pelzer: Er ist ein großer bayerischer Schriftsteller, der unbedingt wieder ins Gedächtnis der Menschen zurückgerufen werden muss.
Benda-Pelzer: Sein sprachliches Format fasziniert mich sehr.
Schaberl: Ich frage mich, ob einer, der nicht in Bayern aufgewachsen ist, Graf und seine Formulierungen verstehen kann und hoffe sehr, seine Texte mit diesem Abend näher an die Zuhörer bringen zu können.
Wie sind Sie dazu
gekommen, dieses
geschichtliche Thema aufzuführen?
Schaberl: „Eigentlich hat es damit angefangen, ein kulturelles Veranstaltungsthema zu finden. Ich habe im Vorfeld zu Günter Baumgartner Kontakt aufgenommen und konnte ihn für unseren Geschichtsabend gewinnen. Das Thema der Bayerischen Revolution passt in unsere Zeit und stößt bei vielen Menschen auf großes Interesse. Als Veranstaltung findet die Reihe „Zeitgeschichte erleben“ bereits zum zweiten Mal statt – 2018 war Christian Ude zu Gast und hat aus seinem Buch vorgelesen.
Herr Schaberl, wie wichtig, ist Ihnen die Geschichte Ihres Heimatortes zu beleuchten?
Schaberl: Das Leben hier ist meine Heimat, hier bin ich aufgewachsen und dann kam die Frage auf, was war eigentlich in unserer Gemeinde zu dieser Zeit los?
Welche Kostüme und Bühnenrequisiten sind geplant?
Benda-Pelzer: Es wird alles einfach gehalten. Eine zweigeteilte Bühne, ein Teil für den Vortrag und der andere Bühnenbereich für das Theaterstück und eine gezielte Szenenbeleuchtung braucht es. Die Szenenänderungen werden nur durch kleine Variationen, wie dem Austausch eines Hutes, Jacke oder Schals angedeutet.
Was ist Ihr Ziel?
Pelzer: Wir möchten möglichst viele, vor allem auch junge Menschen, neugierig auf ihre eigene Geschichte, unsere bayerische Geschichte, machen. Eine Geschichte, die seit jeher mit der Geschichte anderer verbunden war. Und vielleicht gelingt es zudem, einen großen bayerischen Schriftsteller wieder in den Mittelpunkt des Interesses zu rücken.
Interview: Jeannette Wolf