Bruckmühl – Antonia, Marinus, Quirin und Korbinian können es kaum erwarten. Nach der Morgenrunde ziehen sie sich ihre kuscheligen Wintersachen an und gehen hinaus in den Garten. Zuerst zu den Meerschweinchen und Hasen, dann zu den Eseln Susal und Peter, zu den Hühnern und schließlich zu den drei lustigen Ziegen. Die flitzen übermütig auf die Kinder zu, denn sie wissen, dass sie jeden Morgen frisches Futter vorbeibringen. So wie es sich in einem Bauernhofkindergarten eben gehört.
Jeden Tag
inmitten der Natur
Die 20 Kinder des Lindenbaums können sich aussuchen, ob sie lieber drin spielen oder zum Füttern gehen wollen. Immer mit dabei ist die dreijährige Antonia, denn: „Ich mag alle Tiere“, erzählt sie lachend. Nicht umsonst geht sie schließlich in den Bauernhofkindergarten, denn hier ist jeder Tag ein Erlebnis.
Annerose Ettenhuber (34), Inhaberin und Erzieherin zugleich, hat den Kindern gemeinsam mit ihrem Mann Georg (40) ein wahres Paradies geschaffen. Einen Garten mit Wasserspiel und Sandkasten, eine große Wiese zum Toben, Schaukeln, Baumhäuser, abenteuerliche Gänge und Verstecke in Hecken und natürlich die vielen Tiere in kleinen und großen Ställen. Auch einen Wald mit Hütte gibt es in der Nähe. „Bei uns sollen Kinder einfach Kind sein dürfen“, sagt Annerose Ettenhuber und plant schon wieder die nächste Überraschung: Eine Holzgalerie, die über Bullaugen viele neugierige Kinder in den Kälberstall linsen lässt.
Doch nicht nur im Außengelände wächst und gedeiht der Bauernhofkindergarten. Auch innen wird sich ab dem nächsten Sommer viel verändern. Das einstige Heulager wird ausgebaut. Hier entstehen auf zwei Etagen und einer Fläche von 150 Quadratmetern neue Räume für Kinder, Erzieherinnen und Therapeuten.
Der Rohbau soll größtenteils in der vierwöchigen Sommerpause fertig werden, damit die Bauarbeiten die Spielfreiheit der Kinder nicht einschränken. In den Monaten danach folgt der Innenausbau. Die Baukosten belaufen sich nach ersten Schätzungen auf etwa 400000 Euro. Die Marktgemeinde Bruckmühl bezuschusst das Projekt mit 100000 Euro, denn sie ist dankbar für zehn zusätzliche Kindergartenplätze und das einzigartige Konzept.
Im Sommer, spätestens aber im Herbst 2021 wird das neue Domizil fertig sein. Dann zieht der Bauernhofkindergarten aus dem Erdgeschoss in die beiden oberen Etagen und wird 30 Kindern – darunter auch Kinder mit Integrationsbedarf – Platz bieten.
Dann hat auch Familie Ettenhuber mit ihren drei Buben Korbinian (2), Jakob (5) und Benedikt (7) wieder ihr ganz privates Heim. Denn jetzt wuseln die 20 Kinder in allen Räumen des Hauses herum. Daran ist die Familie seit vielen Jahren gewöhnt, denn schon Annemarie Ettenhuber, Mutter von Georg und Kinderpflegerin, legte dafür den Grundstein. Sie fing mit Spielgruppen an. Dann kam Annerose in die Familie und das war „ein wahres Glück“, sagt Annemarie. Denn die Schwiegertochter teilte ihre Leidenschaft für Kinder und eine Betreuung, die sanft behütet, fördert, sich aus jedem pädagogischen Konzept das Beste aussucht und vor allem eng mit der Natur verbunden ist.
Erzieherin mit
Herz und Fantasie
2014 eröffnete Annerose den Bauernhofkindergarten. Heute gehören sechs Erzieherinnen, Kinderpflegerinnen und Heilpädagoginnen zum Team. Das Konzept des Bauernhofkindergartens „Lindenbaum“ kommt nicht nur bei den Knirpsen gut an. Auch die Eltern sind begeistert. Sie kommen zum Großteil aus der Marktgemeinde Bruckmühl, aber auch aus Bad Aibling, Feldkirchen-Westerham, Tuntenhausen und Irschenberg.
Georg Ettenhuber ist nicht nur der Landwirt im Hause, sondern gleichzeitig auch der Hausmeister. Und seine Frau ist Mutter, Erzieherin und Verwaltungsleiterin zugleich. Für ihr Engagement und ihre pädagogische Arbeit wurde sie von den Landfrauen bereits als „Jungunternehmerin des Jahres“ und als „Bäuerin des Jahres“ ausgezeichnet.
Auf dem Hof der Ettenhubers erhalten die Kinder einen echten Einblick in Biolandwirtschaft und wissen, woher die Lebensmittel kommen. Auf regelmäßigen Rundgängen beobachten die Kinder, wie sich die Tiere entwickeln und woher die Milch kommt. Dass man Strom aus der Sonne gewinnen kann, haben sie erfahren, als die Fotovoltaikanlage aufs Dach kam. Und jetzt staunen sie gerade, wie Bauer Georg eine Heizung mit Hackschnitzeln füttert.