Tuntenhausen – Es kommt frischer Wind in den Tuntenhausener Gemeinderat. Mit der Liste 83104 und der Unabhängigen Liste Tuntenhausen haben es zwei neue Gruppierungen ins Gremium geschafft. Neun Gemeinderäte sind neu. Und auch die Frauen haben zugelegt. Ab Mai ist ein Fünftel des Gemeinderates weiblich.
„Die Auffrischung tut dem Gemeinderat gut“, ist Bürgermeister Georg Weigl zufrieden. „Die Wähler haben den neuen Listen eine Chance gegeben. Sie suchen sich ihre Kandidaten nach der Persönlichkeit aus.“ In Tuntenhausen habe es noch nie Mehrheiten gegeben. „Hier gibt es keinen Fraktionszwang, hier wird nach bestem Wissen und Gewissen entschieden. Und das ist auch gut so.“ Die CSU/FWG hat einen Sitz verloren und mit Andreas Gigglinger und Markus Hauser zwei neue Mitstreiter gewonnen. „Selbstständige Handwerker, die ihre unternehmerische Kompetenz einbringen können“, so Weigl.
Zweitstärkste Gruppe mit drei Sitzen im Parlament ist die UW Ostermünchen. Stefan Hofbauer und Maria Breuer werden künftig von der jungen Ärztin Dr. Anna Fernández Diarte unterstützt, die auf Anhieb 1001 Stimmen erhielt. „Ich war verblüfft“, sagt Maria Breuer. „Nicht nur darüber, dass trotz des Coronavirus so viele zur Wahl gegangen sind, sondern auch darüber, dass wir nun eine vierte Frau im Parlament haben.“ In der jetzigen Krisen-Situation die Gemeinderatswahl zu kommentieren, fiel Breuer gestern sehr schwer: „Ich bin besorgt um die kleinen und mittelständischen Unternehmen in unserer Region. Nach so kurzer Zeit sind die ersten schon in Existenzschwierigkeiten“, macht sie auf die dramatische Situation in der Gemeinde aufmerksam.
Auf ein paar Frauen mehr im Gemeinderat hatte Theresia Englhart gehofft. Die Frauenliste hat wieder zwei Sitze im Parlament errungen und mit 5899 Stimmen immerhin 916 mehr als noch 2014 erhalten.
„Für uns ist es sehr gut gelaufen“, ist sie zufrieden. Dass über die UW Ostermünchen eine weitere Frau dazugestoßen ist, freut sie. Ihre eigenen 1618 Stimmen wertet Englhart als persönlichen Erfolg. Nach Franz Reisl (CSU/FWG) mit 2142 Stimmen und Johann Stürzer (CSU/FWG) mit 1983 Stimmen erzielte sie damit das drittbeste Ergebnis und ist ermutigt, nun das Amt der Dritten Bürgermeisterin anzustreben. Die Frauenliste will sich in der neuen Legislaturperiode für mehr Transparenz durch ein offenes Ratsinformationssystem einsetzen. Zudem will Englhart dafür eintreten, dass die finanziell gut aufgestellte Gemeinde mehr Geld für Kinder, Jugendliche, Senioren und behinderte Menschen ausgibt. „Zudem bin ich eine strikte Gegnerin des Flächenfraßes. Statt auszuufern sollten wir innerorts nachverdichten.“ Sie hofft künftig auch auf die Unterstützung der neuen Gemeinderäte.
Mit zwei Sitzen hat es die Unabhängige Liste Tuntenhausen in den Gemeinderat geschafft. Christian Birmoser und Bernhard Kleinmaier wollen die Interessen der Tuntenhausener angemessen vertreten. „Ich freue mich, denn die Arbeit als Gemeinderat ist mir ein großes Anliegen. Ich möchte an einer positiven Entwicklung der Gemeinde konstruktiv mitwirken“, betont Birmoser. Dabei gehe es ihm unter anderem um eine bürgernahe und transparente Kommunalpolitik sowie eine sinn- und maßvolle Baulandentwicklung. „Wir streben ein gesundes Wachstum unseres Ortes und schlüssige Konzepte für die verträgliche Anbindung neuer Wohngebiete an“, ergänzt Kleinmaier. Stolz sind die Tuntenhausener – vor allem Johannes Ehberger als Initiator der ULT – darauf, dass sie es nach Jahren geschafft haben, eine Liste für Tuntenhausen aufzustellen und auf Anhieb in den Gemeinderat gewählt wurden.
Martin John wiederum war es, der maßgeblichen Anteil am Entstehen der Liste 83104 hatte. „Ich habe auf drei Sitze gehofft, aber dafür sind die Ortslisten einfach zu stark. Doch zwei Sitze im Gemeinderat sind erst einmal eine gute Basis für unsere kommunale Arbeit. In sechs Jahren sehen wir weiter.“ Die Spitzenkandidaten der 83104-ler, Marcus Straßer und Herbert Prechtl, haben es in den Gemeinderat geschafft. „Wir werden öffentliche Fraktionsarbeit machen, um unsere beiden Gemeinderäte zu unterstützen und die Menschen mitzunehmen“, kündigt John an.
Zwei neue Listen mit vier Sitzen bedeuten zugleich, dass bei anderen Gruppierungen die Plätze fehlen. So auch bei der WG Hohenthann. Josef Bodmaier sieht es demokratisch: „Wir haben im Gemeinderat bisher alles sehr einvernehmlich geklärt. Es ist schon lange nicht mehr so, dass jeder Ort sein eigenes Süppchen kocht. Wir sind ein politisches Gesamtgefüge, in dem wir uns gemeinsam bewegen.“ In Hohenthann liegt der Schwerpunkt gerade in der Gestaltung und zeitlichen Realisierung von Baugebieten. „Ich bin optimistisch, dass wir das gut auf die Reihe kriegen.“
Einen Sitz eingebüßt haben auch die Parteifreien aus Schönau. „Ja, ich bin enttäuscht, habe es aufgrund der neuen Listen aber fast vermutet“, gibt Josef Friesinger zu, der seine zweite Legislaturperiode antritt. Auch in Zukunft will er sich für die Stärkung der Vereine und deren Jugendarbeit sowie für eine Umgehungsstraße für Schönau engagieren. „Zudem ist mir wichtig, dass junge Familien in ihrer Heimat bleiben können und wir Bauland für Einheimische ausweisen.“
Mit zwei Plätzen sind die Beyhartinger im Rat vertreten, obwohl auch sie sich eigentlich mehr erhofft hatten. „Wenigstens drei“, sagt Dionys Schweiger junior. Trotzdem ist er zufrieden. „Wir sind die drittstärkste Kraft und werden die vernünftige Entwicklung unserer Gemeinde voranbringen.“ Beyhartinger Themen sind momentan die Entwicklung der Flächen am Wirt und der Raiffeisenbank sowie ein neues Domizil für den Vereinstadl. „In unserem neu gegründeten Ortsvereine werden die Interessen aller Verein gebündelt. Und wir vertreten sie im Gemeinderat“, so Schweiger.