Bad Aibling – „Ein tolles Ergebnis“, freute sich Martina Thalmayr von den Grünen über das Abschneiden ihrer Partei bei den Stadtratswahlen. Die Messlatte habe man auf „5 plus 1“ gelegt, sechs Sitze sind es geworden, drei mehr als bislang. „Und das steht uns gut zu Gesicht“, findet die Grünen-Politikerin. Es könnte noch ein Sitz hinzukommen – wenn sie selbst die Stichwahl in zwei Wochen gewinnt.
Kein „Weiter so“
für die Grünen
Dass ein Teil des Erfolges auf die bundespolitische Großwetterlage zurückzuführen sei, räumt sie ein, doch komme das gute Aiblinger Ergebnis auch „nicht aus dem luftleeren Raum“. „Wir haben viel getan. Viele Bürger sind unzufrieden, beispielsweise mit der Art und Weise, wie gebaut wird, wie Flächen versiegelt werden und vieles mehr. Für uns ist klar: Ein ,Weiter so‘ kann es nicht geben.“ Hier wolle man sich mit voller Kraft einsetzen, über Parteigrenzen hinweg.
CSU: Sind trotzdem
stärkste Partei
Trotz des Verlustes eines der bisherigen zehn Mandate zeigt sich auch CSU-Ortsvorsitzender Thomas Geppert zufrieden mit dem Ergebnis seiner Partei. „Entgegen allen Trends im Lande sind wir trotzdem die stärkste Kraft. Und das angesichts dieser noch nie dagewesenen Situation mit sieben Bürgermeisterkandidaten und neun Stadtratslisten.“ Mit der Stärke der Grünen habe man in der CSU gerechnet.
Katerstimmung herrscht bei der ÜWG: „Viel mehr als mein Ergebnis bei der Bürgermeisterwahl schmerzt mich der Verlust der beiden Sitze. Das ist wirklich bitter. Vor allem auch, dass es Irmi Ranner-Sobihart nicht mehr geschafft hat, die wertvolle Arbeit nicht nur als Jugendreferentin geleistet hat“, gibt Fraktionssprecher Rudi Gebhart unumwunden zu. Es sei schwer, zu sagen, woran es gelegen hat. Man habe eigentlich gehofft, ein sechstes Mandat hinzuzugewinnen.
Enttäuschung über den Verlust ihres vierten Mandats ist auch das vorherrschende Gefühl bei der SPD. „Der Ausgang der Wahl und das Ergebnis der SPD im Stadtrat war realistisch zu erwarten, der Verlust eines Sitzes für Sepp Glaser, stellvertretender Vorsitzender, ist ganz sicher nicht schlechter Arbeit von ihm geschuldet. Leider scheint die Stammwählerschaft verloren zu gehen und auch die kommunalpolitische Ausrichtung vor Ort nicht gezogen zu haben“, so Ortsvorsitzende Petra Keitz-Dimpflmeier.
„Ich glaube, dass die Fraktion eine gute Arbeit gemacht hat“, sagt auch Fraktionssprecher Richard Lechner. „Eigentlich hatten wir auf einen Sitz mehr gehofft.“ Durch die neue Zusammensetzung im Stadtrat müsse man sich wohl in den ersten ein bis zwei Jahren auf einige Überraschungen gefasst machen.
Lange stand am Wahlabend nicht fest, ob die AfD mit einem oder zwei Vertretern in den Stadtrat einziehen würde. Letztlich hat es dann nur für Andreas Winhart gereicht. Und das kam für diesen, wie er bekundet, „durchaus überraschend. Ich habe schon gedacht, dass unser Bürgermeisterkandidat Rainer Vieregg es schafft. Gegen mich wurde in der Vergangenheit gerade auch hier in Bad Aibling ja doch immer recht intensiv gefeuert. Von daher hat mich mein Ergebnis sehr gefreut“.
Mit ein bis zwei Sitzen habe auch er gerechnet, sagt Vieregg. „Bei dem Arbeitsaufwand im Wahlkampf hatte ich schon gehofft, dass ich dabei bin und meine Ideen mit einbringen kann, gerade was beispielsweise das ,Haus der Vereine‘ im Bahnhof angeht. Ernüchternd war schon, zu sehen, dass Ereignisse wie in Hanau oder die Thüringer Landtagswahl abfärben, obwohl das mit unserer Arbeit hier gar nichts zu tun hat.“
Bayernpartei
verbessert Ergebnis
Über sein im Vergleich zu 2014 verbessertes Ergebnis freut sich BP-Stadtrat Florian Weber. „Natürlich hätten wir gerne zwei Sitze gehabt, unser Bürgermeisterkandidat Christian Hilz, der sich gut verkauft hat, und ich. Aber unterm Strich bin ich zufrieden.“ Wie schon in der vergangenen Legislaturperiode strebe er im Stadtrat eine Ausschussgemeinschaft mit der ÖDP an, die ebenfalls mit einem Sitz vertreten ist.
ÖDP erobert
sich Sitz zurück
Das kann sich auch ÖDP-Rätin Anna Maria Kirsch grundsätzlich vorstellen. Eine Ausschussgemeinschaft mit der AfD schließt sie von vornherein kategorisch aus. In der ÖDP freut man sich, wieder im Stadtrat vertreten zu sein, nachdem der frühere ÖDP-Rat Wilhelm Bothar ja während der Amtszeit die Partei verlassen hatte (wir berichteten).
Von der Liste der FDP, angeführt von deren Bürgermeisterkandidat Heinz Benninghoven, und der Linken/ mut, mit Spitzenkandidat Klaus Rosellen schaffte es kein Kandidat in den Stadtrat. Eva Lagler