Westphal siegt bei Kampfabstimmung

von Redaktion

Von Turbulenzen geprägt war die Jahreshauptversammlung des TuS Bad Aibling. Unter anderem kam es zu einer Kampfabstimmung bei der Wahl um den Vorsitz. Hier setzte sich Alexander Westphal gegen die bisherige Vorsitzende Evi Jahnke durch.

Bad Aibling – Vor über 240 Versammelten ging es hoch her bei der Jahreshauptversammlung des TuS im Gasthaus Kriechbaumer. Evi Jahnke, die dem Verein seit rund fünf Jahren vorstand, unterlag bei der Abstimmung dem ebenfalls kandidierenden früheren Vorsitzenden Alexander Westphal mit 52:170 Stimmen.

Emotionale
Debatten

Emotional hatten die Mitglieder im Laufe des Abends über die Berichte des Vorstands debattiert, wobei es unter anderem auch um die Kassenlage des Vereins ging. Da allerdings die Kassierin erkrankt war, konnten einige Fragen nicht abschließend beantwortet werden.

Letztlich kam es zu einem bei Jahreshauptversammlungen sehr seltenen Ereignis: Die Mehrheit der versammelten Mitglieder – 121 von 224 Abstimmenden – versagte der Vorstandschaft die Entlastung. 36 enthielten sich und 67 stimmten für eine Entlastung.

Auch eine geplante Satzungsänderung und Anträge wurden von der Tagesordnung genommen. „Es wurde deutlich, dass bei der umfangreichen Satzungsänderung, bei der es auch um eine deutliche Verschiebung der Machtverhältnisse in der Vorstandschaft ging, noch Fragen offen waren. Sie sollte auch noch durch Dritte geprüft werden“, sagte der neue Vorsitzende gegenüber unserer Zeitung.

Absolut nicht nachvollziehen können die bisherige Vorsitzende Evi Jahnke und ihr Stellvertreter Denis Weisser (er hatte sich nicht mehr zur Wahl gestellt), dass die Entlastung verweigert wurde. „In meinen Augen war das ein abgekartetes Spiel dreier Sparten, die gegen die Entlastung gestimmt haben“, sagt Jahnke gegenüber unserer Zeitung.

Auch Weisser betont: „Es wurden keinerlei fachliche Gründe genannt, weswegen die Vorstandschaft nicht entlastet wurde. Die Kasse wurde sowohl intern als auch wegen der Insolvenz der On-Fire-Spielbetriebsgesellschaft durch das Finanzamt geprüft und für in Ordnung befunden.“

Die On-Fire-Spielbetriebsgesellschaft, an die der TuS die Bundesliga-Lizenz für die Basketball-Damenmannschaft verpachtet hatte, hatte im Dezember 2018 Insolvenz angemeldet (wir berichteten). Zu den Gläubigern zählt auch der TuS, bei dem noch Forderungen offen waren und der laut Jahnke die Rechnungen an die zuständigen Stellen weitergeleitet hatte.

Jahnke erklärte gegenüber unserer Zeitung, dass das Insolvenzverfahren noch laufe. Aber die Betriebsprüfung habe man eigens noch abgewartet, bevor man die Jahreshauptversammlung einberief. „Die Prüfung ergab, dass wir alles richtig gemacht und um jeden Cent gekämpft haben. Gerade für die Sparte Basketball haben wir uns krumm gelegt in den vergangenen Jahren.“ Umso mehr treffe sie, dass man nun in Sachen Entlastung in der Luft hänge.

„Gemeinsam mit einer sehr guten Steuerberaterin haben wir für den TuS gekämpft, bis zur gesundheitlichen Belastungsgrenze. Wir haben uns eingesetzt, gerade als eben Alexander Westphal vor fünf Jahren hingeschmissen hat. Umso bitterer ist jetzt dieses Ergebnis.“ Man habe nun anwaltlichen Beistand geholt und werde auch um die Entlastung kämpfen, kündigte Jahnke an.

„Meine Zielsetzung ist es, dass es schnellstmöglich zu einer Entlastung kommt“, betonte auch Westphal auf Nachfrage. Frühestens werde das bei der nächsten Versammlung der Fall sein, die im ersten Halbjahr 2020 stattfinden soll.

In seiner kurzen Bewerbungsrede habe er bei der jüngsten Versammlung ein klares und eindeutiges Bekenntnis zum Gesamtverein „ohne die Bevorzugung einzelner Abteilungen“ gegeben, bekräftigt er. Insbesondere die enge Zusammenarbeit mit der Stadt Bad Aibling im Zusammenhang mit deren Sportstättenentwicklung sowie die Verbesserung der vereinsinternen Kommunikation seien die großen Herausforderungen einer neuen Amtszeit.

Zum weiteren Vorstandsmitglied wurde Karin Kunze berufen, die dem TuS seit langen Jahren in verschiedenen Ehrenämtern und Vorstandsposten eng verbunden ist. Neu wurde als Kassiererin Maria Hanika gewählt, die von Christa Widhammer und Simone Herrlich als Kassenprüferinnen kontrolliert werden wird.

„Hausaufgaben zeitnah erledigen“

Mit einer Dankesrede des neuen Vorsitzenden und dem von Applaus begleiteten Versprechen, die anstehenden „Hausaufgaben fristgerecht und damit zeitnah erledigen“ zu wollen, endete die Mitgliederversammlung nach fast vier Stunden.

Im Laufe des Abends waren auch langjährige und verdiente Mitglieder des TuS geehrt worden.

Eine besondere Würdigung mit Laudatio von seiner Schwiegertochter Karin Kunze erfuhr angesichts seiner über 70-jährigen Mitgliedschaft Sportkamerad Josef Riedl, der auch im hohen Alter von 88 Jahren immer noch erfolgreich an Wettkämpfen teilnimmt und als großes Vorbild der Leichtathleten seit Jahrzehnten gilt. re/el

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