Mangfalltal – Während einst Filmstars wie Sean Connery die Frauenwelt mit ihrem dichten Brusthaar verzückten, mögen es viele Frauen bei ihren Männern derweil lieber spiegelglatt – oder zumindest wie einen britischen Rasen millimetergenau getrimmt.
Wo früher Wasser und Seife für den Herren der Schöpfung gereicht haben, steht heute ein ganzes Arsenal an Döschen und Tiegeln mit Cremes für jede Partie der empfindlichen Männerhaut. Und wo einst das Loch im Socken als Gradmesser dafür galt, wieder einmal die Nagelschere anzusetzen, erinnert den Mann von heute das Smartphone an seinen monatlichen Termin bei der Pediküre.
„Rückfälle“ durch
Homeoffice möglich
Das Thema Körperpflege ist längst in der Männerwelt angekommen – und zwar nicht nur jedes Jahr am 3. Februar, an dem weltweit der von der US-amerikanischen Kosmetikindustrie eingeführte „Tag der männlichen Körperpflege“ begangen wird.
Doch wie hält es der Mann aus dem Mangfalltal mit der Körperpflege? Oder ist das männliche Geschlecht in Zeiten von Homeoffice durch die Corona-Pandemie wieder in frühere Muster zurückgefallen? Die OVB-Heimatzeitungen haben bei Experten aus dem Kosmetik- und Körperpflegebereich nachgefragt.
Die Arbeit beginnt
immer oben am Kopf
Dass die Körperpflege am Kopf – genauer gesagt bei den Haaren – anfängt, würde mit Sicherheit nahezu jeder Friseur unterschreiben. Bernd Wölz, der seine Tochter Stefanie Wölz beim Betriebsablauf des Bruckmühler Friseurstudios „Reine Kopfsache“ unterstützt, kann aber nicht behaupten, dass die männlichen Kunden heute mehr Zeit und Geld in ihre Frisuren investieren als früher. Spezielle Pflegeanwendungen fürs Haar oder Strähnchen als Blickfang? Fehlanzeige!
Neue Frisuren nur
selten erwünscht
In der Regel kämen die männlichen Kunden in regelmäßigen Abständen, um ganz simpel die übliche Haarlänge wieder herzustellen. Nur bei jüngeren Kunden käme es hin und wieder vor, dass sie eine neue Frisur ausprobieren wollen oder spezielle Wünsche rund ums Styling haben, wie Wölz verrät.
„Die haben dann eine Frisur bei einem Promi im TV oder Internet gesehen, und wollen die dann auch haben.“ Allerdings habe es dieses Phänomen auch früher schon gegeben – beispielweise in den 80er-Jahren, als auch Vertreter des männlichen Geschlechts nach einer Dauerwelle verlangten.
Auch bei der Haut- beziehungsweise Gesichtspflege hält es der Mann scheinbar eher mit dem Motto „weniger ist mehr“.
So machen beim Bruckmühler Kosmetikstudio „Ernestine Naturkosmetik“ Männer zwar Termine für eine Fußpflege, selten aber für Gesichtsbehandlungen aus, wie Inhaberin Ernestine Gehrer verrät. „Wenn, dann sind es eher Jugendliche, die wegen Hautunreinheiten zu mir kommen“, berichtet Gehrer.
