Ein klares Zeichen für die Demokratie

von Redaktion

Nein zu Verschwörungsideologen und Demagogen – Bekenntnis zur Vielfalt

Viele Teilnehmer hatten Transparente mit klaren Botschaften zur Kundgebung auf dem Marienplatz mitgebracht.

Markus Schmidt

Franz Mayer

Bad Aibling – „Für Demokratie, Vielfalt und ein starkes WIR!“ lautete das Motto einer weiteren Kundgebung, zu der der Bürger-Dialog Bad Aibling und der Verein „Mut & Courage Bad Aibling“ aufgerufen hatten. Mit dem Zitat von Winston Churchill, „die rechtsstaatliche Demokratie ist die zweitbeste Herrschaftsform, die beste existiert nicht“, leitete Moderator Richard Lindl den Abend mit rund 400 Teilnehmern ein, darunter die stellvertretende Landrätin Andrea Rosner, Altbürgermeister Felix Schwaller und Mitglieder des Aiblinger Stadtrates, und fügte hinzu: „Die Demokratie, in der wir leben dürfen, muss geschützt werden und dafür sind wir heute da.“

„Gemeinsam die
Stimme erheben“

Leider fiel ein Wermutstropfen in die Veranstaltung, denn der als Redner angekündigte Kabarettist Christian Springer musste wegen einer anderen Verpflichtung kurzfristig absagen. Seinen Redetext trug Richard Lindl vor. „Wir müssen heute hier sein, gemeinsam die Stimme erheben, weil es inzwischen viel zu viele gibt, die unsere Demokratie angreifen, und genau die wehren sich dagegen, dass man sie Rechte nennt. Sie behaupten immer: Sie sind die Mitte der Gesellschaft.

Wer die Wirklichkeit verdreht, wer Zitate fälscht und Fakten weglässt, wer sich einen Staat wünscht, in dem Schwule nicht heiraten dürfen, wer behauptet, den Klimawandel gibt es nicht, so jemand ist nicht Mitte der Gesellschaft, sondern rechts und nochmals rechts. Wir sind heute noch die Mehrheit und werden dafür sorgen, dass unsere Kinder nicht in einem AfD-Land aufwachsen, sondern in einer Demokratie“, lautete die Kernaussage der Rede. Claudia Hinterecker, Mitinitiatorin des „Wir sind lauter“-Demokratiefestivals 2023, bekräftigte: „Wir wollen unsere Demokratie verteidigt sehen, und wir werden sie auch verteidigen. Dafür müssen wir alle argumentieren können, wenn unser Gegenüber schon lange keine Argumente mehr hat. Wissen und Information sind Macht. Doch sie sind auch verletzlich gegenüber Desinformation, Angst und PC. Wir müssen uns verbinden, austauschen und uns trauen zu politisieren. Auch und gerade dann, wenn es ungemütlich wird. Wenn wir rassistische oder ausgrenzende oder homophobe Aussagen mitbekommen, müssen wir laut werden.“ Anerkennend und unter Beifall erwähnte sie die Anwesenheit des Kurhaus-Betreibers bei der Veranstaltung. Ihre Rede schloss sie mit eindringlichen Zeilen aus dem Gedicht „Von guten Mächten“ von Dietrich Bonhoeffer.

Im letzten Redebeitrag setzte sich der Aiblinger Regisseur Michael Stacheder mit den städtischen Verantwortlichen auseinander, die seiner Meinung nach untätig dabei zusahen, wie das Kurhaus und Bad Aibling zu einem Hotspot von verschwörungsideologischer Propaganda wurden. „Noch am heutigen Abend vermisse ich ein klares, vernehmbares, gemeinschaftlich verfasstes Statement von AibKur, Bürgermeister, Stadtverwaltung und den im Aiblinger Rathaus vertretenen demokratischen Parteien“, beklagte er. In einem Rechtsstaat, in dem die Meinungsfreiheit ein hohes Gut darstelle, sie geachtet und respektiert werde, gelte es jedoch auch, alle demokratischen Räume zu schützen und zu verteidigen.

Propaganda und
Hetze nehmen zu

Die Entwicklungen der vergangenen Jahre hätten deutlich gezeigt, wie Verschwörungsideologen und Demagogen mit ihrer demokratiefeindlichen Propaganda und Hetze immer mehr den öffentlichen Diskurs zu bestimmen versuchen. „Wir alle müssen dafür kämpfen, dass dieses ,Nie wieder ist jetzt‘ in unserem Zusammenleben immerwährend Bestand hat. ,Nie wieder ist jetzt‘ ist mehr, es ist ein Auftrag an uns alle und im Besonderen an unsere demokratischen Parlamentarier, die für den Fortbestand unseres demokratischen Staates Sorge zu tragen haben“, stellte er fest.

Für die musikalische Umrahmung sorgten, viel beklatscht, „Heavy Man Ibou & Friends“, unter anderem mit selbst geschriebenen afrikanischen Songs, wie „Asim Bonanga“ und „Djeery“, und „Biene“ (alias Christina Ullmann) und Raphael Lichius mit den Liedern „Hey, gib mir dei Hand für a Zukunft mitanand“ und „We shall overcome“.

Stimmen von Bürgern bei der Versammlung „Für Demokratie, Vielfalt und ein starkes WIR!“

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