Wenn ein Wirtshaus stirbt

von Redaktion

Vor zwei Jahren hat der Landgasthof Schönau zugemacht. Die Besitzer denken nun über ein Wohnbauprojekt nach. Doch der Tuntenhausener Gemeinderat will auch in Zukunft einen Gasthof am Ort haben. Ein Blick auf ein Thema, das viele bewegt.

Schönau – Ein Landgasthof nach dem anderen macht in der Region zu. Und überall sind es die gleichen Gründe: Personalmangel, sinkende Umsätze, ständig neue Regelungen, die die Wirte knebeln, strenge Brandschutzauflagen für hochbetagte Traditionsgasthäuser und nicht zuletzt der Widerspruch zwischen dem kulinarischen Anspruch der Gäste und dem, was sie bereit sind, dafür zu zahlen. Die Schere zwischen finanziellem Aufwand und Einnahmen geht immer weiter auseinander.

2012: Gasthof um
jeden Preis erhalten

Selbst unter größten persönlichen Anstrengungen und dem kompletten Verzicht auf ein Privatleben außerhalb der Gastwirtschaft ist eine Wirtschaftlichkeit kaum mehr zu erreichen. Das waren auch die Gründe, die Heike und Josef Feichtner, die Wirtsleute vom Landgasthof Schönau, 2017 in die Knie zwangen.

Ein Blick zurück: Im Jahr 2012 lehnte der Gemeinderat den Antrag des damaligen Besitzers des Gasthauses zum Abbruch des Landgasthofes Schönau sowie den Neubau eines Doppelhauses und zweier Einfamilienhäuser mit Einliegerwohnung, Garagen und Stellplätzen auf dem Grundstück ab. Danach gab es Pläne, das Anwesen zu einem Asylbewerberheim umzubauen.

Damals wurden die Feichtners gefragt, ob nicht sie den Landgasthof erhalten könnten. Sie wagten die Herausforderung! „Weil auch wir wollten, dass es diesen traditionsreichen Gasthof weiterhin gibt. Und es war nie unser Ziel, das Gebäude zu erwerben, um es dann anderweitig zu nutzen“, sagt Josef Feichtner. 2012 kaufen sie das Objekt, investieren in neue Fenster, eine Pelletheizung, ließen die Holztäfelungen und Wandmalereien originalgetreu restaurieren. Und sie machten auch privat einen Cut: Er lässt sich von der Berufsfeuerwehr beurlauben, sie reduziert die Stunden im Büro, um ab Juli 2013 mit voller Kraft den Landgasthof wiederzubeleben. Doch nach vier Jahren ziehen sie die Reißleine, schließen den Gasthof und kehren in ihre Berufe zurück.

Pächter sind einfach
nicht zu finden

Zwei Jahre später sieht der Gasthof noch genauso schön aus wie damals. Alles ist gepflegt – so als würden die Wirtsleute jeden Moment die Türen öffnen und ihre Gäste hereinbitten. Ab und an öffnen die Feichtners den Gasthof noch für private Veranstaltungen, nutzen Vereine den Saal, finden Beerdigungen statt oder werden Catering und Smoker gebucht. Doch auch das kann nur eine Übergangslösung sein.

„Wir haben intensiv Pächter gesucht, die den Gasthof weiterführen könnten“, sagt Josef Feichtner. Da in Schönau kein Bierzwang besteht, hatten sie die Hoffnung, dass sich Brauereien interessieren könnten. Doch die haben das Gasthofsterben vorausgesehen. „Wir haben früh erkannt, dass Gasthöfe, die nicht eigentümergeführt sind, kaum mehr eine Überlebenschance haben“, sagt Roland Bräger, Direktor in Maxlrain. So verkaufte die Schlossbrauerei schon vor Jahren neun ihrer einstigen Gasthöfe.

Auch für Schönau findet sich kein neuer Pächter. „Drei Interessenten kamen. Sie wollten alles rausreißen und dem Gasthof ein griechisches oder chinesisches Ambiente geben“, erinnert sich Feichtner. Doch auch diese Pläne zerbarsten.

Ganze Kraft steckt
in der Wirtschaft

Mit großem Aufwand erhalten die Feichtners das Gebäude, pflegen die Außenanlagen und beheizen den riesigen Gasthof, damit nichts kaputtgeht. Und dafür zahlen sie noch immer einen hohen Preis. „Es ist ein aufwendiges und vor allem teures Hobby“, sagt Heike Feichtner. Allein die Unterhaltungskosten belaufen sich auf etwa 1000 Euro im Monat. Ungezählt sind die Stunden, in denen sie den Gasthof und die Außenanlagen pflegen. Doch er prägt Schönau. Und so soll es auch bleiben.

Doch wie kann es weitergehen? Im benachbarten Ostermünchen hat die Gemeinde den Gasthof erworben, um den Vereinen eine Heimstatt zu geben. Wäre das auch in Schönau denkbar? „Auf keinen Fall“, erklärt der Georg Weigl, Bürgermeister der Gemeinde Tuntenhausen, „denn in Schönau haben die Vereine schon das Alte Schulhaus und die Mehrzweckhalle“.

Suche nach einer
Lösung mit Zukunft

Eine Anfrage der Feichtners auf Änderung des Bebauungsplanes, um aus dem Gasthof ein Wohnhaus zu machen, wurde vom Gemeinderat in Tuntenhausen abgelehnt. In Schönau gibt es schon keinen Metzger und keinen Kramer mehr, so der Tenor. Wenigstens der Gasthof solle erhalten bleiben. Doch auf wessen Kosten? Die ehemaligen Wirtsleute und Besitzer des Anwesens müssen für den Landgasthof Schönau eine Lösung finden. Also wollen sie noch einmal investieren. Denn sie müssen das Gebäude abreißen, um die Brandschutzauflagen erfüllen zu können. Sie wollen den Landgasthof wieder aufbauen – mit dem gleichen Außenbild, das er heute hat. Allerdings mit Wohnungen, Tiefgarage und einer Gaststätte – im gleichen urigen Stil, wie ihn der Gasthof heute hat, aber wesentlich kleiner. Sie hoffen, dass sie ein tragfähiges Konzept finden, dem der Gemeinderat zustimmt. Denn irgendeine Lösung muss es geben!

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