Zwei Frauen in letzter Sekunde gerettet

von Redaktion

Bergwacht Bad Feilnbach warnt davor, schneebedeckte Gipfel zu erklimmen

Bad Feilnbach – In einer dramatischen Rettungsaktion bargen Einsatzkräfte der Bergwachten Bad Feilnbach und Hausham, der Feuerwehr Bad Feilnbach und der Polizei am Sonntagabend zwei Frauen aus unwegigem Gebiet am Wendelstein. In den Tagen zuvor mussten Wanderer bereits in vier Einsätzen geborgen werden. (Lesen Sie dazu den Bericht auf Seite 9). Matthias Eggersberger, Einsatzleiter der Bergwacht Bad Feilnbach, erklärt im Interview, welche Gefahren Wanderer unterschätzen, und wie am Sonntagabend die Rettungsaktion und das Leben der Retter gefährdet wurden.

Das schöne Wetter lockt die Menschen in die
Berge. Was sollten sie
auf ihren Touren unbedingt beachten, um sich nicht zu gefährden?

Matthias Eggersberger: Viele unterschätzen, dass wir in den Bergen noch viel Schnee haben. Die Leute machen sich bei frühlingshaften Temperaturen mit leichtem Outfit und Turnschuhen aus dem Tal auf den Weg in die Berge und landen dann in Höhen ab 1500 Metern in 70 bis 80 Zentimeter tiefem Schnee. Ich kann nur warnen: In einem solchen Fall bitte unbedingt darauf verzichten, den Gipfel noch zu erklimmen, nur weil man sich das für diesen Ausflug vorgenommen hat. Vernünftig sein und unten bleiben. Ratsam ist es auch, sich vor der Wanderung via Webcam ein genaues Bild über die Wetterlage in den Bergen zu machen.

Waren die beiden
Frauen aus Dachau
so unvernünftig?

Nein. Sie waren gut ausgerüstet und haben auch vernünftig gehandelt. Doch auch in diesem Fall war der Schnee das Problem. Der Sommerweg in Richtung Kesselalm war aufgrund tiefen Schnees nicht gangbar. Sie wollten ausweichen, haben sich verlaufen und sind in unwegsames Steilgelände des Breitensteins geraten und abgerutscht. Zum Glück haben sie unter der 112 rechtzeitig Hilfe gerufen. Gegen 21 Uhr waren sie in Sicherheit.

Waren am vergangenen Wochenende viele Menschen in den Bergen?

Der Polizeihubschrauber hat mit der Wärmebildkamera gegen 21 Uhr sehr viele Wanderer wahrgenommen, die offenbar auf Vollmondtour waren. Wir beobachten leider auch, dass die Leute Tag und Nacht in den Bergen sind, dort selbst bei dieser Witterung schon ihre Zelte aufschlagen und übernachten. Grundsätzlich sollte man aber bei Einbruch der Dunkelheit eine Bergtour beendet haben und zurück im Tal sein, um sich nicht in Gefahr zu bringen.

Der Rettungseinsatz
am Sonntagabend
wurde durch
Laserpointer gefährdet?

Die Piloten des Polizeihubschraubers wurden stark geblendet, das hat den Einsatz enorm erschwert. In der Dunkelheit sind Rettungsflüge von Natur aus sehr schwierig. Die Piloten müssen sich absolut konzentrieren, um die Bergretter in steiler Hanglage zwischen den Bäumen abzulassen und dann die verstiegenen Personen zu retten. Werden sie dabei geblendet, ist das lebensgefährlich – für die vier Menschen an Bord, die geretteten Personen und ihre Familien.

Verliert ein Bergretter durch solche Aktionen seine Motivation?

Nein, für uns hat die Rettung von Menschen immer oberste Priorität.

Interview: Kathrin Gerlach

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