Auf a letztes Stückerl Kas

von Redaktion

Wieder geht ein Stück kulinarische Tradition in der Innenstadt verloren. Am morgigen Freitag schließt Peter Berghammer nach 21 Jahren sein „Aiblinger Käsehaus“ am Marienplatz.

Bad Aibling – Egal ob für Raclette, Käsefondue, ob für Kasspatzen oder Kaspressknödel oder andere Rezepte– beim Berghammer Peter hat man alles bekommen, inklusive einer kleinen Käsekunde, Tipps und Ratschlägen. Doch ab morgen ist das Geschichte: Am Abend wird der 73-Jährige die Tür zu seinem Geschäft zum letzten Mal zusperren.

„Es gibt niemanden
für die Nachfolge.“

„Mei, im Januar werd‘ ich 74, meine Frau lebt nicht mehr, und es gibt niemanden, der hier meine Nachfolge übernimmt“, sagt der künftige Ruheständler, Vater zweier Töchter und Großvater von vier Enkelkindern.

Der Laden ist zwischenzeitlich verkauft. Die letzten Wochen und Tage war Berghammer mit dem Räumungsverkauf beschäftigt. Vorbestellungen abarbeiten und Käse vakuumieren, zusammenräumen, mit den Stammkunden auf einen letzten Ratsch zusammenstehen und ansonsten einfach dem Tagesgeschäft nachgehen wie immer in den vergangenen 21 Jahren.

Vermissen wird er das alles schon. Ein gutes halbes Jahrhundert seines Lebens hat Peter Berghammer dem Käse gewidmet. Dabei hat er eigentlich Industriekaufmann gelernt. Doch schnell sattelte er im wahrsten Sinne des Wortes um, war zunächst als Fahrer eines Rosenheimer Unternehmens und dann beim Camembertwerk in München im Außendienst tätig. Und kam dabei auf den Geschmack – nicht nur was den Käse anbelangt, sondern auch seine weiteren beruflichen Stationen als Selbstständiger.

„Bis 1997 war ich mit den Wägen auf Märkten unterwegs. 1998 haben wir dann hier in Bad Aibling unser Käsehaus aufgemacht“, erzählt der Rohrdorfer. Schnell machte er sich einen Namen mit seinen Käsespezialitäten und Feinkost. Schweiz, Österreich, Südtirol, Holland, Frankreich – in viele Länder hat er Kontakte. Zu jeder Sorte weiß er etwas zu erzählen, ob heimischer Bergkäse, Herrmannsdorfer Bioprodukte, französischer Crottin, Schweizer Greyerzer, spanischer Manchego, italienischer Taleggio – er kennt sie alle.

Qualität, Auswahl und Berghammers Wissen – genau das war es, was die Kunden bei ihm gesucht und gefunden haben. „Ich brauche für eine Feier eine schöne Käseplatte, was würden Sie empfehlen?“ Ein paar Fragen zur Anzahl der Gäste und zu anderen Speisen – Berghammer legte los – und lobende Worte waren dem Gastgeber am Ende seiner Einladung so gut wie sicher.

Alles, was zum Käse passt, bekam man bei Berghammer gleich mit dazu: frisches Brot, Geräuchertes, Eingelegtes, Wurstwaren, Knabbereien, Wein, Bier, verschiedene Senfsorten und, und, und. Geschenkkörbe gab es in sämtlichen Formen und Größen. Doch jetzt sind die Regale leer.

Mit mindestens einem weinenden Auge wird er gehen nach so langen Jahren. „Aber es wird Zeit, kürzer zu treten“, sagt der 73-Jährige mit Blick zurück auf ein langes Berufsleben. Und ein lachendes Auge ist ja dann auch dabei. Die Familie freut sich auf den Opa, der jetzt mehr Zeit hat für die Enkelkinder. „Und ich kann meine Tochter und meinen Schwiegersohn auch ein bissl entlasten daheim.“

Die Kunden bedauern die Schließung sehr. „Aber alle sagen: Recht hast‘“, meint Berghammer. Seiner Passion, dem Käse, wird er treu bleiben. „Ich hab‘ ja meine Kasereien im Allgäu, die ich seit 50 Jahren kenne.“ Und so wird er es auch genießen, bei einem schönen würzigen Kas und einem Stückerl Geräucherten mal rasten zu können. „Dazu a Achterl Roten – und alles passt“, schmunzelt der rüstige Senior. Was für eine Nachfolgenutzung in den Räumlichkeiten geplant ist, weiß der 73-Jährige nicht. „Umgebaut wird, und es wird wahrscheinlich ganz was anderes hier rein kommen.“

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