Kiefersfelden – Morgens mit dem Privatjet von Düsseldorf nach Innsbruck, von dort aus per Shuttle nach Kiefersfelden, am Nachmittag per Jet weiter nach Wien und abends zurück nach Düsseldorf: So sieht das straffe Programm eines erfolgreichen Geschäftsmanns aus. Im konkreten Fall geht es um einen Tag im Leben des Unternehmers Tan Sri Lim Wee-Chai. Er ist Gründer und Vorstandsvorsitzender von Top Glove, dem Weltmarktführer bei der Herstellung von Gummihandschuhen mit Sitz in Malaysia. Nach Einschätzung des Forbes-Magazins verfügt er über ein Vermögen von rund 1,1 Milliarden US-Dollar.
Freundschaft seit
rund 30 Jahren
In Düsseldorf besuchte Lim die Fachmesse Compamed, auf der sich mehr als 750 Aussteller aus der medizinischen Zuliefererbranche präsentierten. Die Reise nach Europa nutzte er auch, um einen Abstecher nach Kiefersfelden zur Meditrade GmbH, einem Hersteller und Händler von Medizinprodukten, zu machen. Mit deren Geschäftsführer Peter Rösner unterhält Lim seit rund 30 Jahren eine Geschäftsbeziehung, zudem sind die beiden Unternehmer befreundet.
„Er hat sich von ganz unten nach ganz oben gearbeitet“, sagt Rösner über seinen langjährigen Geschäftspartner. Von ganz unten heißt: Lim wuchs mit fünf Geschwistern auf einer Kautschuk-Plantage nahe der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur auf. „Wir waren arm und mussten hart arbeiten“, erinnert sich Lim im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Da er früh verstanden habe, wie wichtig Bildung für späteren Erfolg ist, habe er sich in der Schule sehr angestrengt. „Ich wollte es zu etwas bringen, um meine Familie versorgen zu können.“
Als er 33 Jahre alt war, gründete Lim die Firma Top Glove – und ging dabei ein hohes Risiko ein: „Meine Frau und ich haben sämtliche Ersparnisse investiert. Wir hatten keinen Plan B, Scheitern kam also nicht infrage.“ Dazu muss man wissen, dass es damals rund 250 Handschuh-Hersteller allein in Malaysia gab. Wie ist es ihm also gelungen, sich am Markt durchzusetzen? „Wir hatten tatsächlich nur eine kleine Chance, im Wettbewerb zu bestehen. Für mich war es entscheidend, die beste Qualität und den besten Kundenservice zu bieten“, blickt Lim zurück. Zudem habe er auf die Unternehmenswerte Integrität, Ehrlichkeit und Transparenz gesetzt. „Vor allem aber hatte und habe ich sehr fleißige und loyale Mitarbeiter. Sie sind unverzichtbar für den Erfolg.“
Das Unternehmen wuchs stetig und wurde zu einem Global Player im Markt für Handschuhe. Heute hat Top Glove rund 18000 Mitarbeiter weltweit und 42 Produktionsstätten, bis auf vier Werke in Thailand und eines in China befinden sich alle in Malaysia. Pro Jahr stellt der Weltmarktführer (Marktanteil aktuell circa 26 Prozent) etwa 64 Milliarden Handschuhe her.
Angesichts seines Erfolgs und seines riesigen Vermögens könnte Lim sich eigentlich längst zur Ruhe setzen. Mit seinen 61 Jahren geht er nach deutschen Verhältnissen langsam aufs Rentenalter zu. Von Rückzug aus dem Tagesgeschäft will der Geschäftsmann allerdings nichts wissen. „Arbeit ist mein liebstes Hobby, sie macht mir einfach großen Spaß. Ich denke noch lange nicht daran, mit dem Arbeiten aufzuhören.“
„Arbeit ist mein
liebstes Hobby“
Überhaupt sehe er sich erst bei etwa der Hälfte seines Lebens angelangt, „ich bin immer noch jung“. Nach Lims Überzeugung kann man mit der richtigen Lebensweise 120 Jahre alt werden, und das hat er fest vor. „Ich ernähre mich ausgewogen, mache Yoga und Stretching und schlafe immer sieben bis acht Stunden“, erzählt der Unternehmer.
Es verwundert insofern nicht, dass Lim als Vorhaben für die „zweite Lebenshälfte“ berufliche Ziele ausgibt: Er wolle noch mehr Arbeitsplätze schaffen und weiterhin seiner unternehmerischen Verantwortung gerecht werden. Vor allem das Thema Umweltschutz ist für ihn als Hersteller von Einwegprodukten zunehmend von Bedeutung. „Wir wollen unseren Beitrag für eine bessere Zukunft leisten.“ Dazu gehöre, mit den natürlichen Ressourcen, die für die Produktion benötigt werden, verantwortungsbewusst umzugehen. Den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid will das Unternehmen seinen Worten nach jährlich um acht Prozent reduzieren. „Wir müssen den nachfolgenden Generationen eine lebenswerte Welt hinterlassen“, so der Vater eines Sohnes und einer Tochter.
Nach Deutschland kommt Lim immer wieder gerne, wie er sagt. „Es ist ein tolles Land, technologisch seit Jahrzehnten an der Weltspitze. Es gibt so viele erfolgreiche Unternehmer, von denen wir lernen können.“
Einer von ihnen ist Peter Rösner, den er sehr respektiere. „Wir geben uns gegenseitig Tipps“, ergänzt der Geschäftsführer von Meditrade. Wie Lim ist auch er 61 Jahre alt. Nicht nur das gleiche Alter verbindet die beiden. „Wir verstehen uns sehr gut auf geschäftlicher und privater Ebene“, sagt Rösner. „Ich freue mich immer wieder, wenn ich ihn sehe.“