Tuntenhausen – Seit gestern ist es offiziell. Der Landgasthof zur Post in Ostermünchen schließt Ende des Jahres seine Pforten. Heute findet im Biergarten noch ein letztes Mal der traditionelle Adventsmarkt statt. Auch ein paar Weihnachtsfeiern und ein Silvesteressen wird es noch geben. Doch dann ist Schluss. „Die Umsätze sind eingebrochen“, weiß Georg Weigl.
Gasthof gehört
der Gemeinde
Als Bürgermeister ist er auch für den Gasthof verantwortlich, denn die Gemeinde hat den Komplex vor ein paar Jahren von der Brauerei Maxlrain erworben. „Um die Traditionsgaststätte als Zentrum des Ortes und als Domizil für unsere Vereine zu erhalten“, erklärt Weigl die Entscheidung des Gemeinderates. Mit Silvana und Udo Sonnenberg fanden sich im Mai 2016 Pächter, die sich mit dem Landgasthof einen Traum erfüllten.
„Mein Mann hatte schon als Küchenchef in Ostfriesland gearbeitet und ein kleines Restaurant betrieben“, erzählt Silvana Sonnenberg. In der Wahlheimat Bayern suchte die Familie nun nach einem geeigneten Objekt für ihre Pläne. Als ihnen der Ostermünchener Gasthof angeboten wurde, glaubten sie sich am Ziel ihrer Träume: 100 Plätze im Gastraum, ein kleiner Saal für 50 Gäste, dazu ein großer Saal für etwa 170, ein Biergarten für 100 Leute, ein Spielplatz mit Streichelzoo für die Kinder, vier Fremdenzimmer und eine Pächterwohnung.
Ideale Voraussetzungen für eine traditionelle bayerische Dorfwirtschaft also. Das Konzept scheint aufzugehen. „Am Anfang hatten wir großen Zulauf, kamen die Vereine des Ortes, die Ostermünchener und viele Auswärtige zu uns“, erinnert sich die Wirtin. Doch dann werden auch die Sonnenbergs mit dem größten Problem der Gastronomie konfrontiert: Personalmangel. „Es ist unheimlich schwer, jemanden zu finden, der bereit ist, an den Wochenenden und Feiertagen zu arbeiten“, bedauert Sonnenberg. Also versucht die Familie, es allein und mit Freunden zu stemmen. Er als Küchenchef, der den Anspruch hat, alles frisch und selbst zuzubereiten. Zugleich ist er Hausmeister und Gärtner. Sie managt die Personalunion aus Restaurantleiterin, Kellnerin, Köchin, Bürokauffrau, Reinigungskraft, Zimmermädchen und Mutter von drei Kindern.
Ein Full-Time-Job ohne Pausen und ohne Freizeit. „Als Wirt schaut man nicht auf die Stunden, ist rund um die Uhr für seine Gäste da“, weiß sie. Doch schließlich sind es Bürokratie, steigende Auflagen und Steuern, die die Familie an ihre Belastungsgrenze bringen. Nach drei Jahren geben die Sonnenbergs auf.
„Wir haben es uns so sehr gewünscht, aber wir schaffen es nicht mehr“, sagt Silvana Sonnenberg. Sie ist traurig, dass der Traum geplatzt ist. Und auch traurig darüber, dass viele zufriedene Gäste nun enttäuscht sein werden.
Die Familie Sonnenberg fängt noch einmal ganz neu an: Udo als Koch im öffentlichen Dienst, sie als Bürokraft im Gesundheitswesen.
Neues Konzept für
Traditionswirtschaft
Was aber wird aus dem Landgasthof zur Post? „Ein neues, moderneres Konzept in Zusammenarbeit mit den Vereinen und viel familiärer Unterstützung könnte durchaus erfolgreich sein“, denkt Silvana Sonnenberg. Und dem verschließt sich auch der Bürgermeister nicht. „Ich bin grundsätzlich optimistisch und stehe neuen Konzepten offen gegenüber“, sagt Weigl.
Ab dem 1. Februar wird ein neuer Pächter gebraucht. Und letztlich werden es die Gemeinderäte sein, die entscheiden, welches Konzept sie sich für ihren Landgasthof in Ostermünchen vorstellen können. Dass er erhalten bleibt, ist auch für die Entwicklung der Vision „Ostermünchen neu gestalten“ von Bedeutung, denn der Gasthof soll das Herzstück des neu konzipierten Ortszentrums sein.