Kiefersfelden – Mit einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel, Ministerpräsident Markus Söder, Kultusminister Michael Piazolo beschreiben die Abiturientinnen Regina Eisenschmid aus Kiefersfelden und Eva Herrmann aus Kirchdorf ihre Sorgen hinsichtlich der anstehenden Abiturprüfungen. Es sei kaum möglich, sich aufgrund der hohen Belastungen durch die Corona-Pandemie gründlich darauf vorzubereiten, so die 18-Jährigen. Ihr Appell: „Lassen Sie die Abiturprüfungen entfallen!“ Hier ihr Brief in Auszügen:
„Während es für die Abiturprüfungen natürlich theoretische Möglichkeiten gäbe, die Schüler so zu verteilen, dass das Ansteckungsrisiko minimiert wird, ist das für den Unterricht im Vorfeld des Abiturs nicht umsetzbar. In den Kursen sind zu viele Schüler, um den Mindestabstand in den Klassenzimmern einzuhalten, ein qualitativ guter und mit den letzten Jahren vergleichbarer Unterricht ist faktisch unmöglich.
Zwar gehören die meisten Abiturienten nicht zu den Risikogruppen, sehr wohl aber viele Eltern oder andere Familienmitglieder. Es kann nicht verlangt werden, das Risiko einzugehen, den eigenen Vater oder die eigene Schwester mit einer Krankheit anzustecken, die für sie tödlich verlaufen könnte. Viele Eltern sind wirtschaftlich von der derzeitigen Krise betroffen und bangen um ihre Berufe bzw. sind bereits arbeitslos. An dieser Stelle leidet die ganze Familie unter finanzieller Not, sodass möglicherweise sogar auf die Arbeitskraft des Abiturienten gesetzt werden muss.
Bei täglich steigenden Infektionszahlen ist zudem die Wahrscheinlichkeit hoch, dass bereits ein Familienmitglied oder ein Freund am Virus erkrankt ist. Auch wenn die Sterberate gering ist, so besteht im Moment immer die Gefahr, dass eine geliebte Person plötzlich und unerwartet gehen muss oder bereits am Virus gestorben ist. Angesichts dieser Verluste kann von niemandem erwartet werden, sich beispielsweise auf eine Gedichtsanalyse zu konzentrieren. Digitaler Unterricht zu Hause ist eine tolle Idee, die jedoch bereits bei der Ausstattung scheitert. Auch ein eigenes Zimmer ist nicht selbstverständlich und da Schüler aufgrund der Ausgangsbeschränkungen weder in Bibliotheken noch anderen öffentlichen Orten lernen dürfen, bleibt teilweise nur das geteilte Zimmer mit den Geschwistern.
Im Zusammenhang mit der Möglichkeit des Durchschnittsabiturs hören wir oft das Argument, dass dies ungerecht gegenüber anderen Jahrgängen wäre und dass die Ergebnisse des Abiturs dann nicht mehr vergleichbar wären. Dabei ist das Abitur 2020 doch bereits jetzt schon, auch mit Abiturprüfungen, mit keinem anderen Jahrgang vergleichbar.“