Teures Wildparken am Straßenrand

von Redaktion

Johannes Neiderhell stellt Auto neben vollem Parkplatz ab und kassiert Strafzettel

Raubling/Flintsbach – Johannes Neiderhell aus Raubling kann es immer noch nicht fassen. Ende Februar hat der 58-Jährige einen Wanderausflug in Flintsbach unternommen, der teuer endete. Saftige 55 Euro musste er für das Parken am Straßenrand hinblättern. Warum gerade zu Zeiten von Corona so wenig Kulanz gezeigt werde, sei für ihn unbegreiflich: „Schön langsam darf man überhaupt nichts mehr machen.“

„Moderne
Raubritterei“

In kurzen Sätzen schildert Neiderhell den Sachverhalt: Ende Februar habe er sein Auto gegen 14 Uhr „direkt im Anschluss des Petersbergs“ abgestellt. Sprich: auf einer Wiese. Denn der gesamte Parkplatz sei voll gewesen. Also habe er sich daneben gestellt – „ohne jemanden zu blockieren oder eine Durchfahrt zu behindern“, fügt der Raublinger hinzu. Als er nach einiger Zeit zu seinem Auto zurückkehrte, habe ihn dort ein Knöllchen in Höhe von 55 Euro, ausgestellt vom Bayerischen Verkehrsverwaltungsamt, erwartet. Am 10. März kam dann das Schreiben per Post. Darin wurde Neiderhell über seinen Tatbestand aufgeklärt: „Sie parkten auf Flächen in der freien Natur, die nicht für den öffentlichen Verkehr freigegeben sind, ohne Notwendigkeit mit einem Kraftfahrzeug.“

Johannes Neiderhell hat das Ticket bezahlt. Auf Streitigkeiten hatte er keine Lust. Aber aufregen will er sich trotzdem: „Ich halte das vor allem in Pandemie-Zeiten als völlig überzogen und sehe so etwas als moderne Raubritterei an!“ Da wäre es ihn ja billiger gekommen, wenn er sich ins absolute Halteverbot gestellt hätte, macht er deutlich. „Die Leute brauchen halt mal Abwechslung. Es bleibt fast nur noch die Natur.“

Josef Mühlbacher, Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Brannenburg, sagt: Die Beamten erledigten nur ihren Job. „Wir müssen schauen, dass das alles in geordneten Bahnen abläuft.“ In Corona-Zeiten habe der Ausflugsverkehr in die Berge zugekommen. Unter anderem auch deshalb, weil Österreich als Ausflugsziel im Moment ausfalle. Die Folge seien jetzt Menschenmengen, die sich auf deutscher Seite tummeln. „Und das führt zu überfüllten Parkplätzen.“ Vor allem an schönen Wochenenden ziehe es die Leute – auch viele Münchner – in die Natur. Grundsätzlich habe Mühlbacher dafür Verständnis. „Aber wir schauen halt, dass kein Parkchaos entsteht. Da legen wir gerade ein verstärktes Augenmerk darauf.“

Die Brennpunkte im Dienststellenbereich seien Bad Feilnbach und Samerberg, sagt Mühlbacher. Im Jenbachtal seien an einem Tag einmal 80 Falschparker beanstandet worden. „Zum Teil wurden auch schon Abschleppvorgänge durchgeführt“, so der Dienststellenleiter. Strafzettel wegen Parkens auf Flächen in freier Natur würden hingegen eher selten verteilt werden. Die häufigsten Ordnungswidrigkeiten seien zugeparkte Straßen oder Parken im Halteverbot.

„Und viele wissen nicht, dass das Parken auf Vorfahrtsstraßen außerhalb geschlossener Ortschaften auch nicht erlaubt ist.“ Um die Parksituation besser in den Griff zu bekommen, würden viele Gemeinden bei der Polizei Alarm schlagen: „Aber wir schauen schon selber auch drauf“, stellt Mühlbacher klar.

„Wenn die Parkplätze voll sind, sind sie voll“, sagt Stefan Lederwascher, Bürgermeister aus Flintsbach, lapidar. „Aber bis jetzt ham’s no immer g‘langt.“

Dass bei schönem Wetter die Parkflächen schneller belegt sind, könne durchaus vorkommen. „An gewissen Tagen sind die Parkplätze natürlich zu wenig. Aber dann muss ich halt am Bahnhof parken und paar Meter gehen. Die Leute kommen ja schließlich, um zu wandern“, so der Rathauschef.

Parkautomaten
kommen

In seinen Augen gibt es in Flintsbach grundsätzlich genug Parkplätze. Mehr Parkflächen zu schaffen, sei deshalb nicht in seinem Sinne: „Dann schimpfen die Bauern wieder, dass alle Flächen zu sind.“ Im Moment sei das Parken in Flintsbach noch kostenlos. „Aber Parkautomaten am Petersberg werden kommen“, so Lederwascher. Und zwar noch heuer.

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