Bad Feilnbach – Die Bewirtschaftung der Almen stellt einen unverzichtbaren Beitrag zum Erhalt einer abwechslungsreichen Kulturlandschaft dar. Das Aufgeben von Beweidung oder der Verzicht auf kontinuierliche Pflegemaßnahmen hätte fatale Folgen für Natur und Landschaft – so den Verlust von Freiflächen in Wäldern sowie von geschützten Pflanzen und Tieren, die auf eine offene Landschaft angewiesen sind.
Sorge für gesunde Almen, die Mensch, Tier, Natur und Landschaft gleichermaßen zugutekommen, tragen seit Generationen die Almbauern. Sie trafen sich jetzt auf Einladung von Bezirksalmbauer Wolfgang Bauer und Geschäftsführer Hans Stöckl zur Jahreshauptversammlung der Bezirksalmbauernschaft Aibling im Landgasthof Kistlerwirt in Bad Feilnbach. Bauer wurde für eine weitere Amtszeit als Bezirksalmbauer einstimmig bestätigt. Stellvertreter für den Almbezirk Aibling ist weiterhin Hans Kolb.
Die Almbauern bewirtschaften ihre Almen mit Engagement und Fleiß. Sie sind sehr gut beweidet und in einem guten Zustand. Das ging aus den Berichten von Bezirksalmbauer Bauer und Sepp Glatz, Bezirksalmbauer für Werdenfels, sowie Geschäftsführer Hans Stöckl hervor. Positiv nahmen die Almbauern das große Interesse an Veranstaltungen wie einem Almlehrkurs in Bad Feilnbach, einem Almschnupperkurs, dem Almpflegetag am Spitzing (Rot-wandgebiet) und Hauptalmbegehung mit Almbauerntag in Mittenwald auf.
Almbauern brauchen stärkere Lobby
Schwerpunkt in der Diskussion der Almbauern war neben dem Wolf und dem Schutz der Herden auch die Auswirkung des Volksbegehrens „Artenschutz“. Empfehlungen für die Politik wurden erarbeitet. So müssten die Verluste bei der Ausgleichszulage ausgeglichen werden, die Weideprämien erhöht, in Verbindung mit dem Vertrags-Naturschutz-Programm eine Behirtungsprämie aufgelegt, nicht erschlossener Almen bessergestellt und die Bergbauernprogramme besser ausgestattet werden.
Eine immer größere Herausforderung für die Almbauern ist der Bergtourismus – vor allem in Folge des Gerichtsurteils nach dem tödlichen Unfall einer Touristin in Österreich.
Perspektivisch sollten geeignete Wege für Mountainbiker definiert und klare rechtliche Regelungen getroffen werden, um die Position der Almbauern zu verbessern. Ein spezielles Weideschild, das Tourismusverbände, Bayerischer Bauernverband und Almwirtschaftlicher Verein Oberbayern gemeinsam entwickelten, sei im Testversuch gut angenommen worden. Ein flächenweiter Einsatz wurde von der Versammlung allerdings skeptisch betrachtet – allein wegen Zunahme von uneinsichtigen Touristen. Zudem, so die Kritik, nehme der Hinweis den Almbauern im Ereignisfall nicht aus der Haftung. Die Schweiz, so erläuterte Geschäftsführer Stöckl, sei in punkto Sperrung von Radlstrecken und Strafen bei Missachtung der Verbote wesentlich fortschrittlicher und härter.
Verspäteter Auftrieb und Wasserengpässe
Einen ausführlichen Rückblick auf die Almsaison gab Christian Tegethoff als Almfachberater und Leader–Sachbearbeiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Rosenheim. Nach seinen Ausführungen habe ein harter Winter einen zwei Wochen späteren Auftriebstermin verursacht und zu einem langsameren Wachstum der Weideflächen geführt.
Wasserengpässe gab es nach einem sehr heißen und trockenen Juni. Der restliche Almsommer verlief normal und ein langer Almherbst ermöglichte – soweit ausreichend Futter vorhanden – einen verlängerten Verbleib der Tiere auf den Almen.