Tuntenhausen – Auch wenn das öffentliche Leben noch brachliegt – die Bienen haben jetzt Hochsaison und mit ihnen die Imker. „Jetzt ist es besonders wichtig, die Völker zu kontrollieren, um sich zu vergewissern, dass sie unter der Trockenheit nicht leiden“, erklärt Imker Karl-Heinz Schäfer aus Sindlhausen. Denn auch wenn die Blüten der Obstbäume gerade Pollen in Hülle und Fülle anbieten, mit denen die Bienen ihre Larven und Jungbienen füttern. Der Nektar, der den Flugbienen Energie liefert, ist aufgrund der Trockenheit rar.
17 Millionen Bienen
in 420 Völkern
Um das Wohl von circa 17 Millionen Bienen der Rasse Carnica in 420 Völkern kümmern sich 90 Imker des Bienzuchtvereins Hohenthann-Schönau. Etwa ein Drittel von ihnen sind Jungimker, die vor einem Jahr oder wenigen Monaten mit dem Imkern begonnen haben. Der Lehrbienenstand ist aufgrund der Corona-Kontaktbeschränkungen gerade geschlossen. Auch Imkerschulungen dürfen hier nicht stattfinden. Die Anfänger stehen trotzdem nicht im Regen, denn Vereinsvorsitzender Georg Bachmayr lädt seine Vereinsmitglieder jetzt zu Videokonferenzen ein. Über das Programm „Zoom Cloud Meetings“ holt er sich die Imker nach Hause. Wenn er seine Powerpoint-Vorträge hält, schaltet er die Teilnehmer auf stumm. Zur Diskussions- und Fragerunde sind alle wieder zugeschaltet. „Ich mache die Schulungen jetzt schon zum zweiten Mal mit, weil die Imkerei sehr anspruchsvoll und mir der Austausch mit den erfahrenen Imkern sehr wichtig ist“, erzählt Katharina Niedermeier. Sie hat drei Völker. Schon kurz nach ihrem Start im vergangenen Jahr schwärmte das erste Volk aus. „Zum Glück sind Georg und andere erfahrene Imker jederzeit telefonisch erreichbar, sodass ich schnell Hilfe bekommen habe“, ist die 25-jährige Ostermünchenerin für die kompetente Betreuung dankbar. „Die Schwarmkontrolle steht auch jetzt wieder an“, erklärt Georg Bachmayr. Denn wenn die junge Königin schlüpft, schwärmt die alte mit ihrem „Bien“ aus. Es bildet sich ein neues Volk. Meist sammelt sich der Schwarm wie eine große Traube an einem Baum oder Zaun. „Dann muss man die Bienen mit Wasserspray befeuchten, abklopfen und in die neue Beute kehren“, erklärt der Bienenfachwart.
Erstes Bienenjahr
miterlebt
Auch Elisabeth Heller aus Biberg ist einer der jungen Imkerinnen. Die künftige Gymnasiallehrerin für Mathe und Deutsch hat derzeit fünf Völker. Ein erstes Bienenjahr hat sie nun miterlebt: Im März die Bienen ausgewintert, im April mit der Freigabe des Honigraumes begonnen, Ende Mai ihren ersten Blütenhonig und im Juli den Waldhonig geschleudert, ihre Bienen im August gegen Varroa-Milben behandelt und im September die Winterfütterung vorbereitet. Auch sie schöpft aus den Erfahrungen der „alten“ Imker und weiß sie jederzeit an ihrer Seite, wenn sie Fragen hat.
Rund um den Bienenlehrstand im einstigen Wasserpumpenhäuschen von Tuntenhausen hat sich im vergangenen Jahr viel getan. Von der Sparkassenstiftung Zukunft für den Landkreis Rosenheim erhielten die Imker eine Förderung von 4500 Euro. Der Verein investierte das Geld in einen überdachten Freischulungsbereich, eine Honigschleuder und Beuten. Am Lehrbienenstand leben neun Bienenvölker. Sie werden übers Jahr von Georg Bachmayr, Sepp Mair und Karl-Heinz Schäfer betreut, und sind die Stars, wenn endlich wieder Schulungen vor Ort stattfinden dürfen.
Geimkert wird über
alle Generationen
„Das Interesse an der Bienenzucht hat enorm zugenommen“, freut Georg Bachmayr. „Die Menschen erleben die vier Jahreszeiten dann mit ganz anderen Augen.“ Und so wird im Verein vom Achtjährigen bis zum 80-Jährigen generationsübergreifend geimkert.