von Redaktion

Gemeinderat von Bad Feilnbach will Bebauungsplan für Sondergebiet bei Dettendorf

Bad Feilnbach – Klimawandel und Energiewende sowie der Krieg in der Ukraine, verbunden mit Sanktionen und Einschränkungen bei der Lieferung fossiler Energieträger, bieten momentan reichlich Inhalte, über Energiebedarf und Alternativen zur gesicherten Energiever-sorgung nachzudenken. Möglichkeiten bieten etwa Fotovoltaikanlagen auf Dächern von öffentlichen Bauten, wohn- und landwirtschaftlich genutzten Anwesen oder auf Freiflächen.

Letztere Möglichkeit, eine großflächige Freiflächen-Fotovoltaikanlage im Gemeindegebiet anzubringen, befürwortete der Bad Feilnbacher Gemeinderat in seiner Sitzung im September letzten Jahres.

Gemeinderat sieht
Vorhaben positiv

Nun beschloss der Rat nach eingehender Diskussion mit 14:3 Stimmen die dafür vorgesehene Aufstellung des Bebauungsplans „Sondergebiet Freiflächen-PV Höllacker“. Zudem stimmte er der 43. Änderung des Flächennutzungsplanes im Parallelverfahren zu. Ergänzend soll die Verwaltung beauftragt werden, die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit sowie Behörden und sonstiger Träger der Öffentlichkeit durchzuführen. Vor einer letzten Abwägung ist ein Erschließungs- und Durchführungsvertrag mit dem Vorhabensträger „Greenovative GmbH“ aus Nürnberg zu schließen.

Die Änderung des Flächennutzungsplanes ist erforderlich, da die erforderliche Fläche südlich der Autobahn A8 (Parkplatz „Eulenauer Filzen“ und östlich der Kreisstraße RO24 sowie Radweg der ehemaligen Bahnlinie Bad Aibling-Bad Feilnbach) als landwirtschaftlich genutzte Fläche ausgewiesen ist. Für die Aufstellung des vorhabenbezogenen Bebauungsplans ist die Ausweisung als Sondergebiet erforderlich, wie Geschäftsführer Helge Dethof eingangs erläuterte.

Wie Peter Rubeck vom Planungsbüro Strasser – von der „Greenovative GmbH“ mit der Ausarbeitung eines Vorhaben- und Erschließungsplans beauftragt – in einer kurzen Präsentation erklärte, umfasst der Geltungsbereich des Bebauungsplanes etwa 16,908 Hektar Fläche.

Die Anlagenfläche für das „Sondergebiet Freiflächen-PV Höllacker“ betrage 13,393 Hektar Baugrund. Für „zweckbestimmte Eingrünung, Maßnahmen zum Schutz, zur Pflege und zur Entwicklung von Natur und Landschaft als Ausgleichsfläche würden 3,410 Hektar Fläche sowie 0,105 Hektar an Verkehrsfläche beansprucht. Nach Auskunft von Andreas Ditzig (Greenovative GmbH) würden 28824 Module etwa 15,5 Megawatt an Leistung liefern.

Das Planungsgebiet stelle einen siedlungsnahen Freiraum mit geringer Aufenthaltsqualität und Erholungswert dar, so die Beurteilung von Peter Rubeck nach einem Ortstermin mit Tatjana Mahr vom gemeindlichen Bauamt, Andreas Ditzig sowie der Grundstückseigentümerin aus Dettendorf. Gerade die südliche Hangfläche eigne sich besonders zur Anbringung einer Fotovoltaik-Freiflächenanlage.

Sie sei schlecht einsehbar, wodurch das Orts- und Landschaftsbild, aber auch der Naturhaushalt geschützt seien und den Anforderungen zum Klimaschutz Rech-nung getragen würde, so der Landschaftsarchitekt der Firma Strasser.

Unterschiedliche
Meinungen

Unterschiedliche Meinungen gab es allerdings in der anschließenden Diskussion. Vor allem bewerteten Gemeinderäte wie Martin Huber, Dr. Balthasar Spann, Martin Kolb und Georg Stadler (jeweils CSU) die Anlagenfläche als zu groß dimensioniert.

Verstärkend verwies Huber auf die Ackerfläche im südlichen Teil des planerisch eingebundenen Gebiets, in dem der Bauernverband keinerlei Überbauung vorsieht. Für einen Erhalt der Ackerfläche plädierte Dr. Balthasar Spann.

Ähnlich äußerte sich Marinus Moser (ÜW) und regte mit Blick auf optische Einschränkungen eine Überprüfung und Überplanung des Flächennutzungsbedarfs an. Seiner Ansicht nach solle der Fokus in touristischen Gebieten mehr auf Dachflächen- und weniger auf Freiflächen-PV gerichtet werden.

Mit einem „Ja“ befürwortete Stefan Oberprieler (Grüne) eine Freiflächenanlage in Nähe der Autobahn und lehnte mit einem „Nein“ eine Aufstellung im südlichen Teil ab. Nach seiner ersten Einschätzung nach einem Radlausflug seien mögliche Module kaum sichtbar. Nach Ansicht von Zweitem Bürgermeister Sepp Rauscher (CSU) leiste ein „gescheites“ Projekt einen wichtigen Beitrag zur gesicherten Energieversorgung. Die Fläche, die der Grundeigentümer zur Verfügung stelle, passe für eine Fotovoltaikanlage.

Wie Wallner abschließend erläuterte, sei das umstrittene Projekt in den nächsten Gemeinderatssitzungen gründlich abzuwägen. Wie Tatjana Mahr hinzufügte, werde die Öffentlichkeit im Beteiligungsprozess frühzeitig eingebunden.

Fotovoltaikanlage auf Freifläche geplant

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