Dabei gäbe es für Männer viele Möglichkeiten, der Haut etwas Gutes zu tun, wie die Kosmetikerin weiß. Dass die männlichen Kunden fernbleiben, weil ihnen eine Kosmetikbehandlung peinlich sein könnte, glaubt glaubt die Kosmetik-Expertin indes nicht. „So was muss man ja nicht an die große Glocke hängen“, sagt Gehrer. „Man macht einfach einen Termin aus, kommt vorbei und das war‘s.“ Letztlich sei es ja jedem selbst überlassen, was er für seinen Körper tue, so die Bruckmühlerin weiter: „Jeder sollte das tun, wovon er überzeugt ist, dass es gut tut und glücklich macht.“
Dass ein gepflegter Bart viele Männer glücklich macht, davon ist Levent Yaylici von „Wow Hair“ in Kolbermoor überzeugt. In seinem Friseursalon wird den Herren der Schöpfung alles geboten, was ein gepflegter Bart begehrt. „Bei uns kommen mittlerweile viele Männer fast regelmäßiger, als die Frauen“, erzählt Yaylici, der seit Jahrzehnten im Friseurhandwerk tätig ist. „Die Nachfrage ist riesig – vor allem bei der Bartpflege.“
So habe er viele Kunden, die mindestens alle zwei Wochen kommen, um Konturen schneiden und den Bart pflegen zu lassen. „Wir haben auch Kunden, die sogar wöchentlich kommen“, sagt der Kolbermoorer, der überzeugt ist: „Die Männer achten immer mehr auf ein gepflegtes Äußeres.“ Und dabei geht es nicht nur um den Bart. Yaylici: „Auch Angebote rund um die Gesichtspflege werden bei Männern immer beliebter.“
Haariger Einsatz
auch „weiter südlich“
Mit haarigen Einsätzen nicht nur im Gesicht, sondern an nahezu allen Stellen des Körpers haben es Sonja Landtrachtinger-Lechner und ihr Team jeden Tag zu tun. Landtrachtinger-Lechner betreibt den Beauty-Salon „Beauty Style Perfektion“ in Bad Aibling, in dem sie unter anderem auch verschiedene Möglichkeiten der Körperenthaarung anbietet.
Und an der sind nach Angaben der Fachfrau keineswegs nur Mangfalltalerinnen interessiert. „Es werden immer mehr Männer, die bei uns Termine vereinbaren“, sagt die Expertin. „Das geht von der Haarentfernung an den Armen über den Rücken bis hin zum Intimbereich.“
Dass sich während der Corona-Pandemie einige Männer in puncto Pflege und Erscheinungsbild etwas gehen haben lassen, habe sie schon bemerkt, sagt die Geschäftsinhaberin, die aber betont: „Mittlerweile ist bei den meisten wieder alles sauber und ordentlich.“ Wobei die Behaarung natürlich Geschmacksache sei. Sie macht allerdings auch keinen Hehl daraus, dass sie selbst kein großer Fan von Körperbehaarung ist. „Ein Pelz muss es für mich nicht sein“, sagt die Beauty-Expertin und ergänzt: „Je weniger, desto besser.“
Fußpflege wird am
häufigsten gebucht
Wobei ihre männliche Kundschaft im Studio nicht nur dem Pelz zu Leibe rücken lässt. „Am meisten wird Fußpflege gebucht, anschließend folgen Enthaarungen und dann Gesichtsbehandlungen.“ Doch auch Botoxing sei mittlerweile in der Männerwelt angekommen – und wird daher auch in ihrem Salon angeboten. Landtrachtinger-Lechner: „Das werden wirklich immer mehr, die das ausprobieren wollen.“ Während Landtrachtinger-Lechner als bei der männlichen Körperpflege auch mal ganz oben im Gesicht ansetzt, konzentriert sich Petra Schumacher aus Kolbermoor auf die Pflege ganz unten. Denn sie ist Fußpflegerin – und kümmert sich darum, dass bei Mann und Frau im wahrsten Sinne des Wortes nichts mehr unter den Nägeln brennt. „Die Füße tragen einen schließlich durch das ganze Leben“, erklärt Schumacher, warum es ihrer Meinung nach besonders wichtig ist, an den Füßen von professioneller Seite aus Hand anzulegen.
Hatten anfangs hauptsächlich Frauen Termine in ihrem Studio in Kolbermoor vereinbart, kommen seit einigen Jahren auch immer mehr Männer, um am Ende gesunde und vorzeigbare Füße präsentieren zu können.
Vielerlei Gründe
für Expertentermine
Die Gründe, weshalb Männer bei ihr Termine vereinbaren, seien vielfältig, sagt die Expertin. „Es gibt welche, die Problemstellen beseitigen lassen, aber auch viele, die einfach gepflegte Füße haben wollen“, so die Kolbermoorerin, die zudem verrät: „Natürlich gibt es auch Männer, die von ihren Frauen geschickt werden.“