Betagte Weihnachtsschätze

von Redaktion

Restaurator Andi Mittermüller hat gerade alle Hände voll zu tun, denn viele Leute haben ihm ihre betagten Weihnachtsschätze gebracht, damit er sie noch rechtzeitig vor dem Fest herrichtet. Ein Blick in seine Werkstatt in Heufeld zeigt, was den Menschen am Herzen liegt.

Bruckmühl – Vergraut, staubig und leicht schimmelig waren die Krippenfiguren, als sie in der Werkstatt von Restaurator Andi Mittermüller in Heufeld ankamen. Die feine Schnitzkunst allerdings schimmerte auch durch die natürliche „Patina“ noch hindurch. „Man kann aus den Objekten lesen, was damit passiert sein könnte“, meint Mittermüller. Und diese hölzernen Weihnachtsboten könnten wohl ein paar Jahre in einem Keller zugebracht haben, ehe sie wiederentdeckt wurden, vermutet er.

Objekte von hohem
ideellem Wert

„Oft stecken hinter solchen Funden auch Geschichten, die keiner mehr kennt. Und so haben diese Objekte ganz unabhängig von ihrem historischen vor allem einen hohen moralischen Wert für ihre Besitzer“, erklärt er.

Als Schreiner versteht Mittermüller das Holz und dessen Leben, als staatlich geprüfter Restaurator weiß er um alte Techniken und Materialien, um diese Schätze dauerhaft zu erhalten. Er mischt härtende Öle, kennt Haut-, Knochen- oder Hasenleime, Farben aus Pigmenten, Mineralien oder geriebenen Erden. Auch Maria und Josef, dem Christuskind in der Krippe, den Hirten sowie Ochs und Esel hat Mittermüller wieder zu einstiger Schönheit verholfen. Doch bis dahin waren es viele vorsichtige Schritte.

Zuerst einmal musste er die Zeichen der Zeit entfernen. „Mit einem festen Pinsel wird Spiritus aufgetragen und vorsichtig in die Tiefen gerieben, um Schmutzpartikel und Wachs zu lösen“, beschreibt er. Schließlich kam das feine Birnbaumholz wieder zum Vorschein und wurde mit einer Mischung aus härtenden Ölen geschützt. Dann geht es für die Krippenfiguren zurück in den alten Karton, in dem sie sorgsam in Papier gebettet werden.

Und pünktlich zum Fest bringen sie nun festliche Stimmung in eine Bruckmühler Stube.

Vom Wurmfraß gezeichnet ist eine Immaculata – eine Mariendarstellung mit Mond, Weltkugel und Schlange. Das Besondere an ihr: Sie trägt ein Geheimfach im Bauch. „Vielleicht ist es aber auch nur ein Ast, der an dieser Stelle ausgewechselt wurde“, dämpft Mittermüller aufkommende Neugier und ergänzt schmunzelnd: „Alte Möbel haben manchmal Geheimfächer, aber auch da sind meist keine wirklichen Schätze drin.“

Vermutlich aus dem 17. Jahrhundert stammt eine Mariendarstellung, die der Restaurator aufwendig auf ihre ursprüngliche Farbgebung untersucht. Behutsam kratzt er mehrere Farbschichten herunter, ehe das Geheimnis gelüftet ist: „In der ältesten Fassung war ihr Kleid rot, das wallende Gewand von dunklem Blau und seine Innenseite ebenfalls blau und nicht gelb.“

Zeugen der
Weihnachtsgeschichte

Alles, was kaputt ist, bekommt bei Andi Mittermüller ein zweite Chance. Und jedes Stück verlässt seine Werkstatt in einem besseren Zustand, als es vorher war. „Das ist das Schöne an meiner Arbeit.“ Vor dem Fest will er auch Maria mit dem Jesuskind noch restaurieren. An der 80 Zentimeter hohen Statue hatte der Zahn der Zeit besonders genagt. Ihr Arm war gebrochen, das silberne Gewand löchrig geworden. „Materialverluste werden mit einer feinen Kittmasse aus Leim und Füllstoffen ausgebessert, die Schadstellen in der Bemalung mit Kreide grundiert“, erklärt er.

Um die Farbe genau zu treffen, testet Mittermüller an einer Musterfläche, mit welcher Mischung er das historische Silber und den Lüster – einen speziellen Glanz – am besten trifft. Und schließlich bekommt Maria noch Krone und Zepter zurück. Auch diese Marienstatue wird das hohe Fest einer Familie verschönern und auf ganz besondere Weise an die Weihnachtsgeschichte erinnern.

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