Feldkirchen-Westerham – Eigentlich frühstücken Karen Scott (26) und Liz Johnston (56) Porridge – „jeden Tag“, sagen die Frauen aus dem schottischen Edinburgh. Gestern gab es zum ersten Mal Brezn zum Frühstück. Klar, jetzt sind sie ja auch im Mangfalltal. Zu Gast sind sie bei der Familie Redel in Westerham und da stehen eben Brezn auf dem Frühstückstisch und kein Porridge.
Im Rahmen der BR-Sendung „Mein Job – Dein Job“ sind sie jetzt von Schottland nach Oberbayern gekommen. Einige Tage werden sie vom Fernseh-Team begleitet – gezeigt wird die Sendung dann im Frühjahr. Im Gegenzug sind zwei Mitarbeiter des Westerhamer Trachtengeschäfts der Redels bei der schottischen Firma, bei der Scott und Johnston angestellt sind.
Tradition trifft
auf Tradition
In ihrer Heimat sind sie „Kiltmaker“, kurz: Kiltschneiderinnen – hier in Westerham nähen sie Röcke und Schürzen an der Nähmaschine. „Das ist wirklich ganz anders als bei uns“, sagen die Schottinnen, die sogar schon etwas Deutsch sprechen, jeden Kunden begrüßen sie im Laden mit „Griaß di“.
Im Mangfalltal waren sie vorher noch nie. Aber sie haben gleich Parallelen zu ihrer Heimat festgestellt: Die Berge, das grüne Gras und die offenen, herzlichen Menschen – „wie zu Hause“, sagt Johnston.
Aber es gibt noch mehr Gemeinsamkeiten: „Die Liebe zu den Traditionen.“ Denn was den Bayern ihre Lederhose und das Dirndl sind, ist den Schotten der Kilt.
Diese Bekleidung stellen die Frauen zu Hause her – aus über einem sieben Meter langen Stück Stoff entsteht ein Schottenrock. Und ganz wichtig: „Es wird nichts ausgeschnitten.“ Aus diesem Stück wird die traditionelle Kleidung der Schotten – und die beiden tragen zum Erhalt dieser Tradition bei. „Er wird in Falten gelegt und alles wird mit der Hand genäht“, sagen sie.
Obendrein kommt die Wolle von schottischen Schafen, der Stoff wird in Schottland gewebt und bekommt seine typischen Muster. „Tartan heißen diese Webmuster“, erklärt Johnston. Und anhand dieses Tartans erkennt man, zu welcher Familie der Träger gehört. Der Name MacDonald fällt, gut diesen Namen verbindet man hier wohl eher mit einer Fastfood-Kette, als mit einem schottischen Clan. Aber das ist in Schottland anders: Die Farben des Clans der MacDonalds sind Grün, Blau, Rot und Weiß.
Von der Kleidung zum Essen: Was den Schotten der Mince Pie, ein typisch weihnachtliches Gebäck, ist den Bayern der Lebkuchen – den wollen sie auch noch probieren. Und das werden sie: Während ihres Aufenthaltes wohnen die Schottinnen bei Familie Regina und Bernhard Redel. Und? „Es ist sehr spannend“, sagt Regina Redel, die sich erst einen „riesen Kopf“ darüber gemacht hat, was die beiden wohl essen. Aber mit Käsespätzle lag sie richtig, schließlich ist Liz Johnston Vegetarierin. „Die beiden sind super sympathisch und unkompliziert“.
Neben Nähen, bairisch lernen, Brezn und Käsespätzle testen unternehmen sie noch einen Ausflug zur Speck-Alm. Und dann geht es wieder zurück nach Schottland – mit tausend Eindrücken und Geschmäckern. Pfiat di! Das haben sie auch gelernt.