Vom Couch-Potato zum Marathon-Man

von Redaktion

Bruckmühler Peter Jüstel bereitet sich auf seinen 30. großen Lauf in Ravenna vor

Bruckmühl – Der Countdown bis zum großen sportlichen Jubiläum von Peter Jüstel läuft: Am 8. November will der Bruckmühler im italienischen Ravenna bei seinem 30. Marathon an den Start gehen, wenn es die Covid-19-Situation denn zulässt. Dann könnte im Stadion wieder die Bayern-Fahne wehen, denn Jüstels persönliches Markenzeichen bei Marathon-Events ist der Zieleinlauf mit einer weiß-blauen Bayern-Fahne.

Die Marathon-Leidenschaft des Bruckmühlers ist bemerkenswert. Vor allem, wenn man weiß, was Sport für den 56-Jährige einst bedeutet hat: Im Alter von 30 Jahren waren das der große gemütliche Sessel, eine Tüte Chips, eine Tafel Schokolade, ein kleines Bierchen und ein sportliches Fernsehprogramm. Damals hatte Jüstel ein stattliches Übergewicht.

Mit 30 Jahren mit

dem Sport begonnen

Heute ist er Marathon-Läufer und Spartenleiter der Leichtathleten des SV Bruckmühl (SVB). Wer Jüstel zurzeit treffen will, muss selbst die Laufschuhe schnüren und bei guter Kondition sein oder sich aufs Fahrrad schwingen. Seit fünf Wochen taktet das Lauf-Training seinen Tages-Rhythmus.

Pro Woche stehen bis zu fünf Trainingseinheiten auf dem Programm. Dabei wechseln sich Tempoläufe mit Intervall-Einheiten und Ausdauerläufen auf unterschiedlichem Terrain ab. „In Summe komme ich in den finalen acht Vorbereitungswochen so auf gut 700 Kilometer Strecke“, beschreibt der bis in die Haarspitzen motivierte Bruckmühler sein sportliches Pensum.

Mit der Familie wird keine Distanz zu lang

Auf den Langdistanzen sind seine Ehefrau Doris und Sohn Christian mit dem Bike die zuverlässigen Begleiter und geschätzten „Wasserträger“. Wie überhaupt die ganze Familie ab der ersten Stunde voll und ganz hinter der Sportleidenschaft des Langstreckenspezialisten steht. Seit seinem ersten Marathon in München im Oktober 2004 reist die Familie zu den Wettkampforten mit – darunter auch Tochter Sandra mit Ehemann Maik und Enkelin Lisa. „Damit sich aber nicht alles nur um das Sportevent dreht, verbringen wir dann immer noch zusammen ein paar Urlaubstage in der jeweiligen Region“, erzählt Ehefrau Doris mit einem Augenzwinkern.

Je nach Veranstaltungsort und -zeit wird der SVBler auch von einer größeren Fan-Delegation begleitet. So geschehen beim Marathon 2008 in Dresden, 2012 in Venedig und 2016 in Ravenna. Für diese drei musste jeweils ein Reisebus gechartert werden. Über die Strecke verteilt gab es dann laute Bruckmühler Anfeuerungsrufe samt Kuhglockengeläut. Die Initialzündung zu dieser „Marathon-Karriere“ wurde Mitte der 90er-Jahre ausgelöst. Jüstel bezeichnet sich als 30-jährigen „Couch-Potato“: „Anstatt aktiv etwas gegen die permanente Gewichtszunahme zu unternehmen, habe ich lieber die Konfektionsgröße nach oben gewechselt“, erinnert er sich. Eines Tages hat er sich dann aber doch aufgerafft und der Jedermann-Sportgruppe des SVB einen Besuch abgestattet. „Doch schon nach der ersten kleineren Warmlaufübung litt ich unter akuten Atembeschwerden und musste das Training abbrechen“, blickt der SVB-Spartenleiter zurück. Das sei das einschneidende Erlebnis gewesen, bei dem der Bruckmühler den Entschluss gefasst habe: „Jetzt muss sich was in meinem Leben ändern“.

Am 8. November
geht es an den Start

Über die SVB-Jedermänner kam er kurze Zeit später per Zufall zum Lauftreff des SVB. „Nach ein paar Wochen konnte ich fünf Runden auf der Tartanbahn laufen, ohne anschließend unter dem Sauerstoffzelt liegen zu müssen“, erzählt Jüstel heute lachend. Schritt für Schritt sei es dann aufwärts gegangen. Natürlich nicht ohne Rückschläge oder Unlust.

Nach gut acht Jahren regelmäßigen Laufens war es dann soweit: Das Projekt „München Marathon 2004“ wurde gestartet. Die Vorbereitung nahm elf Monate in Anspruch. Das Motto war beim Start 2004 klar definiert: „Nur irgendwie durch- und vor allem ankommen.“ Bei herrlichem Laufwetter lief alles perfekt. Jüstel kam mit einer Laufzeit unter vier Stunden ins Ziel. Darauf ist er bis heute stolz.

Außer in den Jahren 2010, 2016 und 2017, in denen er verletzungsbedingt pausieren musste, lief Jüstel mindestens zwei Marathon-Wettkämpfe pro Jahr. Dabei hat er 63 Paar Laufschuhe zerschlissen.

Aktuell ist Jüstel mit seinem Trainingsstand zufrieden: „Alles läuft nach Plan. Ob wir aber dann auch in Italien an den Start gehen können, werden wir sehen. Das liegt nicht in unserer Hand.“

Die Lauf-Vita

2011 Frankfurt „Top Speed“: Persönliche Bestzeit mit 3:24 Stunden.

2011 Antalya (Türkei) „Bayerischer Laufbotschafter“: Nach dem Ziel-Einlauf mit der Bayern-Fahne wurde Jüstel von der Bayerischen Laufzeitung zum „Bayerischen Lauf-Botschafter“ ernannt.

2012 Venedig „Sturm- und Wasserschlacht“: Zehn Minuten vor dem Start kam es zu einem Wetter- und Temperartur-Sturz, von den 42,195 Kilometern kämpfte er auf 38,2 Kilometern gegen Sturm und Stark-Regen.

2017 Regensburg „Hitzeschlacht“: Bei Temperaturen von 32,5 Grad im Schatten war jeder Kilometer „ein Kampf ums nackte Überleben.“

• Ravenna: Die Marathon-Veranstatung mit den schönsten „Finisher-Medaillen“ – Einzelanfertigungen aus Mosaiksteinen.

Die Höhepunkte

• 30 Marathons über die olympische Länge von 42,195 Kilometern.

• 103 Halbmarathons über die Distanz von 21,1 Kilometern.

• 112 Starts über die Zehn-Kilometer-Distanz.

• Drei Teilnahmen am Staffel-Lauf von Rosenheim zur Partnerstadt nach Lazise am Gardasee.

• Zwei Treppenläufe im Gebäude der Fachhochschule Rosenheim.

• Organisator und Teilnehmer am 24-Stunden-Lauf beim Bruckmühler Volksfest.

• Organisator und Teilnehmer am Bruckmühler Brücken-Lauf anlässlich der Einweihung der zweiten Mangfall-Brücke.

• Spenden-Läufe für karitative Organisationen.

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