Mehr Respekt und weniger Zoff am Berg

von Redaktion

Gemeinde und Initiative der Mountainbiker werben mit Aktion für Rücksichtnahme

Bad Feilnbach – Es war im Frühjahr dieses Jahres, als die Situation eskalierte: Bad Feilnbachs Almbauern beklagten die zunehmende Rücksichtslosigkeit mancher Mountainbiker und Wanderer, die nicht nur fremdes Eigentum zerstörten, sondern sich auch so verhielten, dass Tiere zu Schaden kamen (wir berichteten).

Bei einer ersten Zusammenkunft im Bad Feilnbacher Rathaus berieten Vertreter der Almbauern, der Gemeinde und Behörden über mögliche Maßnahmen, wobei allerdings auch klar wurde, dass den Handlungsmöglichkeiten eine Menge Grenzen gesetzt sind.

Vieles liegt an rechtlichen Grundlagen, ob es nun um Wegesperrungen, den fehlenden Status als Landschafts- oder gar Naturschutzgebiet oder mangelnde Kontrollinstanzen geht. Doch wollte man Wege suchen, die über die ohnehin starken Appelle an die Verantwortung des Einzelnen sowie unermüdliche Aufklärung und Sensibilisierung hinausgehen.

Für ein gutes Miteinander

An einem weiteren Treffen nahm mit Sonja Schreiter auch eine Vertreterin der Regionalgruppe IG Chiemgau/BGL des Vereins Deutsche Initiative Mountainbike (DIMB) teil. Die IG hat sich zum Ziel gesetzt, sich für Konfliktlösungen und ein respektvolles Miteinander von allen Naturnutzern, im Speziellen von Wanderern und Mountainbikern einzusetzen.

„Aber auch die Verbesserung des gegenseitigen Verständnisses und die Förderung der Kommunikation verschiedener Parteien und Interessensgruppen in der Region, zum Beispiel Almbauern, Forst, Jagd und Tourismus in Bezug auf das Thema Mountainbiken ist der DIMB ein zentrales Anliegen“, betonte Schreiter. Dafür seien eigens Schilder angefertigt worden, die auf ein gemeinsames Naturerlebnis hinweisen: „Ein Appell mit der Bitte um gegenseitige Rücksichtnahme.“

Eine Idee, die die Gemeinde Bad Feilnbach aufgriff. Gemeinsam brachten Bürgermeister Anton Wallner, Sonja Schreiter, Bauhofleiter Martin Mayer und Almbauer Wolfgang Bauer nun die ersten Schilder an. Sie stehen am Eingang zum Jenbachtal, am Zementwerk und im Litzldorfer Tal sowie im Bereich der Huber- und der Hansenalm.

Sie weisen auf die sechs grundlegenden Verhaltensregeln für Mountainbiker (DIMB Trail Rules, siehe Kasten) hin und sollen in erster Linie der Sensibilisierung und Aufklärung der Bergsportler und Naturliebhaber dienen.

Die Beteiligten betonen, dass es aber nicht nur um den Umgang untereinander gehe, sondern auch um die Natur mit ihrer Tier- und Pflanzenwelt und die Kulturlandschaft, die es zu respektieren, zu schonen und zu erhalten gelte. Wallner bekennt, selbst gern mit dem Mountainbike in den Bergen unterwegs zu sein. „Dabei geht es mir darum, mich auf den Forststraßen zu plagen und dabei die Natur zu genießen, oben einzukehren und den Oimerer was verdienen zu lassen und auf der Forststraße wieder ins Tal zu fahren. Aber der neuen Bikergeneration ist das zu wenig. Die wollen Trails und den Kick.“

In manchen Bereichen möge das Sinn haben, räumt Wallner ein. Etwa dort, wo wenig Menschen zu Fuß unterwegs seien. Doch ansonsten schaffe dies nur Konflikte. „Es sind halt immer die Extremen, die meinen, unsere Bergwelt ist ihr Sportpark. Aber wir haben keinen Sporpark. Die sollen zum Bikepark am Samerberg oder in andere derartige Anlagen fahren“, appelliert der Bad Feilnbacher Bürgermeister. „Mir ist bewusst, dass es unter den Mountainbikern wie in jeder Sportart schwarze Schafe gibt“, sagt auch Sonja Schreiter. Letztendlich helfe aber nur ein „Miteinander“ statt eines „Gegeneinanders“, damit das Naturerlebnis weiterhin für alle dasein kann.

Wie weitere Schritte auf dem Weg zu diesem Ziel aussehen können, darüber beraten die Beteiligten in einer weiteren Runde am heutigen Dienstag.

Die sechs Regeln der DIMB

Anton Wallner

Bürgermeister

Herr Wallner, wie hat sich die Konfliktsituation „rücksichtslose Mountainbiker/Klagen der Almbauern“ in Bad Feilnbach in diesem Sommer bis dato beim „Urlaub dahoam“ entwickelt. Welche Rückmeldungen sind bei Ihnen angekommen?

Momentan sind mir keine Rückmeldungen über weitere Vorfälle bekannt. Es scheint etwas ruhiger geworden zu sein, aber es ist schwer zu sagen, woran das liegt.

Wie ist es nach dem runden Tisch im Frühjahr weitergegangen, was hat sich getan? Gab es schon Maßnahmen, die gefruchtet haben?

Wir hatten noch eine zweiten runden Tisch, an dem sich die Grundstücksbesitzer und Radfahrer austauschen konnten und bei dem vereinbart wurde, dass wir konstruktiv weitermachen. Es wäre vermessen zu sagen, dass sich etwas getan hat, das gefruchtet hat. Aber eins ist klar: Nichts zu machen, kann nicht der Weg sein. Deswegen wird es am heutigen Dienstag ein weiteres Treffen geben.

Was ist diesbezüglich noch angedacht?

Ich möchte dem Treffen ungern vorgreifen, aber es ist einiges angedacht, über dessen Umsetzung jetzt gesprochen wird. Es hat doch ein jeder verstanden, dass man nicht mit dem Radl auf der Autobahn fahren darf. Warum geht das nicht in die Köpfe rein, dass man trotz aller Diskussionen über Betretungsrechte auch in den Bergen nicht überall fahren darf?

Was erhoffen Sie sich von den jetzt mit dem DIMB aufgestellten Schildern? Wie kam es dazu?

Die Schilder sind ein kleiner Baustein, und wir hoffen, dass die Mountainbiker auf die Stimme des Verbandes hören. Sonja Schreiter war als Vertreterin des DIMB bei unserem zweiten runden Tisch dabei, und wir haben uns entschieden, ein paar Schilder zu besorgen und aufzustellen. Wir hoffen, dass sie jeden dazu anregen, das eigene Verhalten zu überprüfen und Rücksichtnahme zu üben.

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