Vagen – Am 26. Dezember geht der letzte Wurstsalat über die Theke, wird das letzte Bier ausgeschenkt: Dann ist Schluss. Dann sperrt Wirt Thomas Münch (33) aus Bruckmühl den Gasthof Schäffler zu. Er hatte seit 2014 die Geschicke geleitet. Eine ganze Ortschaft ist traurig, ob der Schließung. Aber wie geht es weiter?
Gibt es schon einen neuen Pächter? Dazu hat sich Verpächter Georg Schäffler nicht geäußert. Bürgermeister Hans Schaberl bringt es auf den Punkt: „Mit jeder Dorfwirtschaft, die stirbt, geht auch ein Stückerl Heimat verloren und es wird in Vagen wirklich etwas fehlen.“ Warum Münch schließt und was er danach plant, verrät er im Interview.
Herr Münch, warum hören Sie auf?
„Aufgrund der wirtschaftlichen Lage, der stetig wachsenden Preise, immer mehr werdender Auflagen seitens der Behörden, wie zum Beispiel dem steigenden Verwaltungsaufwand, ist es aus geschäftswirtschaftlicher Sicht nicht mehr rentabel.
Gibt es bereits einen Nachfolger?
Es ist momentan noch kein neuer Pächter in Sicht.
Wie schwer trägt einen die Last, ein solch großes Haus zu führen, muss man sich jeden Tag aufs neue beweisen?
Man steht permanent unter Druck, sei es bei der Qualität der Speisen oder dem Service. Dann kommt noch hinzu, dass die Arbeitszeiten weder familien- noch gesellschaftsfreundlich sind, zum Beispiel am Wochenende oder feiertags, bis spät in die Nacht, teilweise sogar bis in die frühen Morgenstunden hinein.
Was war besonders prägend, positiv aber auch negativ, in den letzten fünf Jahren für Sie als Gastwirt?
Meiner Selbstständigkeit als Gastwirt verdanke ich jede Menge positive als auch negative Lebenserfahrungen. Das Führen eines familiären Teams, das sich über die Jahre gebildet hat, ist hier als äußerst positiv zu bewerten. Im Gegenzug haben jedoch die vielen Belastungen auch körperliche Spuren bei mir hinterlassen.
Sie haben mit ihrem Team 2018 den begehrten „Stern der Gastlichkeit“ errungen, was empfinden Sie rückblickend?
Wir haben sogar heuer den zweiten ,Stern der Gastlichkeit‘ durch Beständigkeit in all unseren gastronomischen Bereichen erlangt. Trotzdem war dies nie ein Grund zum Ausruhen, sondern immer ein Anreiz, mit seinen Aufgaben zu wachsen.
Was wird jetzt aus Ihren Mitarbeitern?
Wir haben gehofft, dass ein neuer Pächter kommt und unser bestehendes Team übernimmt. Aber daraus wurde ja nichts. Jetzt muss sich jeder mit der Situation arrangieren.
Wie sehen eigentlich Ihre Pläne für die Zukunft aus?
Ich werde mich gedanklich und beruflich neu orientieren. Alles Weitere wird die Zeit bringen.
Interview: Jeannette Wolf
Das sagen die Vagener Vereine zur Schließung der Gaststätte – Stammtisch löst sich auf
Versammlungen, Feste, Bälle – der Wirt war fester Bestandteil in Vagen. Jetzt schließt er am 27. Dezember. Und in einem Punkt sind sich alle einig: Der Gasthof war, ist und soll auch in Zukunft ein Fixpunkt im Dorf sein.
Michael Zistl (63), Vorsitzender „Neuburgler“ Vagen: „Ich sehe es als eine große Katastrophe für unseren Ort an, da sämtliche öffentliche Veranstaltungen nun nicht mehr beim Wirt stattfinden können oder ab jetzt sogar teilweise ausfallen müssen.“ Der Verein hatte alle Veranstaltungen beim Wirt abgehalten. „Besonders dramatisch finde ich, dass nach Beerdigungen im Vagener Friedhof das Mahl nicht mehr beim Wirt vor Ort ausgerichtet werden kann“, so Zistl. Und wo geht es künftig hin? „Die kommenden Versammlungen werden wir im Vereinsheim abhalten. Ich wünsche mir wieder einen guten neuen Wirt, der als Gastgeber immer ein offenes Ohr für die Vagener Vereine hat.“
Benedikt Meixner (30), Präsident Faschingsgilde Vagen: „Das Vereinsleben wird durch die Schließung des Gasthauses Schäffler erheblich beeinträchtigt – dort fanden viele Veranstaltungen und Versammlungen statt. Viele Vereine müssen dafür nun eine andere Örtlichkeit suchen“, so Meixner. „Der Gasthof Schäffler ist alle zwei Jahre im aktiven Fasching unsere Herberge gewesen. Im nichtaktiven Fasching veranstalten wir dort unseren Vagener Dorfball. Dieser wird aufgrund der Schließung 2020 ausfallen. Somit veranstalteten wir im nichtaktiven` Fasching nur den Elferratsball und den Kinderfasching – beides in der Faganahalle.“
Franz Köll senior (58), Vorsitzender der Musikkapelle: „Nun ja, wir haben ja normalerweise unser Dreikönigskonzert im Gasthof Schäffler veranstaltet. Leider müssen wir es nun am Sonntag, 5. Januar, in der Faganahalle abhalten. Da beim Dreikönigskonzert auch eine Christbaum- beziehungsweise Astversteigerung durchgeführt wird, ist diese Veranstaltung eher ein geselliges Zusammenkommen, das eigentlich eine Wirtshaus-Atmosphäre benötigt.“ Obendrein ist die Musikkapelle am Vereinsjahrtag oder an Fronleichnam nach der Kirche zum Wirt marschiert. Künftig sollen die Veranstaltungen ab 2020 überwiegend in der Faganahalle, im Vereinsheim, im Boschnhaus oder beim Kellerwirt stattfinden.
Burgschützen-Vorsitzender Johannes Köpke (28): „Die Proklamation der Schützenkönige der Vagener Burgschützen und der traditionelle Schützenball, unser „Bayerischer Schwarz-Weiss-Ball für jedermann“, wird in 2020 leider nicht stattfinden. Auch der für September geplante 11. Inlinebiathlon wirft im Hinblick auf die Schließung des Gasthauses im Vorfeld viele organisatorische Fragen auf“, so Köpke. Und wo findet nun das Training statt? „Nach mehrmaligen Gesprächen mit den Vagener Kellerwirtschützen dürfen wir für unser kommendes Training ihre Schießanlage mitbenutzen.“
Andy Ramthun (54) von den Vagener Stammtischfreunden: „Mit der Schließung fällt ein Stück der bayerische Wirthauskultur. Unser Stammtisch löst sich auf, da kein Zusammenkommen im Dorfmittelpunkt mehr möglich ist“.