Tuntenhausen – In der vergangenen Sitzung des Gemeinderates wurde der Weg zur Verwirklichung von Windenergieanlagen näher vorgestellt: vom ersten Gedanken bis zur Inbetriebnahme. Laut dem Windenergieatlas Bayern liegen im westlichen Gemeindebereich von Tuntenhausen drei Bereiche, in denen die Errichtung von Windenergieanlagen möglich wäre.
Phase der
Meinungsbildung
Im derzeit in Neuaufstellung befindlichen Flächennutzungsplan soll die Nutzung von Windenergie positiv verankert werden, meinte Bürgermeister Weigl zu Beginn der Vorstellung und betonte, dass man aktuell noch in der Phase der Meinungsbildung sei, weshalb die folgenden Ausführungen der Spezialisten von Reencon gut dazu beitragen können.
Da die infrage kommenden Vorranggebiete nahe an den Nachbargemeinden Bruckmühl und Baiern liegen beziehungsweise gemeindeübergreifend sind, werden diese Gemeinden mit einbezogen. Vertreter davon waren auch bei der Ratssitzung anwesend. Stefan Schindler von der Stephanskirchner Firma Reencon, ein lokaler Windenergieplaner, erläuterte das Konzept solcher Anlagen von der Planung über den Bau bis zur Inbetriebnahme. „Moderne Windenergieanlagen produzieren in unserer Region derzeit zwischen zehn und zwölf Millionen Kilowattstunden“, meinte Schindler. Nach seinen Worten ist die Energiewirtschaft ein Zusammenspiel vieler Akteure: Photovoltaik, Wasser- und Windkraft. Die heutigen Windenergieanlagen können ab einer durchschnittlichen Windgeschwindigkeit von etwa 4,8 Metern pro Sekunde wirtschaftlich betrieben werden. Dazu bedarf es allerdings noch einer großen Menge an Anlagen, denn bis 2035, so Schindler, müssen in Deutschland etwa 100 Gigawatt an Windenergieanlagen gebaut werden. Das sind etwa 16000 bis 20000 zusätzliche Anlagen. Heruntergebrochen bedeutet das 2,5 bis 3,5 Windenergieanlagen pro Gemeinde. Schindler schwenkte dann auf die kommunale Bauleitplanung, bei der es mittlerweile keinen bauplanungsrechtlichen Mindestabstand mehr gibt und auch keinen Vorrang des Artenschutzes. Er zeigte den Gemeinderäten und Zuhörern auch die Vorteile solcher Anlagen auf: Strom wird dort produziert, wo er verbraucht wird, die lokale Bevölkerung kann Eigentümer der Projekte werden und man wird unabhängiger vom Energieversorger. Allerdings kosten derartige Anlagen mittlerweile zwischen neun und elf Millionen Euro. 80 Prozent davon könnte man fremdfinanzieren; der Rest müsste an Eigenkapital aufgebracht werden. Weigl betonte dennoch die Wichtigkeit dieser Art der Energiegewinnung.
Einspeisungspunkte
sind ein Problem
In der anschließenden Diskussion fragte Johannes Weigl (PF Schönau) nach den Einspeisungspunkten, da man hier bekanntlich schon bei den Freiflächenanlagen Probleme hatte. Schindler bestätigte die Probleme, die letztlich deutschlandweit sind. Maria Breuer (ÜW Ostermünchen) fragte, warum die Anlagen immer höher werden. „Der Wind ist in diesen Höhen stetiger und hat zudem eine höhere Geschwindigkeit“, so der Reencon-Vertreter. Warum die Anlagenlaufzeit nur auf 25 bis 30 Jahre ausgelegt ist, fragte Margit Kraus (Liste 83104). Dies wurde mit technischer Veralterung begründet.