Bruckmühl – Mit dem Ausbau der Bruckmühler Straße beschäftigt sich der Marktgemeinderat in seiner Sitzung am Donnerstag, 29. Juli. Nach der öffentlichen Auslegung der Planungsunterlagen geht es diesmal darum, die Einwände von Trägern öffentlicher Belange und Anwohnern abzuwägen. Aufgrund der Corona-Beschränkungen hatte die Verwaltung 250 Anwohner persönlich eingeladen. Etwa 40 von ihnen suchten das Gespräch. Einige Reaktionen fielen heftig aus: „Eine gewaltige Fehlplanung. Eine Hinterlist, nur die Eigentümer der anliegenden Grundstücke einzuladen. Eine Verschleierung der Tatsache, dass die Fahrbahn von sieben auf sechs Meter verringert werden soll.“ Mancher Anwohner ist richtig verärgert, und ganz ähnlich war auch die Stimmung des Marktgemeinderates in seiner März-Sitzung.
Autos bekommen
weniger Platz
Noch im Februar hatte das Gremium einstimmig beschlossen, die Bruckmühler Straße von der Weihenlindener Straße bis zur Einmündung Pfarrer-Loidl-Straße und Fraunhoferstraße mit Schutzstreifen für Radfahrer auszubauen. Beidseits einer 4,50 Meter breiten Straße sollten ein 1,50 Meter breiter Gehweg und ein 1,25 Meter breiter Schutzstreifen angelegt werden. Zwar ist das gerade noch regelkonform, aber die Regierung Oberbayerns lehnte die Kombination aus Mindestmaßen ab. Mit Blick auf die Sicherheit der Familien, die mit Fahrrad oder Kinderwagen auf dem Weg zu Kita oder Schulen sind, entschied sich der Gemeinderat im März schließlich für eine Fahrbahnbreite von sechs Metern und beidseitige Gehwege von jeweils zwei Metern. „Unter Abwägung aller Gesichtspunkte sehen wir darin die beste Lösung, insbesondere in Bezug auf die Sicherheit von mobilitätsbehinderten Personen“, erklärt Georg Schollerer vom Ingenieurbüro Roplan und macht an einem Beispiel deutlich: „Beispielsweise ist eine Breite von 1,30 Metern für eine blinde Person mit Begleitperson beziehungsweise 1,20 Meter für eine blinde Person mit Langstock notwendig. Dazu muss man den seitlichen Sicherheitsraum zur Fahrbahn von 0,50 Metern und zur Einfriedung von 0,25 Metern rechnen. So ergibt sich eine Breite von 1,95 bis 2,05 Metern.“ Doch was ist mit den motorisierten Verkehrsteilnehmern? Beim Begegnungsverkehr von Pkw mit einer Breite von 2,30 Metern blieben gerade mal 1,40 Meter Raum. Begegnen sich zwei Schulbusse mit einer Breite von 2,55 Metern wird es noch enger. „Uns ist natürlich bewusst, dass eine Fahrbahnbreite von sechs Metern Einschränkungen nach sich zieht“, bestätigt der Planer, macht aber zugleich auf das grundlegende Problem aufmerksam: „Wir haben nicht mehr Platz. Uns steht fast auf der gesamten Ausbaulänge der Bruckmühler Straße nur eine Grundstücksbreite von zehn Metern zur Verfügung.“ Die einzige Alternative für einen großflächigen Straßenausbau wäre es, allen anliegenden Grundstückseigentümern einen Meter abzukaufen. Auf einer Strecke von 1,2 Kilometern ein aussichtsloses Unterfangen.
Wie kann es nun weitergehen? Und was wird aus den Anregungen von Anwohnern, den Verkehr in der Bruckmühler Straße zu beruhigen, indem man das Parken nur auf gekennzeichneten Flächen zulässt oder die Tonnage begrenzt, um die Durchfahrt von Lkw-Verkehr zu verhindern? Die Verwaltung hat dazu eine Stellungnahme der Polizei eingeholt. Die Hoffnung der Planer, für die Straße perspektivisch ein Halteverbot zu beantragen, hat sich damit bereits zerschlagen, denn: Halteverbote und Geschwindigkeitsreduzierungen sind nach der Straßenverkehrsordnung an ortsverbindenden Hauptverkehrsstraßen nur im Bereich von Schulen und Kindereinrichtungen möglich.
Baubeginn erst
im kommenden Jahr
Die Bruckmühler Straße soll in zwei Bauabschnitten ausgebaut werden. Mit einem Mehrheitsbeschluss des Marktgemeinderates könnten die Planungen fortgeführt, Ausschreibung und Vergabe vorbereitet werden. Der Bau wird voraussichtlich im kommenden Jahr beginnen und bis 2023 andauern. Die Gesamt-Baukosten liegen aktuell bei 2,4 Millionen Euro – davon 1,93 Millionen für den kompletten Straßenausbau und 472000 Euro für die Erneuerung der Trinkwasserleitung.