Schwört auf das selbst eingemachte Sauerkraut: Johanna Ruff aus Bad Aibling (rechts) deckt sich seit vier Jahren mit frischem Ismaninger Kraut ein.
Tuntenhausen – Das Kraut und die Deutschen haben eine ganz besondere Beziehung. Denn ganz egal, ob es als Sauerkraut, Krautsalat, Rohkost, als Kohlroulade oder Krautmausch auf den Tisch kommt – es ist aus dem Speiseplan einfach nicht wegzudenken. Wenn es dann noch besonders mild und bekömmlich ist wie das Ismaninger Weißkraut, dann erfreuen sich Traditionen wie das „Maxlrainer Krauthobeln“ auch in Corona-Zeiten einer großen Resonanz.
Geschmack verbindet Generationen
Dabei finden sich Krautliebhaber in allen Generationen. Die neunjährige Johanna Schramm aus Bruckmühl beispielsweise mag besonders den süß-sauer angemachten Krautsalat ihrer Mama. Und so kauft diese gleich 25 Kilogramm Weißkraut, um es mit Gewürzen anzusetzen und dann portionsweise einzufrieren. Johanna und Robert Ruff aus Bad Aibling setzen das Kraut im Gärtopf an und genießen selbst gemachtes Sauerkraut. „Es ist viel bekömmlicher als das aus der Dose“, so ihre Erfahrungen. Sie haben sich in Maxlrain alles gekauft, was man dazu braucht: einen Gärtopf sowie Stampfer, Steinsalz, Wacholderbeeren und Kümmel. „Es ist wirklich schön, so eine Tradition zu pflegen und im Keller seinen eigenen Sauerkrautvorrat zu haben“, sagen sie. Die Beyhartinger Landfrauen und Franz Xaver Heinritzi wiegen, portionieren und hobeln das Kraut nicht nur fünf Tage lang. Sie haben auch viele Tipps im Gepäck. Dass man nur unjodiertes Salz nehmen soll, damit das Kraut nicht vergilbt. Dass eine Prise Zucker den Geschmack verstärkt. Oder wie gestampft und der Gärtopf richtig verwendet wird.
So unterschiedlich schmeckt Heimat
Sogar ein Rezeptheft hat die Beyhartinger Ortsbäuerin Andrea Rummelsberger zusammengestellt. „Es wird jedes Jahr dicker“, erzählt sie, denn die Frauen sammeln Rezepte rund ums Kraut. Für jeden hat die Zubereitung des Weißkohls auch etwas mit dem Geschmack von Heimat zu tun. So erzählt eine Besucherin, wie sie den Weißkohl nach Siebenbürger Art zubereitet: „Aus den Kohlköpfen wird der Strunk entfernt, dort füllen wir Salz und Pfefferkörner hinein und dann wird es in einem hölzernen Krautfass in einer Salzlake gelagert.“ Ihre Augen strahlen bei den Gedanken an diese Köstlichkeit aus der alten Heimat.