Das Jubiläumsjahr ist abgesagt

von Redaktion

Auch Oldie Night, Bürgerfest, Parkfest, Konzertreihen und Rosstag fallen heuer aus

Bad Aibling – Das große Doppeljubiläumsjahr in Bad Aibling sollte unvergesslich werden – und ist es bereits jetzt, kaum dass es richtig begonnen hat: Gestern entschied Kurdirektor Thomas Jahn nach Gesprächen mit seinem Team: Für heuer wird alles abgesagt.

Eine Entscheidung, die Bad Aibling hart trifft. Denn die Absagen beinhalten nicht allein die Jubiläumsveranstaltungen mit großem Festwochenende im Juni, Stationen-Theater und Konzerten, sondern auch sämtliche Veranstaltungsklassiker. Angefangen von der Oldie Night im Juni über das Bürgerfest mit bis zu 12000 Besuchern im Juli bis zum Parkfest im August und zum Rosstag im September: alles abgesagt. Das Gleiche gilt für die Konzertreihe „Umsonst und draußen“, zu der auch „Kultur im Park“ gehört.

Stillstand
statt Bewegung

Auch die Reihen „Bad Aibling entdecken“ und „Bad Aibling bewegt“ bewegen heuer die Bürger und Gäste keinen Millimeter mehr: Ob Stadtführungen, Rad- und Wandertouren, Yoga- oder Tai-Chi-Stunde, alles wird jetzt in der warmen Jahreszeit komplett auf Eis gelegt. „Und zwar so lange, bis wir wieder die Erlaubnis haben, in dieser Stadt Gäste und Patienten zu begrüßen“, so Jahn mit einem bitteren Unterton.

Bis zuletzt hatte er gehofft, in einem gewissen Umfang doch noch Veranstaltungen durchführen zu können. Doch nun sei der „schlimmste anzunehmende Unfall“ eingetreten. Denn: „Wir haben noch nicht mal eine Perspektive, wie es nach dem 3. Mai weitergeht.“ Als Schlüsselsatz von Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht er deren Äußerung, erst ein Impfstoff sei der Schlüssel zu einer Rückkehr zum normalen Alltag. „Das sagt für mich alles“, so Jahn.

In seinen Augen stellt die momentane Situation eine strukturelle und wirtschaftliche Katastrophe dar, die die Stadt, den Landkreis und die ganze Republik betrifft. „Das sind zigtausend Beschäftigte, die direkt und indirekt mit Tourismus und Veranstaltungen zu tun haben – allen voran die Gastronomie und Hotellerie, aber auch die Beschallungs-, Ton- und Lichttechnik, die Bäcker, Metzger und auch die Vereine, denen die Einnahmen komplett wegbrechen.“

„Versuchen zu retten,
was zu retten ist“

Im Moment spricht er noch nicht einmal vom Scherbenzusammenkehren. „Jetzt gerade zerstören wir nur. Wir hängen nur am Telefon und sagen alles ab.“ Jedoch versuche man alles, was irgendwie möglich ist, mit ins kommende Jahr zu nehmen. Auch die Jubiläumsveranstaltungen, die man über zwei Jahre geplant hatte.

„Wir versuchen, mit allen Vertragspartnern so zu verhandeln, dass wir die Verträge auf 2021 schieben können. Ob und in welchem Umfang das gelingt, kann ich noch nicht sagen“, so der Kurdirektor. Was die Corona-Pandemie im Hinblick auf das internationale Gitarrenfestival „Saitensprünge“ im November bedeutet, werde sich noch zeigen. „Ich denke, da sind wir dann im Mai etwas schlauer. Hier etwas zu entscheiden, macht erst Sinn, wenn es neue Aussagen von staatlicher Seite gibt und wir eine Perspektive haben.“

Sehr stark
verändertes Stadtbild

Bürgermeister Felix Schwaller bedauert die Situation ebenfalls. „Momentan tut das schon weh, wenn man die Stadt so leer sieht, wenn man durch die Kirchzeile geht und bei dem schönen Wetter keine Leute draußen sitzen. Das verändert das Stadtbild schon sehr.“ Doch hätten viele Menschen momentan ganz andere Sorgen und die Gesundheitsrisiken seien ein ernst zu nehmendes Thema. „Wir sind jetzt seit 175 Jahren Moorbad und seit 125 Jahren Heilbad. Da kommt es auf das eine Jahr auch nicht drauf an, wenn wir erst nächstes Jahr feiern“, meint er mit Blick auf die Jubiläumsfeierlichkeiten.

Stephan Schlier, ab 1. Mai als neuer Bürgermeister der Stadt im Amt, sagt: „Es hilft nichts. Mit einer Pandemie, die die Welt im Würgegriff hat, hat wohl keiner gerechnet. Wir müssen jetzt einfach versuchen, das Beste aus der jeweiligen Situation zu machen.“ Ziel sei es, die Jubiläumsveranstaltungen „175 Jahre Moorbad, 125 Jahre Heilbad“ möglichst eins zu eins für das Jahr 2021 zu übernehmen. Für die kleineren Veranstaltungen mache es weniger Sinn, im neuen Jahr Nachholtermine anzusetzen.

Beratungen über
das Inklusionsfestival

Mit dem Bezirk Oberbayern kläre man hingegen im Moment, wie es mit dem Inklusionsfestival „Zamma“ aussieht, das nächstes Jahr im Sommer in Bad Aibling stattfinden soll (wir berichteten). Hier stehe man noch ganz am Anfang mit den Planungen und benötige eine gewisse Vorlaufzeit. „Da werden wir sehen müssen, ob der Termin 2021 gehalten werden kann.“

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