Gefahr durch Eichenprozessionsspinner

von Redaktion

Stadt stellt Warnschilder auf – Spezialfirma soll Nester entfernen

Bad Aibling – Seine aktive Zeit ist noch nicht gekommen, und doch sorgt der Eichenprozessionsspinner – oder besser gesagt das, was vom letzten Jahr noch von dem Schädling übrig ist – im Außenbereich von Bad Aibling gerade für Wirbel. Zumindest für so viel, dass die Stadt jetzt Warnschilder im Bereich von Berbling/Willing aufgestellt hat.

Spaziergänger
beunruhigt

Dort hatten Spaziergänger, die mit Hunden unterwegs waren, seltsame Gebilde am Wegesrand entdeckt. Ein Blick ins Internet zeigte: Es handelt sich um alte Nester des Eichenprozessionsspinners, zum Teil noch mit Gespinsten. „Wir haben gleich beim Bauhof angerufen und Bescheid gesagt, denn es wird ja gewarnt, damit in Berührung zu kommen. Doch passiert ist über Wochen gar nichts“, sagt Susanne Gerke gegenüber unserer Zeitung.

Das weist Bauhofleiter Peter Stefan vehement zurück: „Wir sind sehr wohl rausgefahren und haben die alten Gespinste entdeckt. Sie können immer noch allergen sein und sollten nicht ungeschützt angefasst werden. Deshalb haben wir uns mit einer Spezialfirma in Verbindung gesetzt, die sie entfernen sollte. Doch der dann einsetzende Sturm hat sie offensichtlich weggeblasen, es war nichts mehr zu sehen.“

Vorgaben des
Umweltbundesamts

„Stimmt nicht, sie waren noch da“, sagen Spaziergänger. „Wir haben noch mehrfach angerufen, auch beim Landratsamt beim Kreisfachberater, doch dort bekamen wir nur zu hören, das sei alles gar nicht so schlimm oder so gefährlich.“ Verharmlost oder abgewiegelt worden sei da gar nichts, betont hingegen ein Sprecher des Landratsamtes auf Nachfrage. „Es gibt Vorgaben des Umweltbundesamtes, dass beim Auftreten von Nestern nur eingegriffen wird, wenn es um sensible Bereiche, also etwa Kindergärten, Schulen, Badeplätze oder Ähnliches geht. In freier Natur bleiben sie unberührt, beziehungsweise ist immer der Besitzer des Grundstücks dafür zuständig.“ Im Moment könne es ohnehin keine „aktiven Nester“ geben. Bei einem alten Nest sei „die Giftigkeit der Härchen nicht hoch“. Es könne mit Handschuhen gepackt und in einer Plastiktüte im Hausmüll entsorgt werden.

Doch so locker nimmt es Andreas Arnold vom städtischen Bauhof nicht. Er war in diesen Tagen noch einmal vor Ort, hat die Gegend abgesucht und einen Teil der Nester vom Boden vorsichtig entfernt. Zugleich wurden Schilder mit der Aufschrift „Vorsicht! Eichenprozessionsspinner. Raupen/Gespinste/Nester nicht berühren. Hunde bitte an die Leine. Allergiegefahr“ aufgestellt. Die Spezialfirma wird laut Arnold in den kommenden Tagen vor Ort sein und noch vorhandene Nester entfernen.

Kein Verständnis
für Behörden

Susanne Gerke und ihre Bekannten gehen mit ihren Hunden indes nicht mehr im Bereich des Pumpenhäuschens zwischen Willing und Berbling spazieren – und verstehen die Aussagen der Behörden nicht: „So harmlos ist das nicht, sonst müsste man auch keine Spezialfirma beauftragen.“

Das sagt das Bundesumweltamt

Laut Bundesumweltamt „können die Brennhaare der Raupen des Eichenprozessionsspinners möglicherweise zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen. Ursache ist das Nesselgift Thaumetoporin auf den Härchen der Larven. Dabei geht nicht nur von frischen Brennhaaren ein Risiko aus, eventuell können auch die Brennhaare, die die Raupen in den Gespinstnestern zurücklassen, Reaktionen hervorrufen. Studien über die Dauer, wie lange Brennhaare wirken können, stehen noch aus. Die Auswirkungen eines Kontaktes mit den Brennhaaren der Raupen können eine sogenannte Raupendermatitis, ein Hautauschlag, oder eine Bindehautentzündung sein. Auch Atemwegsreizungen, Schwindelgefühl oder Fieber können die Symptome eines Kontaktes mit den Brennhaaren sein.“

Das Umweltbundesamt empfiehlt, betroffene Gebiete mit befallenen Bäumen in den entsprechenden Zeiträumen so weit wie möglich zu meiden.

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