Bad Aibling – Fokus geht, das BRK kommt: Am kommenden Freitag übergibt der Verein Fokus Familiennetzwerk die Trägerschaft für die offene Jugendarbeit (seit 2003) und den Jugendtreff „Mosaik“ (seit 2011) an die Stadt Bad Aibling. Neuer Träger wird zum 1. Januar der BRK-Kreisverband Rosenheim, der die beliebte Einrichtung an der Westendstraße am 7. Januar wieder öffnen will. Mit diesem Wechsel gehen nun auch seit Längerem hinter den Kulissen andauernde Diskussionen zu Ende, der nicht nur zufriedene Gesichter hinterlässt. Während sich Stadt und neuer Träger auf die Zusammenarbeit und neue Projekte freuen, hat die Enttäuschung beim Vorstand des Familiennetzwerks Fokus Spuren hinterlassen.
„Aus heiterem
Himmel erwischt“
„Die Kündigung des Vertrags im März hat uns aus heiterem Himmel erwischt“, sagte Vorsitzende Sandra Schönberger schon damals bei Bekanntwerden der Entscheidung. Es habe zwar Unstimmigkeiten zwischen Angestellten des Jugendtreffs und dem Verein Fokus als Arbeitgeber gegeben, aber dass man von Seiten der Stadt mehr oder weniger vor vollendete Tatsachen gestellt worden sei, könne man nicht verstehen. Man habe sich seither „total alleingelassen gefühlt“. Nie habe es die Möglichkeit gegeben, die Sicht des Vereins offiziell darzustellen.
Bürgermeister Felix Schwaller (CSU) sagt: „Interne Gespräche mit den Beteiligten gab es aber genug. Daraus ging schon hervor, dass eine weitere Zusammenarbeit unter den herrschenden Voraussetzungen wohl schwierig sein würde.“ Dies sei auch die Einschätzung hinzugezogener Mitarbeiter des Kreisjugendamtes gewesen, die für das Gremium eine wichtige Rolle gespielt habe (wir berichteten).
„Letzen Endes stand man vor der Frage, ob man sich von den Angestellten des Mosaik trennt oder vom Träger. Die Meinung dazu war im Stadtrat in nichtöffentlicher Sitzung sehr deutlich“, verteidigt Schwaller die Entscheidung des Gremiums für den Trägerwechsel. Unbestritten leiste Fokus großartige Arbeit in der Kinderbetreuung von der Krippe bis zum Hort sowie in der Mittagsbetreuung, würdigt er die Verdienste des Vereins. „Aber in der Jugendbetreuung gibt es wieder ganz andere Aufgabenstellungen und es schadet nach all den Jahren vielleicht auch nicht, wenn der Jugendtreff eine neue Führung bekommt.“
Ähnlich sieht das Jugendreferentin Irmengard Ranner-Sobihard (ÜWG). Ihr wirft Fokus vor, zu keinem Zeitpunkt mehr das Gespräch mit dem Träger gesucht oder diesen unterstützt zu haben, vor allem auch, als ab Sommer die Vorstandsmitglieder wegen Personalengpasses ehrenamtlich dafür gesorgt hatten, dass der Jugendtreff überhaupt geöffnet bleiben konnte.
Von zu tiefen
Gräben ist die Rede
„Vor der entscheidenden Sitzung hat es durchaus Gespräche mit den Beteiligten gegeben. Aber auch da war schon erkennbar, dass die Gräben wohl einfach zu tief waren“, sagt die Jugendreferentin. Danach habe sie keine Notwendigkeit mehr gesehen, zumal auch relativ bald eine vorzeitige Übergabe des Jugendtreffs – also vor dem offiziellen Vertragsablauf Ende dieses Jahres – im Raum stand. „Für diese vorzeitige Übergabe haben wir der Stadt sehr bald schon mehrere Termine angeboten, doch bis zum 24. Juli blieb alles unbeantwortet“, moniert Schönberger. Letztlich habe sich der Termin immer weiter nach hinten verschoben. „So schnell ging das nicht mit dem neuen Träger und den Modalitäten und letztlich galt es auch, sich über das Inventar zu einigen“, meint dazu der Bürgermeister. Doch nun sei alles in trockenen Tüchern, sodass die Übergabe am Freitag erfolgen könne. Fokus will laut Schönberger seine Kinder- und Jugendarbeit im Verein fortführen und hat Projekte im Visier, etwa die beliebte Roboterwerkstatt oder die Eisdisco (Bericht folgt).